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So war das Leben in einem Bauernhaus

Matthias Bader über das Heimatmuseum

Am Sonntag ist wieder Höflesfest in Jettenburg . Dabei gibt es nicht nur Essbares, sondern auch Führungen durch das private Heimatmuseum der Familie Bader. Museumsleiter Matthias Bader erwartet rund tausend Besucher.

18.08.2012
  • Caroline Haro

Heimat ist ein weiter Begriff. Wie Karl Bader ihn wohl verstanden hat? Der verstorbene Schreinermeister und Gründer des Braun Möbel-Centers hat 1992 das Jettenburger Heimatmuseum gegründet. Es war für die Jettenburger gedacht, aber es war auch sein privates Hobby. „Heimat war für ihn keine Worthülse, sondern Lebensinhalt“, sagte Prof. Herbert Raisch vom Geschichtsverein Härten bei Baders Beerdigung vor drei Jahren. Damit meinte er dessen Begeisterung für das Sammeln von alten Möbeln, Spielzeug und Haushaltsgeräten.

Alltagsgegenstände jeglicher Art bewahrte Bader seit seiner Jugend gern auf. Er kannte noch keine Wegwerf-Gesellschaft. So füllte sich sein Haus, bis mithilfe des Geschichtsvereins Härten das Heimatmuseum „Im Höfle“ entstand. Herberge dafür war das Haus der Eltern seiner Frau Helene. Und Bader sammelte weiter.

Sohn Matthias führt das Museum weiter

Nach seinem Tod kümmert sich nun sein Sohn Matthias Bader um die Instandhaltung des Museums. Hauptberuflich ist er Unternehmer und Geschäftsführer des Braun Möbel-Centers. „Bevor die Leute aus der Gegend etwas wegwerfen, bringen sie die Dinge vorher bei uns vorbei“, sagt Bader junior. Die neuen Gegenstände werden dem Bestand des Museums hinzugefügt, je nachdem, ob sie in die Küche, das Schlafzimmer oder die Scheune passen. Die Exponate im Höflesmuseum stellen ein Bauernhaus zur Zeit des frühen 20. Jahrhunderts und darüber hinaus nach. Da sieht man alte Waffeleisen in einer kleinen Küche, ein Spinnrad und in die Ortstracht gekleidete Puppen in einem Zimmer, das nur sonntags genutzt wurde. „Diese Möbel gehörten einer Famile aus der Stadt“, sagt Bader. In einem Bauernhaus hätte es einfacheres Mobiliar gegeben.

Eine knarrende Treppe höher ist ein Schlafzimmer zu sehen, im Bett liegt eine umhäkelte Wärmflasche aus Metall. An der Wand steht ein Bauernschrank, der mit Aussteuer gefüllt ist. Diese Bettwäsche bekam eine Braut damals von ihren Verwandten zur Hochzeit.

„Das war einmal meiner“, lächelt Bader. Er zeigt auf einen Plüschbär auf Rädern. Im sogenannten „Winterzimmer“ steht noch mehr Spielzeug: Schlitten, Schaukelpferde und Schlittschuhe zum Anschnallen waren eine gute Beschäftigung für Kinder, wenn es draußen kalt war.

Vorbei an einer Reihe typischer Trachten aus der Umgebung gelangt der Besucher in eine große Scheune. Sie ist mit allen möglichen Landwirtschaftsgeräten bestückt, darunter sind einige Exemplare eines Behälters, der im Schwäbischen „Kompf“ heißt. Das ist ein Gefäß, das den Wetzstein für Sensen und Sicheln feucht hielt. Man nahm es auf den Acker mit. „Kompf“ ist auch der Name des Gasthofs, den Bader vor einem Jahr in Jettenburg eröffnet hat. „Das Wort ist einprägsam und kurz“, erklärt Bader seine Namenswahl. „Es sagt etwas über das Ambiente aus, und man kann rätseln, was es ist.“ Einige Ausstellungsstücke aus dem Museum hat er zur Ausgestaltung des Gasthofs verwendet.

Doch zurück zur Scheune. Dort holt Bader einen Bierkasten aus Metall hervor. Im Vergleich zu den heutigen Plastikausgaben besitzt dieser einen eigenen Charme. Da wird verständlich, warum schon Karl Bader meinte, dass solche Dinge „auch etwas für andere“ – also für jüngere Generationen – sind. Er wollte, dass die Besucher des Museums erfahren, wie man früher „geschafft und gelebt“ hat.

Das Museum ist nicht jeden Tag geöffnet, nach Anmeldung führt aber ein Mitglied des Geschichtsvereins Härten oder Bader selbst durch die Sammlung. Es sind meist ältere Besucher, die sich für Führungen im Museum anmelden, etwa Albvereine oder Jahrgängergruppen. Sie scheinen sich eher als die Jugend für den Bauernalltag, alte Geräte und traditionelle Kleidung zu interessieren. Anlässe wie das Höflesfest sind geeignet, ein breiteres und jüngeres Publikum anzusprechen.

Höflesfest lockt immer mehr Publikum an

„Es kommen jedes Jahr mehr Leute, denn es spricht sich herum, dass es hier gemütlich ist“, sagt Bader zuversichtlich. Im Garten hinter dem Museum stellt der Geschichtsverein für die Feier Bierbänke auf. Bei Regen oder zu großer Hitze können die Scheune und mehrere Überdachungen Schatten spenden. Wer in der Scheune Platz nimmt, kann die Pflüge an der Decke begutachten oder sich erklären lassen, wie eine Saftmühle funktioniert.

Matthias Bader über das Heimatmuseum
Matthias Bader (Bild) kümmert sich um das Heimatmuseum, das sein Vater Karl Bader 1992 gegründet hat. Die Sammlung soll das Leben in einem Bauernhaus auf den Härten zeigen. Sie umfasst Möbel, Haushaltsgegenstände, Spielzeug und Landwirtschaftsgeräte. Hier in der Scheune des Bauernhauses hängen die „Kompfe“ unter den Sicheln an der Wand. Diese Behälter wurden mit Wasser befüllt, um Wetzsteine für Sensen und Sicheln feucht zu halten.Bild: Caroline Haro

Matthias Bader über das Heimatmuseum
Ledig war ein Jettenburger Mädchen, wenn es eine solch farbenfrohe Tracht trug. Manche Trachten wurden dem Heimatmuseum von Privatpersonen gespendet, manche nähte Karl Baders Frau Helene nach. Bilder: Caroline Haro

Seit dem Tod von Karl Bader heißt das traditionelle Höflesfest im Jettenburger Heimatmuseum „Karls Höflesfest“. Hausgemachte Maultaschen und Flammkuchen, Würstchen und Most gibt es am morgigen Sonntag, 19. August, zwischen 11 und 17 Uhr. Hinter dem Museum in der Mähringer Straße 16 laden auch Schattenplätze zum Feiern ein.
Da der Mensch nicht von Brot allein lebt, zeigt der Geschichtsverein Härten die Sammlungen im Bauernhaus.
Mittags spielt die Original Donauschwäbische Blaskapelle.

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18.08.2012, 12:00 Uhr

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