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Literatur

„Mauersegler möcht' ich sein“

Schauspieler Wanja Mues liest gern, als Hörbuch-Sprecher auch für andere. Was ihn an „Der Geschmack von Laub und Erde“ besonders reizt.

18.01.2017
  • CLAUDIA REICHERTER

Berlin/Ulm. Seit 32 Jahren übt er seinen Beruf aus, wurde als „Theaterkind auf die Bühne geboren“, war schon als Teenie im TV-Mehrteiler zu sehen, lernte das Metier in New York, spielte in zahlreichen Fernsehserien und wirkte in Kino-Hits mit. Dennoch ist sein Name nicht so bekannt wie das Gesicht: Wanja Mues. In der Neuauflage von „Ein Fall für Zwei“ hat der 43-Jährige eine Serienrolle, die ihm Spaß macht, seine Familie ernährt – und ihm die Freiheit lässt, nebenbei Hörbücher aufzunehmen.

Herr Mues, sind Sie ein „echt durchgeknallter Spinner“?

Wanja Mues: Als Schauspieler muss man ein durchgeknallter Spinner sein, um den Beruf auszuüben. Aber ich habe auch liebevolle, freundliche Seiten.

Charles Foster bezeichnet sich in dem Buch „Der Geschmack von Laub und Erde – Wie ich versuchte, als Tier zu leben“ als Spinner und als unzulänglichen Autor eines unzulänglichen Buches . . .

Das ist natürlich ein bisschen kokett. Er beschreibt zwar immer wieder, dass er an bestimmten Punkten gescheitert sei, das finde ich aber letztlich gar nicht. Denn wenn das Buch durchgelesen oder durchgehört ist, bleibt wirklich wahnsinnig viel haften.

Sie jedenfalls scheinen überhaupt kein unzulänglicher Sprecher zu sein. Weshalb wurden Sie für die Hörbuchversion trotzdem ausgewählt?

Grundsätzlich sollte die Stimme zum Thema passen. Nachdem Der Audio Verlag und ich zuvor eine sehr angenehme Erfahrung gegenseitiger Natur mit der Aufnahme von Christian Krachts „Die Toten“ gemacht hatten, wurde ich wieder angefragt. Das Thema fand ich spannend. Ich hatte über meine Frau schon Zeitungsberichte bekommen über dieses Buch, weil die auch so ein Tierfanatiker ist und sagt, das ist ja irre, dass jemand versucht, sich Tieren auf diese Art und Weise anzunähern. Deshalb war ich glücklich, das einlesen zu dürfen.

Dies ist nicht Ihr erstes Hörbuch. Wie stark beschäftigen Sie sich zuvor mit den zu vertonenden Texten?

Ich finde, dass man als Schauspieler das Handwerkszeug haben muss, sich mit allen möglichen Rollen, auch für Hörbücher, auseinandersetzen zu können. Der Text war für mich nicht sperrig. Aber es war mein erstes Sachbuch. Zuvor hatte ich etwas Sorge, dass diese Inseln, die wir in andern Büchern mittels Dialogen, für die wir uns lustige Stimmen ausdenken, bauen, um die Leute zu erreichen, nicht möglich sind. Dabei gibt es genau diese Inseln auch. Das sind dann halt innere Monologe. Man schaut sehr genau im Fließtext, wo man den Rhythmus verschiebt oder die Intensität verändert.

Ist das vergleichbar mit der Arbeit für Film, Fernsehen oder Theater?

Nein, ganz anders. Weil man keinen direkten Schauspielpartner hat. Ich arbeite vor Ort mit einem brillanten Regisseur, Boris Heinrich, den ich bestens kenne, muss da aber schon sehr gut vorbereitet hingehen.

Deshalb geraten Sie weder bei ekligen Beschreibungen noch bei bei langen Fachbegriffen ins Stocken.

Ja. Ich muss das Buch mindestens drei- und idealerweise fünfmal gelesen haben. Erstmal, um zu wissen, was da vorkommt; zweitens, um mir bestimmte Passagen vorzumerken, bei denen ich weiß, uh, das könnt' ein bisschen kniffliger werden; beim dritten Mal fange ich an, mir Wörter rauszuschreiben, die mir unbekannt oder schwierig zu sprechen sind.

Wie lang dauerten die Aufnahmen für das sechsstündige Hörbuch?

Ich schaffe am Tag eine CD zu etwa 70 Minuten . Oder anderthalb. Lieber teile ich mir zu viel Zeit ein, als hetzen zu müssen.

Sollte der Mensch wirklich mehr Dachs sein, damit es ihm gutgeht?

Mir ist bei Fosters allesamt richtigen und schlüssigen Beschreibungen der Mauersegler am nächsten. Durch diese Freiheit, die der hat, Wochen und Monate in der Luft verbringen zu können ohne ein einziges Mal landen zu müssen. Ich denke, alle Menschen könnten etwas mehr vom Mauersegler vertragen. Der Dachs vergräbt sich halt, und ich finde, wir vergraben uns alle eh viel zu viel.

„Katzen sind am besten in den Händen wirklich miserabler Tierpräparatoren aufgehoben“ – was hat Foster gegen das beliebte Haustier?

Das hab ich auch versucht zu verstehen, denn eigentlich kann nicht einer, der Tiere liebt, ein einzelnes Tier rausgreifen und schlechtmachen. Er muss ein frühkindliches Trauma mit einer Katze gehabt haben. Das ist natürlich auch absichtlich provokant, bringt ein Schmunzeln rein und zeigt ihn nicht nur als Tierliebhaber. Er war zunächst Jäger und wandelte sich zum Gejagten.

Wie finden Sie es als Vater, dass der Autor samt Kind als Dachs lebte?

Erst hab ich gedacht: Krass, kann ja wohl nicht wahr sein. Der Sohn war glaub' acht. Aber ich war selber früher gern mit meinen Eltern zelten und hab Zeit in der Natur verbracht. Und auf Anraten seiner Frau waren sie ja nicht unter der Erde eingebuddelt, sondern hatten sich eine Art Tunnel gebaut. Also er hat den Sohn nicht in Gefahr gebracht. Aber ich bin mal gespannt, ob dem das guttat oder ihn traumatisiert hat.

Wie stark ist Ihr Forscherdrang?

Ich hab eine Frau geheiratet, die naturverbunden ist und den Forscherdrang hat. Ich liebe sie dafür, dass sie diesen Teil in unsere Ehe reingebracht hat. Selber bin ich lieber im Café . Ich schwimme auch gern im See, muss mich aber nicht als Otter in Neopren in eiskalte Gumpen legen. Da suche ich mir lieber ein Tier aus, das mir näher ist. Als Kind bei meiner Ballettausbildung sollten wir Tiere darstellen. Da hab ich mich in die Mitte gelegt. Ich war der Löwe, der sich das Treiben in der Savanne in Ruhe anguckt.

Wie wichtig, spannend oder auch finanziell notwendig ist es für Schauspieler, Hörbücher einzulesen?

Ich habe ein riesiges Interesse an Literatur, mache gern Lesungen, Lesereisen und lese irre gern Hörbücher ein. Es ist nicht schlecht bezahlt, aber kein Vergleich zu dem, was man bei Film und Fernsehen verdienen kann. Und die Arbeit ist immens viel größer. Wenn man es gut machen will, steht der Arbeitsaufwand in keinem Verhältnis zur Bezahlung.

Was steht demnächst beruflich an?

Wir drehen im März wieder „Ein Fall für Zwei“. Und ich lese bei zwei Jazzfestivals.

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18.01.2017, 06:00 Uhr

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