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"Schlager war immer da"

Mary Roos tourt mit Musik-Comedy "Nutten, Koks und frische Erdbeeren"

Mary Roos ist als Sängerin fast 40 Jahre im Geschäft, war Teilnehmerin und Jurorin beim Grand Prix. Als einzige Deutsche gab es für sie eine Muppet-Sonder-Show. Jetzt tourt sie mit einer Schlager-Satire.

20.04.2016
  • CLAUDIA REICHERTER

Frau Roos, erinnern Sie sich an Ihren ersten Auftritt - mit neun Jahren?

MARY ROOS: Ja, das war hundertprozentig bei uns zuhause im Hotel, weil wir da immer zum Fünf-Uhr-Tee mit Live-Band gesungen haben. Da wurde ich entdeckt. Meine Mutter hat mir erzählt, dass ich mit vier Jahren zu ihr gesagt habe: "Ich werde Theaterin". Was immer das ist, ich bin es geworden. Denn ich hab ja auch Theater gespielt und Musicals gemacht.

Sie sind sehr vielseitig. . .

ROOS: Gell, ich bin auch immer ganz überrascht, wenn ich in meiner Biografie lese, was ich schon alles gemacht habe. Unglaublich.

Als es Ende der 60er Jahre so richtig losging mit Ihrer Schlagerkarriere, wäre ein Name wie Lena Meyer-Landrut für eine Sängerin eher noch nicht so denkbar gewesen, oder?

ROOS: Wir mussten uns damals in den 70er Jahren alle einen andern Namen zulegen, und der musste nach Möglichkeit englisch klingen. Also, Rex Gildo hieß natürlich nicht Rex Gildo und Roy Black nicht Roy Black. Der hieß Höllerich. Aber witzigerweise, weil Sie das ansprechen mit Lena Meyer-Landrut, damals saß ich ja dank Hape Kerkeling in der Jury des Grand Prix, oder wie nennen die das jetzt, Eurovision Song Contest, und da hab ich also hautnah den Sieg von der Kleenen erlebt. Das war sehr schön.

Sie haben in den vergangenen 40 Jahren kontinuierlich etwa alle zwei Jahre ein Album rausgebracht. Wann ist der Punkt erreicht, dass man sich mit dem Künstlernamen so richtig identifiziert?

ROOS: Nur meine Schulfreundin sagt noch "Rosemarie" zu mir. Alle andern nennen mich Mary. Selbst in meiner Familie. Die sagen zwar nicht "Mary", sondern "Maly", weil meine kleine Nichte kein "r" sprechen konnte, und da haben die das alle übernommen, aber sonst sagt eigentlich jeder "Mary". Für mich ist das ganz normal, ich zucke da nicht mehr zusammen.

Ein Imagewandel ging mit der Namensänderung aber nicht einher?

ROOS: Nein, ich glaube, wenn man diesen Beruf so jung beginnt, bleibt man aufm Boden. Viele Menschen stellen sich ja vor, wir laufen im Abendkleid zum Gemüse einkaufen, nicht? Wenn man als Kind schon mitkriegt, wie das funktioniert, dass das ein wunderschöner Beruf ist, aber auch sehr hart, kann man damit wahrscheinlich besser umgehen, als wenn jemand aus so einer Talentshow kommt. Der ist zwar für ein Jahr Superstar, aber danach kommt schon der nächste. Statt dass sich jemand mit dem beschäftigt und sagt, wir glauben an dich, wir arbeiten mit dir. Das ist unsere Wegwerfgesellschaft, leider.

Worin unterscheidet sich die Szene heute sonst noch von damals?

ROOS: Damals gab s noch nicht so viele Sängerinnen. Jetzt haben wir ja eine Flut von sehr begabten jungen Leuten. Damals konnte man in Ruhe seine Karriere machen. Heute ist alles sehr schnell. Man muss schnell nach oben, schnell sehr viele Platten verkaufen, sonst wird man ausgetauscht.

. . .und muss ins Dschungelcamp?

ROOS (lacht): Ja, das gab s damals nicht. Es ist sicher für manche Zuschauer interessant, aber ich möchte da nicht hingehen. Auch ich hab natürlich diese Angebote bekommen. Aber ich kann s mir gar nicht vorstellen, nein.

Worauf führen Sie das Wiedererstarken des deutschen Schlagers zurück?

ROOS: Das ist wie mit der "Bild". Keiner liest sie, aber die haben eine hohe Auflage. Ich glaube, dass der Schlager immer da und interessant war. Selbst bei den Jungen. Wenn die ein paar gekippt haben, sangen sie alle Texte mit. Zudem sind das heute wie die Helene junge, hübsche Leute, die wissen, wie s geht, wie man erfolgreich ist, wenn man gewisse Voraussetzungen bedient.

Damals wurden oft englische Titel ins Deutsche übertragen, nicht?

ROOS: In den 80ern, ja. Das sind so Moderichtungen. Jetzt ist es der Mallorca-Schlager oder Volks-Rock n Roll. In Frankreich, wo ich viele Jahre sehr erfolgreich war, gibt es dieses Schubladendenken nicht, da ist alles Chanson. Man fragt nicht, ist das intellektuell genug? Man sagt, das ist gut. Oder schlecht. So sollte man Musik beurteilen. Wenn man sie mag, muss man sie auch verteidigen. Kann ja nicht jeder den gleichen Geschmack haben, das wär furchtbar. Dann hätten wir alle die gleichen Männer!

A propos Männer: Wie war es, mit einem Mann verheiratet zu sein, den die ganze Nation nur mit einem Gummigockel unterm Arm kennt?

ROOS: Werner Böhm, oder Gottlieb Wendehals, auf den Sie anspielen, war ein durchaus attraktiver Mann. Und ich bin niemand, der sagt, das war falsch damals. Alles Schlimme, was einem im Leben begegnet, muss man annehmen. Oder ändern. Man kann aus jeder Situation lernen, und das hab ich getan.

Ihre Lieder handeln oft von Liebe. . .

ROOS: Nicht mehr! Auf meinem neuen Album gibt es sogar ein Lied, das Pe Werner für mich geschrieben hat, das heißt "Unbemannt". Weil ich das bin.

Sie arbeiteten mit Giorgio Moroder, Dieter Bohlen, Michael Holm - doch viele Ihrer Songs sind autobiografisch. Schreiben Sie Texte auch selbst?

ROOS: Es ist oft so, dass ich die Idee hab , und dann wird es geschrieben, so wie ich es sagen würde. Ich bin viel zu ungeduldig, um Texte zu schreiben. Ich glaube, ich könnte ein ganz gutes Buch schreiben, aber keinen Songtext. Das muss sich immer reimen, das ist nichts für mich.

Ihr neues Programm "Nutten, Koks und frische Erdbeeren" hört sich ja recht despektierlich an. . .

ROOS: Es ist eine ganz schwarze Satire, unterhaltsam und jeden Abend anders, denn vieles ist improvisiert. Die Leute sagen, sie haben danach zwei Wochen Bauchweh vor Lachen. Der Titel kann in katholischen Gegenden von Nachteil sein. Er bezieht sich auf einen Spruch von Heino. Eines Tages kam er aus seiner Garderobe und brüllte den Manager an: "Es fehlen die Erdbeeren!" Ich freu mich da immer wie ein Kind, weil wir so viele Boshaftigkeiten loslassen dürfen.

Geburtsname Rosemarie

Vita Mary Roos wurde am 9. Januar 1949 in Bingen (Rheinland-Pfalz) als Rosemarie Schwab geboren. In erster Ehe war sie mit Pierre Scardin verheiratet, von 1981 bis 1989 mit Musiker Werner Böhm. 1972 und 1984 trat sie zum Grand Prix d’Eurovision an.

Show Mary Roos gastiert mit Wolfgang Trepper und der Show „Nutten, Koks und frische Erdbeeren – Die Geschichte des deutschen Schlagers“ am 17. Mai in Karlsruhe, am 18. in Stuttgart und am 19. in Ulm. Karten: (0711) 84 96 16 72 und tickets@c2concerts.de

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20.04.2016, 06:00 Uhr

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