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Mehr Service oder mehr Geld
Das mobile Bürgerbüro samt Koffer und Rucksack wurde vor fünf Jahren aus Kostengründen in den Teilorten eingerichtet. Jetzt steht es erneut auf dem Prüfstand. Doch OB Rosenberger plädiert dafür, die Ortschaftsräte selbst entscheiden zu lassen. Archivbild: Salden
Horber Bürgerdienste

Mehr Service oder mehr Geld

Die Nachfrage nach dem mobilen Bürgerbüro rechtfertigt weder den finanziellen noch den personellen Aufwand. Abgeschafft wird es wohl trotzdem nicht. Die Teilorte dürfen voraussichtlich selbst darüber entscheiden.

07.12.2016
  • Dagmar Stepper

Klamme Zeiten erfordern manchmal harte Einschnitte. So war es auch vor fünf Jahren in Horb. Die Kassen waren nach der Finanzkrise leer, vieles kam auf den Prüfstand. Auch das Serviceangebot der Stadtverwaltung in den Teilorten. Bei der Haushaltskonsolidierung beschloss der Gemeinderat, dass das Angebot aufgrund von Sparzwängen in der Kernstadt zentralisiert werden soll. Doch die Teilorte sollten nicht komplett abgehängt werden.

Ernüchternde Bilanz

„Die Ortsvorsteher hatten starke Bedenken, wenn es in den Teilorten gar kein Serviceangebot mehr gibt“, berichtet Oberbürgermeister Peter Rosenberger auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Eine vielversprechende Lösung schien das mobile Bürgerbüro. Serviceangebote wie Reisepässe oder Müllmarken sollten nicht mehr von den Ortschaftsverwaltungen angeboten werden, sondern von Mitarbeiterinnen aus dem zentralen Büro in Horb erledigt werden. Diese fahren – ausgestattet mit Rucksack und Koffer – in die Teilorte und bieten an ein bis zwei Terminen pro Woche ihre Dienste an.

Nach fünf Jahren ist die Bilanz über den Erfolg eher nüchtern. „Der große Wurf war es nicht, aber es war ein Versuch“, sagt Rosenberger. Die Resonanz ist eher gering, in manchen Teilorten wird das Angebot so gut wie gar nicht in Anspruch genommen. „Es rechnet sich rein wirtschaftlich nicht“, berichtet Rosenberger weiter, „im Gegensatz zum zentralen Büro in Horb.“ Momentan ist Rosenberger dabei, für die Haushaltsvorberatungen eine Vorlage zu erarbeiten. Diese soll zeigen, welche Ortschaften wie frequentiert werden. Es gibt besser ausgelastete wie Nordstetten oder Talheim und es gibt Orte wie Dießen oder Dettensee, wo sich zu den Öffnungszeiten des mobilen Bürgerbüros kaum jemand blicken lässt.

Doch es sind nicht nur die Kosten, die Rosenberger auf rund 25000 Euro beziffert. Sondern es ist auch Verschwendung von Arbeitszeit. „Salopp gesagt, möchten wir natürlich nicht, dass die Mitarbeiterinnen stundenweise rumsitzen und Däumchen drehen, vor allem wenn ihre Hilfe in der Zentrale gebraucht wird“, sagt er. Teilweise nehmen die Mitarbeiterinnen Arbeit mit in die Teilorte. Doch Rosenberger fragt sich auch, ob es Sinn macht, Geschäfte durch Horb zu fahren.

Vor drei Jahren diskutierte der Gemeinderat schon einmal über den Erfolg des mobilen Bürgerbüros. Zwei Jahre nach der Einführung wurde Bilanz gezogen. Auch damals hieß es, dass die Nachfrage den personellen und finanziellen Aufwand nicht rechtfertige. Doch die Ortsvorsteher setzten sich gegen den Willen der Verwaltung durch und beharrten auf die Fortsetzung. „Es geht um die Gleichbehandlung der Teilorte und um die Stärkung der Teilorte“, plädierte Mühringens Ortsvorsteherin Monika Fuhl. Der Gemeinderat folgte den Argumenten der Ortsvorsteher, die um die Attraktivität der Stadtteile fürchteten, und stimmten der Fortführung des mobilen Bürgerbüros bei zwei Enthaltungen zu.

Abgeschafft in Dettensee

In den vergangenen Wochen kam wieder Bewegung in die Debatte. Denn das Thema landete erneut auf den Tagesordnungen der Ortschaftsräte. In Dettensee machte das Gremium nun einen Schnitt und stimmt am 29. November einstimmig für die Abschaffung des mobilen Bürgerbüros in Dettensee. „Es wird nicht in Anspruch genommen“, berichtet Ortsvorsteherin Ute Albers. „Es war viel, wenn mal einer da war. Das geht schon seit Monaten so, obwohl wir das mobile Bürgerbüro immer beworben haben.“ Leicht sei die Entscheidung nicht gefallen. „Wir wollen ja am Ort einen Service bieten“, betont Albers. Aber wenn der Service nicht genutzt wird, müsse man auch über Wirtschaftlichkeit und die vertane Zeit der Mitarbeiter nachdenken. Im Ortsvorsteher-Sprengel wird das Thema schwer diskutiert. Ein einheitliches Bild gebe es nicht. „Für manche ist es eine politische Entscheidung: Wir wollen es weiter haben“, berichtet Albers. Aber Dettensee sieht das anders.

OB will niemanden zwingen

Vielleicht hat OB Rosenberger die zündende Idee, wie der Gordische Knoten zerschlagen werden kann. Er möchte dem Gemeinderat im Rahmen der Haushaltsberatungen einen entsprechenden Vorschlag machen. So könnten die Ortschaftsräte selbst entscheiden, ob sie das mobile Bürgerbüro weiterhin haben wollen oder eben nicht. Wer darauf verzichtet, dem wird quasi das eingesparte Geld gutgeschrieben. Rosenbergs Vorschlag in Kurzform: „Wenn sie den Service weiterhin haben wollen, bleibt alles beim Alten. Die anderen bekommen mehr Geld für ihr Ortsbudget.“

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07.12.2016, 01:00 Uhr

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