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Kurze Filme, schwere Themen

Medienfestival im Leibnizhaus

Ob Abschiebung oder die Integration von Menschen mit Behinderung – die Beiträge auf dem Medienfestival der „Plattform: no budget“ thematisierten am Wochenende im Leibnizhaus viele Seiten des Mottos „Inklusiv, exklusiv, subversiv“.

29.05.2012
  • Sascha Geldermann

Tübingen. Der in Deutschland lebende sudanesische Flüchtling Aamir Ageeb möchte 1999 bei der Polizei in Karlsruhe nur den Diebstahl seiner Jacke melden. Doch die Beamten nehmen ihn sofort fest und stecken ihn in Abschiebehaft. Bei der Rückführung im Flugzeug ruft Ageeb nach Hilfe. Er wird von Beamten des Bundesgrenzschutzes zur Ruhigstellung nach unten gedrückt – und erstickt in dieser Position nur kurz nach dem Start.

Diese wahre Geschichte stellte der 25-minütige Film „Reise ohne Rückkehr“ nach, der zum ersten von vier thematischen Kurzfilm-Blöcken gehörte. Am Samstag und Sonntag wurden auf der Leinwand im Keller des Leibnizhauses viele Geschichten erzählt. Darunter auch die des kleinen Pazifikstaats Palau und dessen Bemühen, sechs Häftlinge aus Guantanamo aufzunehmen. „Es geht grundsätzlich um die Frage, wer integriert und wer ausgeschlossen ist“, sagte Georg Weininger als Mitorganisator des neunten Medienfestivals.

Die Veranstaltung will seit zehn Jahren Projekten eine Plattform bieten, hinter denen nicht viel Geld steht. 160 Einsendungen aus aller Welt gingen ein, die ein kleines Team sichtete und auswählte. Gezeigt wurden auch Langfilme und Installationen. Am Samstagabend lockte das Open- Air-Kino rund 800 Zuschauer an. Insgesamt kam an den beiden Tagen über 1700 – und damit noch mehr als bei den vergangenen acht Medienfestivals.

Gelebte Integration auf dem Medienfestival

Wer bei den oft gewichtigen Themen Entspannung suchte, fand sie im Garten. Hier spielten mehrere Bands, darunter auch das Tübinger Duo „The Zoo With You“. Jela Bauer und Martin Kramer hauten nicht nur ordentlich in die Elektro-Saiten, sondern spielten auch vorher aufgenommene Tonspuren ab. „So liefern wir zu zweit ein musikalisches Kompaktpaket der Richtung Kammer-Lo-Fi ab“, sagte Bauer. Gut an kam auch die orientalische Elektromusik der Tübinger Gruppe „Das neue Haus“.

Vorträge waren beim Medienfestival ebenfalls fester Bestandteil des Programms. Um Integration ging es bei der Präsentation der Tübinger Lebenshilfe. Hier erzählten Menschen mit geistiger Behinderung von einem gemeinsamen Ausflug nach Berlin. Sie gehören zum Workshop „Schöner Wohnen“, in dem sie Ausflüge unternehmen oder wie am Samstag im Leibnizhaus politische Aufklärungsarbeit leisten.

„Ich arbeite in der Jugendherberge und verdiene so mein eigenes Geld“, sagte Sprecher Fabian Schuster über seine Einbindung in die Gesellschaft. Die Mitglieder des Workshops integrierten sich auch direkt in das Medienfestival – indem sie den Organisatoren von der „Plattform: no budget“ unter anderem beim Einlass unter die Arme griffen.

Medienfestival im Leibnizhaus
Lichtinstallationen erhellten den Hof des Leibnizhauses, bevor am Samstagabend das Open-Air-Kino begann. Die Kurzfilme unter freiem Himmel lockten auch beim neunten Medien-Festival wieder die meisten Leute an: Rund 800 Zuschauer sahen die 13 Werke zum Thema „Bürgerliche Dämmerung“.Bild: Rippmann

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29.05.2012, 12:00 Uhr

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