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Aus Liebe zu den Phänomenen

Mathilde-Weber-Schule begeistert Erzieherinnen für Naturwissenschaften

Schon Wasser und Spülmittel reichen, um aus Kindern kleine Forscher zu machen. Das erleben Erzieher/innen im Arbeitsalltag. Wie sie Kindern Naturwissenschaften spielerisch nahebringen, lernen sie an der Mathilde-Weber-Schule.

20.10.2012
  • Ute Kaiser

Tübingen. Nach dem Motto „Forschen bringt Erkenntnis“ ist die Schule schon vor sechs Jahren vorgeprescht – mit Fortbildungen an interaktiven Experimentierstationen. Nur drei Jahre später war sie eine von landesweit sechs Kooperationsschulen der Technik-Erzieherinnen- Akademie. Das klingt trocken, ist es aber nicht, wie die Schule gestern Morgen Gästen vorführte – unter ihnen Frank Mentrup (SPD), Staatssekretär im Stuttgarter Kultusministerium, und Stefan Küpper, für Bildungspolitik zuständiger Geschäftsführer bei Südwestmetall, dem Verband der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie.

Der Gag bei der Ausbildung. Die angehenden Erzieher/innen, die nicht unbedingt einen Hang zu Naturwissenschaften haben, kommen beim Experimentieren auf den Geschmack. „Eigentlich macht es richtig Spaß“, sagte Samantha Bopp, selber zu forschen, zu verstehen, zu lernen und die Begeisterung an die Kinder weiterzugeben. Sie schreckte auch nicht vor dem vom Staatssekretär eingebrachten Stichwort „Schifffahrt“ zurück. „Ich weiß jetzt, wie ich mich damit ganz anders auseinandersetzen kann“, sagte sie und entwarf flugs eine Versuchsanordnung für den Kindergarten.

Gesetze der Physik praktisch erleben

Emilia Ene hat in Rumänien Physik studiert. Vor zwei Jahren hat sie ihre Erzieherinnenausbildung beendet und viele Experimente mit Kindergruppen gemacht. Etwa auf der Rutsche mit einer glatten Jeans oder einer nassen Matschhose, mit der die Kleinen nicht vorwärtskommen. Auch beim Obstwiegen im Kaufladen. „Es ist gut, wenn die Kinder ein bisschen Liebe zu den Phänomenen haben“, sagt sie, „gerade auch in einem industrialisierten Land.“

Das hörte Stefan Küpper gerne. Denn aus Sicht des Bildungsfachmanns von Südwestmetall können nur begeisterte Lehrkräfte auch begeistern. Der Verband, der die Technik-Erzieherinnen-Akademie von 2009 bis 2015 mit 1,25 Millionen Euro unterstützt, erhofft sich langfristige Folgen. Wenn das Interesse am Experimentieren und Forschen schon im Vorschulalter gefördert wird, werden sich vielleicht später mehr junge Leute für Fächer wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik interessieren, also für die Bereiche, in denen Fachkräfte fehlen.

Seit diesem Jahr gibt es einen Lehrplan für das neue Wahlpflichtfach „Forschen und Experimentieren“. Christina Beck von der Fachschule für Sozialpädagogik der Mathilde-Weber-Schule hat ihn mitentwickelt. Mit ihrer Kollegin Sonja Geßler-Becht brachte die Lehrerin den Gästen gestern die Theorie und das Konzept und dann gemeinsam mit Schülerinnen die Praxis nahe. Beim Versuch, wie aus Wasser Saft wird, durfte spekuliert werden. Beck wünscht sich von den Erzieher/innen eine „neugierige, forschende, lernende Grundhaltung“.

„Naturwissenschaften und Technik erfahrbar machen“: Dieses Anliegen bestimmt nicht nur die Ausbildung der aktuellen Schüler/innen. Auch Erzieher/innen, die längst im Beruf stehen, können sich an der Schule unter dem Titel „Staunen, Experimentieren und Reflektieren. Lernen am Phänomen“ fortbilden. „Beim Machen bekommt man andere Einblicke, und es passieren Sachen, mit denen man nicht gerechnet hat“, sagte Sabine Mair. Das sei ganz anders, als die Phänomene nur „im Kopf durchzudenken“.

Die Gäste waren von der Präsentation sehr angetan. Sie habe Lust gemacht, „selbst als Kind in einer Gruppe zu sein“, lobte der Staatssekretär aus dem Kultusministerium Lehrerinnen und Schüler/innen.

Mathilde-Weber-Schule begeistert Erzieherinnen für Naturwissenschaften
Nudeln kann man nicht nur essen, sondern damit sogar Brücken bauen. Auch das lernen angehende Erzieherinnen an der Mathilde-Weber-Schule, die Naturwissenschaften für Kindergartenkinder spielerisch erfahrbar machen will. Julia Bako (Mitte) erklärt ihren Mitschülerinnen Melanie Mitoussis (links) und Chantal Viturtia das Konstruktionsprinzip. Bild: Sommer

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20.10.2012, 12:00 Uhr

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