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Ende des Shitstorms?

Medieninteresse an der Altheimer Schule hat nachgelassen

So langsam scheint sich der Medien-Rummel um das Hotpants-Verbot an der Altheimer Werkrealschule zu legen. Zwar prangte das Thema gestern bei vielen Zeitungen auf der Titelseite, schwirrten einige Bilder durchs Frühstücksfernsehen, doch gingen bei der Schulleiterin Bianca Brissaud kaum noch Anfragen ein. Was sie sehr erleichterte.

09.07.2015
  • dagmar stepper

Horb. Es gehe ihr gut, danke der Nachfrage. Bianca Brissaud sagt es mit fester Stimme am Telefon. Ihre Erleichterung ist merklich spürbar. Die 37-Jährige hat es innerhalb weniger Tage zu einem deutschlandweiten Bekanntheitsgrad gebracht. Ihr Gesicht in der Bildzeitung, in Sat.1, dazu die ungezählten Klicks im Internet. Sie selbst hat sich nur ein Bruchteil der zahlreichen Beiträge angeschaut. „Bin noch gar nicht richtig dazu gekommen“, erzählt sie. Nur das, was Freunde ihr persönlich zugeschickt haben, habe sie überfolgen.

Der Höhepunkt des Medienhypes scheint inzwischen überschritten. „Das Interesse ist wesentlich weniger geworden“, stellt sie fest. Gestern war nur noch ein Fernsehsender vor Ort, Anzahl von E-Mails und Anrufen seien wieder überschaubar. Doch was sie vor allem freut: die positiven Stimmen überwiegen. „Das haben Sie richtig gemacht“, bekam sie einige Male zu hören. „Wir unterstützen die Schule“, war ein weiterer Tenor. „Das zu hören tut gut“, sagt sie.

Das hilft auch, Schlagzeilen wie in der Bildzeitung („Diese Schulleiterin verbietet Hotpants“) wegzustecken. Sie hat auch das Gefühl, dass nicht nur der Rummel nachlässt, sondern auch die Stimmung umschwenkt. „Mittlerweile dominiert das Unverständnis gegenüber der Medienberichterstattung“, sagt sie.

Die Schülerinnen und Schüler in Altheim machen inzwischen vermehrt Witze, wenn ein TV-Team auftaucht. „Bin ich jetzt berühmt? Bekomme ich von dir jetzt ein Autogramm?“ Solche Sprüche kusieren an der Schule. Viele fragen sich auch, warum Altheim mit seinem Hotpants-Verbot ein Millionenpublikum bekommt, über den Totschlag eines 19-Jährigen in Freudenstadt am vergangenen Sonntagmorgen aber kaum einer spricht.

Medieninteresse an der Altheimer Schule hat nachgelassen
Am Mittwoch war das Hotpants-Verbot noch großes Thema in der Presse. Doch die Anfragen werden weniger. Bild: Kuball

In den vergangenen Tagen hat Bianca Brissaud gelernt, wie Medien ticken können. Und sie ist sich inzwischen sicher, dass das Ganze eine Sommerloch-Geschichte ist. Mit einem erhofften abrupten Ende, wenn die nächste angebliche Sensation die Schlagzeilen bestimmt. Daher wird das geplante Pressegespräch mit Schulamt und Elternbeirat wohl doch nicht stattfinden. „Wir wollen das Thema nicht noch mehr befeuern“, meint Brissaud.

Andreas Bronner, Altheims Ortsvorsteher und früherer Rektor der Altheimer Schule, sieht es ebenfalls als Sommerloch-Geschichte an. Er meint: „Ende der Woche wird die Schule wohl aus den Medien verschwunden sein.“ Die sinkenden Temperaturen tun ihren Teil dazu. „Gott sei Dank, dass das Wetter nicht mehr Hotpants-verdächtig ist“, hat Bronner gestern Morgen im Lehrerzimmer gehört. Die Medien haben auch bei ihm angeklopft: „Ich war aber glücklicherweise nicht zu Hause“, sagt er mit verschmitzt. Dass Altheim nun weit über seine Grenzen bekannt geworden ist, ist für ihn Nebensache. „Das Wichtigste ist, dass die Schule keinen Schaden davonträgt.“

Auch Oberbürgermeister Peter Rosenberger geriet ins Visier der Medien. Einige überregionale Blätter und Sender haben sich bei ihm gemeldet. Aber nicht wegen seiner verlorenen Mannheimer OB-Wahl am Sonntag, sondern wegen des Hotpants-Verbots. „Die hatten überhaupt kein Hintergrundwissen – und das wollten sie auch gar nicht“, sagt Rosenberger. „Denen geht es nur um Sensations-Journalismus, damit die Auflage steigt.“ Als Schulträger stellt er sich voll vor Bianca Brissaud: „Sie hat alles richtig gemacht.“

Die 37-Jährige sei eine engagierte Rektorin, über die die Stadt sehr froh sei. „Mit der Kleidungsfrage hat sie ein Problem erkannt, das sie gemeinsam mit allen Beteiligten lösen will.“ Dass gerade die Werkrealschule damit einen Mediensturm entfachte, kann er nicht verstehen. „Einen Bekleidungs-Knigge gibt es an vielen Schule“, betont er, „er hilft, das Zusammenleben zu regeln.“

Könnte Bianca Brissaud übrigens die Zeit zurückdrehen und den Elternbrief – die Ursache des ganzen Wahnsinns – nochmals schreiben, dann hätte sie explizit auch die Jungen erwähnt. „Angemessene Kleidung gilt natürlich für alle – für Jungen und Mädchen.“


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