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Mehr Zeit zum Überleben
Die drei Erfinder und ihr Lawinen-Rucksack: Thomas Meyer, Matthias Werz und Patrick Zimmermann (von links) haben viel Sicherheit eingepackt. Foto: Petra Walheim
Konstanzer Hochschul-Absolventen entwickeln Lawinenrucksack mit Atemgerät - Produkt ab Herbst auf dem Markt

Mehr Zeit zum Überleben

Absolventen der Konstanzer Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung haben einen Lawinenrucksack entwickelt, der drei Sicherheitssysteme enthält. Mit ihm sollen die Überlebenschancen steigen.

21.04.2016
  • PETRA WALHEIM

Konstanz. Auf den oft überfüllten Pisten der Skigebiete unterwegs zu sein, kann so manchen routinierten Ski- oder Snowboardfahrer nicht mehr begeistern. Deshalb geben immer mehr Wintersportler der Versuchung nach, abseits der gewalzten Hänge die Schönheit der Natur zu genießen. Dabei nehmen sie meist ganz bewusst das Risiko in Kauf, von einer Lawine verschüttet zu werden. Viele Abseits-Geher tragen deshalb einen Lawinenrucksack auf dem Rücken. Der enthält eine spezielle Ausrüstung. Die Produkte, die aktuell auf dem Markt sind, enthalten in der Regel nur einen Airbag. Der soll verhindern, dass der Mensch nicht zu tief in die Lawine gerissen wird. Durch den Auftrieb soll er in der oberen Schicht der Schneemassen bleiben.

"Aber die vorhandenen Lawinenrucksäcke haben Schwachstellen", sagt Matthias Werz. Er hat an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) in Konstanz Betriebswirtschaftslehre (BWL) studiert, ist begeisterter Tourengeher und angehender Skitourenführer. Er weiß um das Risiko, von einer Lawine verschüttet zu werden, und er weiß darum, dass die vorhandenen Lawinenrucksäcke das Risiko, darin zu ersticken, kaum verringern können. 60 Prozent der Leute, die in eine Lawine geraten, würden trotz Airbag ganz oder teilweise verschüttet, sagt er. "Das Problem ist, dass man in einer Lawine an sich selbst erstickt." Im Schnee gebe es genügend Restluft, die eingeatmet werden könne. Aber jeder muss auch Ausatmen. Dabei vergifte sich der Verschüttete mit dem Kohlendioxid.

Werz suchte nach einer Lösung - und fand sie. Nach einiger Tüftelarbeit gelang es ihm, den Auslösegriff des Airbags mit einer Luftzufuhr zu verbinden. Bei der Aktivierung wird der Griff zum Mund geführt. Er ist mit einem speziellen Beatmungssystem verbunden. "Das trennt die Ausatemluft von der Einatemluft", sagt Werz. Dadurch könne sich die Überlebenszeit in der Lawine erheblich verlängern. Nach 18 Minuten sinke die Chance zu überleben rapide. Mit dem Beatmungssystem steige die Chance, deutlich länger am Leben zu bleiben. Außerdem werden ein 150 Liter großer Airbag und ein roter Helium-Ballon an einer langen Schnur aufgeblasen. Der Ballon soll die Ortung des Verschütteten erleichtern.

Neben Matthias Werz sind zwei weitere Mitstreiter im Team. Patrick Zimmermann ist der Techniker in dem Konstanzer Erfinder-Trio. Er hat den Master im Wirtschaftsingenieurwesen, Fachrichtung Maschinenbau, gemacht und ist für die technische Umsetzung zuständig.

Thomas Meyer, der mit Matthias Werz BWL studiert hat, kümmert sich um das Organisatorische, wählt die geeigneten Teile aus und koordiniert dann die Lieferanten. Das System ist bereits zum Patent angemeldet. Er soll weltweit geschützt sein.

Die Hochschule unterstützt die drei Erfinder. Sie können die Infrastruktur des Kunststofflabors nutzen. Außerdem hat die HTWG den Antrag gestellt, dass das Trio in das Existenzgründer-Förderprogramm "Exist" des Wirtschaftsministeriums aufgenommen wird. Dadurch erhalten die angehenden Firmengründer für ein Jahr Stipendien, die ihnen den Lebensunterhalt sichern. Hinzu kommt ein Budget für Sachausgaben und Coachings.

Inzwischen gibt es mehrere Prototypen des Lawinenrucksacks. Den Rucksack selbst lassen sie im Ausland nähen. "Die Teile, die das Leben retten sollen, kommen aus Deutschland", betont Werz. Der Airbag werde von einer Schweizer Firma geliefert. Aktuell sind die Drei dabei, eine GmbH zu gründen.

Im Herbst soll der Rucksack mit der Kombination Airbag und Luftzufuhr übers Internet erhält sein. Der optionale Ortungsballon soll eine Saison später folgen. Anfang 2017 wollen sie ihn auf der Sportmesse ISPO in München vorstellen. Klar werden sie ihren Rucksack selbst tragen - und trotzdem hoffen, dass sie ihn nie auslösen müssen.

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21.04.2016, 06:00 Uhr

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