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Stadt will Verkehr in Fußgängerzone einschränken

Mehr Kontrollen in der Altstadt

Massive Kontrollen des Verkehrs in der Fußgängerzone kündigte die Stadtverwaltung im Planungsausschuss an. Es ist die erste einer ganzen Reihe von Maßnahmen, die trotz aller Proteste verschiedener Interessengruppen nach und nach durchgesetzt werden sollen.

24.05.2012
  • Sabine Lohr

Tübingen. Lastwagen verstopfen die Neckargasse, Taxis fahren auf den Marktplatz, Autos verdrängen Fußgänger: Der Verkehr in Tübingens Fußgängerzone beschäftigt die Verwaltung seit Jahren. Eine Lösung war bisher nicht in Sicht, weil „jede Maßnahme irgendeine Interessengruppe trifft“, sagte Verkehrsplaner Gunter Koch am Montag im Planungsausschuss.

Jetzt aber soll Schluss sein mit der Rücksichtnahme. Langfristiges Ziel, so Baubürgermeister Cord Soehlke, sei das so genannte Freiburger Modell, nach dem nur noch Altstadtbewohner und in der Altstadt Beschäftigte zwischen 10 und 18 Uhr durch die Fußgängerzone fahren dürfen. Lieferdienste müssen ihre Päckchen und Pakete zwischen 6 und 10 Uhr und zwischen 18 und 20 Uhr abgeben, und auch Handwerker müssen draußen bleiben. „Das ist schon ein riesiger Wurf und lässt sich nicht von heute auf morgen durchsetzen, das dauert mehrere Jahre“, räumte Koch ein. Also werde die Verwaltung einige Einschränkungen vornehmen, die nicht gleich alles durcheinanderbringen.

  • Geschäfte, Gasthäuser und Privathaushalte dürfen nicht mehr von 5 Uhr an, sondern erst von 6 Uhr morgens an beliefert werden. Zwischen 10 und 18 Uhr bedarf es nach wie vor einer Ausnahmegenehmigung.
  • >>Es wird geprüft, ob zentrale Haltemöglichkeiten an den Altstadträndern eingerichtet werden können. Von dort aus soll die Zulieferung zu Fuß erfolgen.
  • >>Handwerker dürfen ihre Fahrzeuge nur noch dann in der Fußgängerzone abstellen, wenn das unbedingt nötig ist. Die „Handwerkerblöcke“, mit denen die Betriebe sich selbst das Befahren der Fußgängerzone erlauben, werden nur noch unter Nachweis ausgegeben und einzeln geprüft.
  • >>Geschäftsführer von Handwerksbetrieben dürfen nicht mehr in die Fußgängerzone einfahren.
  • >>Die Gebühren für die Ausnahmegenehmigungen von Handwerkern und Lieferdiensten werden um 20 Prozent erhöht.
  • >>Am unteren Ende der Neckargasse wird mit einem Schild darauf hingewiesen, dass das Einfahren in diese Richtung nicht erlaubt ist. Zudem soll die Zufahrt erschwert werden.
  • >>Die westliche Hafengasse wird als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen.

„Es geht um die Qualität der Fußgängerzone, nicht um die Be- oder Entlastung der Anwohner“, stellte Soehlke klar. Vor allem die Marktgasse und die Neckargasse hätten nicht mehr viel von ihrer Qualität. Und die leide auch auf dem Holzmarkt, wenn „vor der Stiftskirche über lange Zeit zehn Baustellenfahrzeuge parken“. Die Verwaltung wolle deshalb „die Stellschrauben sukzessive anziehen“. Klar sei jedoch, dass man nicht die Zufriedenheit aller erreichen könne.

Das trifft auch auf die Gemeinderäte zu: Dieter Barth (UFW) und Arnold Oppermann (CDU) etwa stellten sich auf die Seite der Handwerksbetriebe, für die es ihrer Meinung nach keine Verschärfung geben solle. Barth will auch keine Verschärfung für Lieferdienste, schließlich müsste auch den Altstadtbewohnern zugestanden werden, „zeitgemäß zu leben“ – also Waren im Internet zu bestellen und sich anliefern zu lassen. Was wiederum Altstadthändlerin Sabine Lüllich (CDU) für ganz falsch hält. Die Mehrheit indes liebäugelt mit Packstationen, von denen aus Pakete zu Fuß oder mit Sackkarren ausgetragen werden. Gunter Koch wies darauf hin, dass manche Händler dies ausdrücklich ablehnen, es zudem Pakete gibt, bei denen der Empfänger persönlich unterschreiben muss und eine Vorschrift über die Art der Zustellung zudem ein Eingriff in die Berufsfreiheit der Lieferanten sein könne.

Soehlke sagte zu, dass sich die städtischen Ämter und die Gremien weiterhin „intensiv mit dem Thema beschäftigen“ werden. Mit strengeren Kontrollen werde aber sofort begonnen, danach werden die Einzelmaßnahmen realisiert. Eine Reihenfolge wurde bisher nicht festgelegt.

Mehr Kontrollen in der Altstadt
Morgens halb elf in Tübingen: In der Kirchgasse drängen sich die Lieferdienste. Alle haben eine Ausnahmegenehmigung.

Auch Rottenburg hat eine Fußgängerzone, in der gefahren wird. Ähnlich wie in Tübingen bekommen Bewohner, Handwerker und Lieferdienste Ausnahmegenehmigungen. Anders ist, dass Geschäftsführer von Handwerksbetrieben grundsätzlich nicht in die Fußgängerzone einfahren dürfen. Zudem müssen Handwerker ihre Genehmigungen beantragen und werden laut Ordnungsamtsleiter Eduard Bomm auch kontrolliert. Um den Verkehr einzudämmen, will die Stadtverwaltung Poller beim Dom und am unteren Ende der Königstraße installieren. Das lehnt die Tübinger Stadtverwaltung ab mit der Begründung, die Poller würden nach dem Einfahren nicht mehr zurückgestellt. Rottenburg löst dieses Problem durch Technik: Die Poller sind durch Fernbedienungen versenk- und ausfahrbar.

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24.05.2012, 12:00 Uhr

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