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Paradies mit Problemen

Medien-Student hat Fidschi-Inseln abseits vom Tourismus gefilmt

Traumstrände, türkisfarbenes Wasser und Luxusresorts: Das gibt es auf den Fidschi-Inseln. Eine Militärdiktatur, Probleme mit Müll und Klimawandel aber auch. Der Bodelshäuser Christian Fausel hat einen Dokumentarfilm darüber gedreht.

08.09.2010
  • Kathrin Löffler

Bodelshausen. Jeder bestimmt selber über die Zeit. Nicht umgekehrt. „Fiji Time“, heißt es im Film, sei „das weltbeste Zeitverständnis“. Fijianer leben im Hier und Jetzt und denken nicht an morgen. Auf den 369 Inseln im Südpazifik pflegt man gemeinhin einen sehr entspannten Lebensstil. Genau darum ging es Christian Fausel: Um die Bevölkerung und ihre Kultur – abseits vom Tourismus.

„Bula Fiji – Inselalltag in der Südsee“ ist während seines Auslandssemesters 2009 entstanden. „Bula“ heißt „Hallo“. Oder „Prost“. Auf den Fidschi-Inseln ist es das meistbenutzte Wort. „Mit ’Bula‘ kommt man immer durch.“ Fausel studiert Medien und Kommunikation an der Hochschule Offenburg. Im Südpazifik war der 27-Jährige mit zwei Kommilitonen. Gemeinsam mit Elisabeth Kniele hat er die Dokumentation gedreht; sie ist Thema seiner Abschlussarbeit. Gerade erfolgt die Nachbearbeitung.

Zu der Zeit, als die Drei im Pazifik drehten, gab es vom Auswärtigen Amt eine Reisewarnung für das Land. „Als wir dort waren, war aber gar nichts“, sagt Fausel. Auf Fidschi herrscht eine Militärdiktatur. Die Zeitungen werden von der Regierung zensiert. Man könne schnell verhaftet werden und ohne richterlichen Beschluss im Gefängnis landen, die Menschen hätten Angst, ihre politische Meinung öffentlich zu sagen. Aber: „Bei den Leuten in der Stadt hatten wir den Eindruck, das juckt keinen“, und jene in den Dörfern „gleich zehn Mal nicht“. Politik interessiere sie nicht, sie kümmerten sich darum, dass sie genug Essen und Trinken hätten.

Eine Million Menschen leben auf den Fidschis, die meisten auf den drei Hauptinseln. Die Hälfte der Einwohner kommt aus Indien. Das Land war britische Kolonie. Die Engländer schickten Inder zum Zuckerrohr-Anbau auf die Inseln. „Es gibt immer wieder Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen“, sagt Fausel. Die Inder fühlten sich oft benachteiligt. Laut Vorurteilen seien diese geldgeil, Fidschianer faul. In den letzten Jahren sei das aber besser geworden.

Die drei Studenten lebten während ihres Aufenthalts in der Hauptstadt Suva und studierten an der dortigen Universität – der einzigen für zwölf südpazifische Staaten von den Cook Islands bis Samoa. Die Kamera war fast immer dabei. Über einen Geographie-Kurs bekamen sie erstmals die Möglichkeit, in einem Dorf gemeinsam mit Einheimischen zu leben. Weitere Besuche folgten. Problematisch ist das ohnehin nicht: „Wenn man in ein Village kommt, bringt man dem Chief als Gastgeschenk eine getrocknete Wurzel mit, dann wird mit den Gästen erstmal Kava getrunken“, erklärt Fausel. Besagte Wurzel ist die einer Rauschpfefferpflanze, sie wird zerstampft und daraus das Nationalgetränk Kava. Fijianer erheben das Trinken zur Zeremonie: Man sitzt um die Schüssel, erzählt sich Geschichten, nach ausreichender Zufuhr wird die Zunge taub, man selbst relaxter – „es geht um’s soziale Miteinander“. Fidschianer sind gastfreundlich. Mehr noch: „Viele sagen, es sind die freundlichsten Menschen der Welt.“ Auf der Straße lächle einem jeder ins Gesicht, abends in einer Bar komme immer gleich jemand, um mit einem zu reden, beschreibt der Student seine Erfahrungen.

Der Müll, das Klima und die Bildung

Sehr problematisch ist aber die Sache mit dem Müll. Der liegt überall am Wegesrand. Denn früher haben die Einwohner ihre Bananen und Kokosnüsse gegessen und die Schalen einfach etwa aus den fahrenden Bussen – Fensterscheiben haben diese nicht – geworfen. Bis dato nicht schlimm, das Ganze verrottet ja. Mit Globalisierung und Tourismus kamen aber auch Dosen und Plastik auf die Inseln. Und die Fijianer werfen auch dies weg. Schwierig ist es vor allem auf den kleinen Inseln. Dort gibt es keine funktionierende Müllabfuhr.

Schwierigkeiten könnte bald auch das Meer machen. Was man in der westlichen Welt an Treibhausgasen produziere, bekämen die „unten“ alles zu spüren. Fausel: „Wenn der Meeresspiegel steigt, wird’s viele Inseln nicht mehr geben, und zu den Bewohnern sagt man dann: ’Ihr müsst umziehen‘.“

„Bula Fiji“ thematisiert, dass Bewohner entlegenerer Inseln oft in die Stadt ziehen müssen, um ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen. Der Film zeigt junge Rucksackreisende und wie die Einheimischen selbst vermehrt Ökotourismus betreiben, bei dem das Geld an sie selbst und nicht an neuseeländische Luxushotel-Besitzer fließt. Er zeigt Polizisten in traditionellen Wickelröcken, Busse mit Reggae-Beschallung, heruntergekommene Häuserfassaden in Suva, den Nationalsport Rugby.

Zu Wort kommen eine ehemalige Tourismusministerin, Unicef-Mitarbeiter, Lehrer, ausgewanderte Schwaben, Backpacker. „Das Land macht nicht nur die Landschaft aus, sondern auch Kultur und Tradition und dass das dort noch bewahrt wird von den Einheimischen“, resümiert Christian Fausel, „und dass, obwohl es ein Paradies ist, die Leute noch mit Problemen zu kämpfen haben.“

info www.fiji-film.de heißt die Seite zum Film.

Medien-Student hat Fidschi-Inseln abseits vom Tourismus gefilmt
Der Bodelshäuser Student Christian Fausel (rechts), umringt von einheimischen Jungs, die seine Kamerabilder bestaunen.Privatbild

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08.09.2010, 12:00 Uhr

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