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Interkulturelle Woche

Mehr Gerechtigkeit für Griechenland

Eine „Erfolgsgeschichte“ nannte Oberbürgermeisterin Bosch die Integration der Griechen in Reutlingen bei der Eröffnung der ihnen gewidmeten 20. Interkulturellen Woche am Montag im Spitalhof. Die Präsidentin der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Sigrid Skarpelis-Sperk verurteilte die Hetze gegen Griechenland.

30.09.2010
  • Fred Keicher

Reutlingen. „Griechische Reutlinger gehören einfach dazu“, sagte Barbara Bosch. Vor fünfzig Jahren wurden die ersten angeworben, 1960 waren es dann 195 „Gastarbeiter“ aus Griechenland, 1973 waren es schon 2361. Heute besitzen 3173 Reutlinger einen griechischen Pass, 573 eine doppelte Staatsangehörigkeit. In Reutlingen sind sie die zweitgrößte Gruppe mit Migrationshintergrund.

In der Krise war „bedauerlich, dass Ressentiments bedient wurden, die wir in Reutlingen nicht haben wollen“. Aber es habe sich gezeigt, dass „Europa funktioniert.“

Migrationshintergrund ist ein Wort, das der ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten und Volkswirtin Skarpelis-Sperk gar nicht gefällt. „Dann hätte ich einen sudetendeutschen Migrationshintergrund“. Dass man nicht willkommen ist, „passiert in Deutschland nicht nur Ausländern“.

Beim Studium in München hat sie als 20-Jährige einen „wunderschönen Griechen“ kennengelernt. Vom Staatspräsidenten Karamanlis hörte sie dann den Vorwurf: „Du hast uns einen guten Jungen weggenommen.“ Aber, sagte sie ihm: „Unser Land hat dadurch gewonnen und ich sowieso.“

Mit Zahlen versuchte sie das Zerrbild von den „Pleite- und Bettel-Griechen“ zurechtzurücken, die in Saus und Braus auf Kosten anderer lebten. Noch vor drei Jahren habe das Land wegen seines Wachstums Lob von allen Seiten bekommen. Aber auch hier habe die internationale Finanzkrise die Situation verschärft. Plötzlich sieht sich Griechenland den Angriffen des internationalen Kapitals ausgesetzt. „Wenn Wölfe eine Herde angreifen, dann suchen sie sich das schwächste Mitglied aus. Sie wollen herausfinden, ob die Herde es verteidigt.“

Natürlich hätten die Griechen Fehler gemacht, versäumt den Staatshaushalt zu sanieren und die Korruption zu bekämpfen. Griechenland sei das ungerechteste Land in Europa, nirgendwo sonst gäbe es so viele Luxusjachten und Prachtvillen von Ärzten und Bankern, die keine Steuern zahlen.

Die Reform des Erziehungs- und Gesundheitssystems seien vordringlich. Vor allem aber ökologische Maßnahmen zur Reduzierung der horrenden Erdölrechnung.

Eine Milliarde Bäume in der EU zu pflanzen, ist für Skarpelis-Sperk ein ökologisches Zukunftsprojekt. 2011 fängt sie damit an. In Kaissariani bei Athen werden 1000 griechische Eichen gepflanzt: „Beeindruckende Bäume, die werden 1000 Jahre alt.“

Mehr Gerechtigkeit für Griechenland
Griechische Musik zum Auftakt der interkulturellen Woche: das Timeshift-Trio plus Band mit Anastasia Miliori.Bild: Haas

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30.09.2010, 12:00 Uhr

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