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High Noon im Labor

Max-Planck-Forscher bestätigen: Wer zuerst zieht, unterliegt

Im Reagieren sind Menschen schneller als wenn sie von sich aus handeln. Das haben Tübinger Max-Planck-Wissenschaftler mit britischen Kollegen herausgefunden.

04.02.2010

Tübingen. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen und der Universität Birmingham lieferten sich eine „Schießerei“ im Labor: Sie wollten beweisen, dass Menschen sich schneller bewegen, wenn sie auf Geschehnisse ihrer Umwelt reagieren, als wenn sie die Handlung selber herbeiführen. Die Idee, die von Westernfilmen inspiriert wurde, könnte dabei helfen, im Straßenverkehr besser zu bestehen. Denkbar sind auch Mobilisierungs-Strategien für Parkinsonpatienten.

So war es in den Westernfilmen aus den frühen Zeiten der Hollywood-Ära: Der Mann, der zuerst die Waffe zog, lag zuerst am Boden. Dieses Szenario veranlasste den Nobelpreisträger Niels Bohr zu der Vermutung, dass derjenige schneller handelt, der auf einen Schuss reagiert, als jener, der die Initiative ergreift und das Duell eröffnet. Eine Beobachtung, die sich auf das tägliche Leben übertragen lässt.

„Wir wollten wissen, ob es Beweise dafür gibt, dass Reaktionen schneller sind als die gleichen Bewegungen, die aus Eigeninitiative entstehen“, sagt Andrew Welchman, Erstautor der Studie und Wissenschaftler an der Universität Birmingham. Der Wissenschaftler forderte jeweils zwei Versuchsteilnehmer zu einem Wettstreit auf: Sie sollten Tasten auf einer Schaltfläche schneller als ihr Konkurrent drücken. Es gab kein Startsignal, die Probanden mussten entweder auf eigene Initiative handeln oder schneller reagieren als ihr Gegner.

Das Ergebnis bestätigte die Erwartungen: Die Teilnehmer, die auf die Handlung eines anderen reagierten, waren im Durchschnitt 21 Millisekunden schneller als jene, die diese initiierten. Allerdings passierten bei den Reaktionen mehr Fehler als bei den Aktionen. Diese „Quick-and-dirty“-Strategie, das schnelle, aber nicht ganz akkurate Reagieren, könnte sehr nützlich sein, vermutet der Wissenschaftler: „21 Millisekunden sind zwar nur ein sehr geringer Zeitunterschied und würden unser Leben in einem echten Duell nicht retten, Aber dieser Bruchteil einer Sekunde könnte den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten, wenn wir beispielsweise einem Bus ausweichen müssen.“

Angeblich duellierte sich Niels Bohr mit seinem Kollegen George Gamow mit Spielzeugpistolen, um seine Theorie zu beweisen. Er verhielt sich defensiv und gewann trotzdem jedes Mal.

Existieren also zwei unterschiedliche Prozesse im Gehirn für zwei verschiedene Arten von Handlungen? Bekannt ist von Parkinson-Patienten, dass sie besser reagieren können als vorsätzliche Bewegungen auszuführen. Einen Ball vom Tisch zu nehmen, fällt ihnen schwerer, als denselben Ball spontan zu fangen. „Dies könnte der Beweis dafür sein, dass die Bereiche im Gehirn, welche durch Parkinson betroffen sind, mehr für bewusste Handlungen als für Reaktionen verantwortlich sind“, sagte Heinrich Bülthoff, Direktor am Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. upf

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04.02.2010, 12:00 Uhr

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