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Zutrauliche Rabenkrähen waren Dohlen

Maximilian Rapp hat zwei Vögel aufgezogen

Vor einer Woche berichteten wir an dieser Stelle über das Art-untypische Verhalten zweier Rabenkrähen, die sich einer Frau aus dem Cottbusser Weg zutraulich auf die Schulter setzten und mit ihr kuschelten. Ein Glück, dass die nicht panisch reagierte, sondern genau das Richtige in dieser Situation tat: keine heftigen Abwehrbewegungen, aber auch kein Versuch, die beiden Vögel mit Futter anzulocken.

29.06.2012
  • Ulrich Eisele

Nun hat sich herausgestellt: Das waren gar keine Krähen, schon gar nicht wild lebende. Bei uns in der Redaktion rief nämlich ein junger Mann an, der die vermeintlichen Rabenkrähen auf einem Video unserer Online-Nachrichtenseite als die beiden jungen Dohlen identifizierte, die er mit seiner Freundin zusammen mühsam aufgepäppelt hat. Etwa eine Woche vor dem Vorfall mit der Frau im Video seien die beiden bei ihm ausgezogen, weil sie flügge waren.

Rabenkrähen kuscheln mit Rottenburgerin

Rabenkrähen kuscheln mit Rottenburgerin --

00:38 min

Maximilian Rapp, so heißt der junge Mann, hatte die beiden als nackte, hilflose Küken unter einem Baum gefunden und mit nach Hause genommen. Der angehende Förster, der an der Fachhochschule Rottenburg studiert, kennt sich aus mit Piepmätzen. Im Alter von 14 Jahren pflegte der aus Pforzheim stammende Student einen Bussard mit gebrochenem Flügel. Auch Krähen, Mäuse und Siebenschläfer rettete er schon vor dem sicheren Tod.

„Dohlen legen meistens fünf Eier“, weiß der 21-Jährige. Nur zwei oder drei davon würden ausgebrütet, der Rest fliege aus dem Nest. „Das waren vermutlich zwei so Nesthäkchen“, glaubt Rapp.

Für ihn und seine Freundin Carmen Bopp begann damit eine anstrengende Zeit. Jede Stunde mussten die beiden Vogelbabys zu Beginn mit einem Insekten-Cocktail gefüttert werden – Tag und Nacht. Später hatten die Zieheltern viel Spaß an den ersten tapsigen Gehversuchen – oder, wenn die beiden Flauschkugeln auf dem Balkon in einer Schüssel badeten.

Maximilian Rapp hat zwei Vögel aufgezogen
Carmen Bopp mit den beiden jungen Dohlen.Bild: Rapp

Maximilian Rapp und seine Freundin nahmen die beiden Dohlen auch mit zu Spaziergängen ins Grüne – oder zum Wochenendbesuch nach Pforzheim. Nach sechs Wochen wurden die schwarz gefiederten Vögel, die auf der Liste der bedrohten Arten stehen, langsam flügge; die Zeit des Abschieds nahte. „Erst sind sie auf den Baum vor dem Haus geflogen, dann in die umliegenden Gärten, und irgendwann sind sie nicht mehr zurückgekommen.“

Sehr gefreut habe er sich, sagt Maximilian Rapp, als er seine beiden Schützlinge im TAGBLATT-Video wiederentdeckte. Und er bitte darum, wenn jemand sie treffe, ihm eine Nachricht zukommen zu lassen. Sorgen macht er sich wenig, dass die beiden in freier Natur nicht überleben könnten. Die Prägung auf Menschen verliere sich mit der Zeit, und ihre Instinkte würden ihnen schon dabei helfen, Futter zu finden und Feinde zu meiden.

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29.06.2012, 12:00 Uhr

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