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Mehr Ertrag dank GPS
und Vernetzung
Bernd Kallfass von Deutz-Fahr demonstriert, wie viel Erleichterung die autonomen Fahrsysteme für den Landwirt bringen. Er kann zum Beispiel Büroarbeit während der Arbeit erledigen. Foto: Simone Dürmuth
Agrarwirtschaft

Mehr Ertrag dank GPS und Vernetzung

Landmaschinen sind längst mit intelligenten Systemen ausgestattet. Der nächste Schritt wird der vollständige Austausch von Daten sein.

03.12.2016
  • SIMONE DÜRMUTH

Lauingen. Von außen betrachtet sind moderne Traktoren vor allem groß. Mehr als mannshoch sind die Räder, ins Führerhaus gelangt man nur über eine Leiter. Und auch im Innenraum hat sich einiges getan: Neben Lenkrad und Fußpedalen findet sich auch ein Monitor. Und der dient nicht nur der Überwachung. Damit kann der Landwirt sein Gefährt steuern und die angehängten Maschinen bedienen. „Was für den Stadtmenschen sein Büro, ist für den Landwirt seine Kabine“, sagt Stephan Blankenhagen, Verkaufsleiter Süd bei John Deere (Bruchsal). Entsprechend komfortabel ist diese inzwischen ausgestattet. In kaum einem Bereich ist die Digitalisierung so weit fortgeschritten wie in der Landwirtschaft. Längst haben die Traktoren nicht mehr nur Hunderte PS unter der Haube, sondern auch GPS-Empfänger auf dem Dach.

„Die Herausforderung liegt darin, auf der Fläche, die wir haben, den größtmöglichen Ertrag mit begrenztem Ressourceneinsatz zu erzielen“, erklärt Bernd Kalfass, Produktmanager bei Deutz-Fahr in Lauingen. Für ein voll ausgestattetes Fahrzeug müsse ein Landwirt um die 20 000 EUR hinlegen. Damit könne er dann die Produktionskosten um etwa 15 bis 20 Prozent drücken. Es gehe aber auch darum, dass der Landwirt am Abend dank der Unterstützung durch die Technik nicht so ausgelaugt sei. „Er ist entspannter und zum Teil auch früher fertig, weil die Technik schneller arbeitet“, so Kallfass. Dass dann mehr Zeit für die Familie bleibt, ist vielen Landwirten wichtig.

Eine dieser Neuerungen, die den Landwirten das Leben leichter machen soll, ist das Parallelfahrsystem. Dazu fährt der Landwirt die erste Spur am Rand des Ackers oder definiert sie auf seinem Laptop, die anderen zieht die Maschine dank GPS dann automatisch parallel dazu. „Wir fahren auf dem Feld schon seit zehn Jahren ohne Hand am Steuer“, sagt Kallfass. „Früher brauchte man dafür einen guten Fahrer, sonst wurde die Linie auch mal krumm“, bestätigt Colin Buchhorn vom Landmaschinen-Hersteller Fendt (Marktoberdorf). Und wenn die Fahrspuren überlappen, fährt der Landwirt unter Umständen einen Teil seiner Ernte platt.

Damit sind die Landmaschinen-Hersteller der Automobilbranche weit voraus. Allerdings gibt es auf dem Feld auch keinen Gegenverkehr und keine Fußgänger. Auf der Straße und auf dem Hof allerdings schon. Und das kann durchaus zum Problem werden. Denn was vor der Motorhaube passiert, kann der Fahrer nur erahnen. Deutz-Fahr entwickelt darum zur Zeit ein Kamerasystem, das die toten Winkel abdecken soll und sogar menschliche Umrisse erkennen kann. „Der Fahrer muss warten, bis das Hindernis aus dem Kamerafeld verschwindet oder sich aktiv gegen die Warnung entscheiden“, so der Produktmanager.

Die modernen Systeme erkennen, wann die Grenze des Feldes überfahren wird und sie wissen, auf welchen Parzellen häufig das Wasser steht. Hier wird dann automatisch kein Dünger ausgebracht. „Wo sowieso nicht viel wächst, muss man auch nicht düngen“, sagt Fendt-Mitarbeiter Buchhorn. Das Resultat: Der Landwirt spart Geld.

Die nächste Neuerung steckt schon in der Pipeline: die Vernetzung. „Jeder Landwirt hat verschiedene Systeme“, so Kallfass. Seine Maschinen sammeln Daten, zum Beispiel zur Erntemenge und -qualität. Dazu kommen noch Lohnunternehmer, Saatguthändler, Berater, Abnehmer und Endkunden. „Inzwischen wird vom Abnehmer bestimmt, welche Sorte Kartoffeln der Landwirt setzt.“

Doch all diese Systeme sind im Moment nicht miteinander kompatibel. Dadurch können Daten beim Übertragen verloren gehen oder müssen über verschiedene Systeme laufen oder manuell übertragen werden. „Wir wollen Ordnung in die Kommunikationswege bringen“, so der Produktmanager.

Zehn Hersteller haben darum gemeinsam die DKE Data GmbH gegründet. Diese soll einen Datahub, eine Art Datendrehscheibe, entwickeln. Darüber werden die Teilnehmer vernetzt und deren Daten füreinander übersetzt. Die Kommunikation soll dann schneller und reibungsloser laufen. Wann das Projekt aber tatsächlich realisiert wird, ist nicht klar. „Es hat bereits einige Jahre gedauert, einen Stecker und ein einheitliches Kommunikationsprotokoll herstellerübergreifend zu definieren und umzusetzen“, sagt Bernd Kallfass dazu mit einem Augenzwinkern.

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03.12.2016, 06:00 Uhr

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