Udo-Fundort

Mehr als 3000 neue fossile Fundstücke in Allgäuer Tongrube

Lange verzögerten Vertragsverhandlungen, Corona und das Wetter weitere Grabungen am Fundort des Menschenaffen „Udo“. Jetzt gehen die Arbeiten in der Tongrube „Hammerschmiede“ in die Winterpause - und die Forschungsleiterin macht Hoffnung auf weitere „Überraschungen“.

17.10.2020

Von dpa

Madelaine Böhme steht in der Tongrube „Hammerschmiede“ auf der Fundstelle, des rund 11,6 Millionen Jahre alten Menschenaffen „Udo“. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild

Pforzen. Mehr als 3000 Fossilien hat ein Forscherteam der Uni Tübingen dieses Jahr in der Tongrube „Hammerschmiede“ gefunden. Diese Zahl werde vermutlich noch steigen, sagte Paläontologin und Leiterin der Grabungen, Madelaine Böhme, zum Ende der Arbeiten am Freitag. Viele kleine Bruchstücke seien bisher noch nicht ausgewertet worden: „Im Winter werden die Sachen gesichtet, bestimmt und aufbereitet - da können sich noch einige Überraschungen ergeben.“

Die Forschungsleiterin bezeichnete die rund sechs Wochen andauernden Grabungen am Fundort des Menschenaffen „Udo“, dessen Veröffentlichung 2019 Annahmen zur Entwicklung des aufrechten Gangs infrage gestellt hatte, als „vollen Erfolg“: „Es sind für die Wissenschaft wichtige Funde dabei, aber auch Dinge, die für Laien interessant aufbereitet werden können.“

Einer dieser neuen Funde sei das Teilskelett eines Baby-Hauerelefanten, sagte Böhme. Dabei handle es sich um eines der größten Landsäugetiere, das vor rund 11,5 Millionen Jahren auf der Erde lebte. Weiteren Veröffentlichungen wolle sie noch nicht vorgreifen. 132 Arten haben die Forscher laut Böhme inzwischen in der Tongrube bei Pforzen (Landkreis Ostallgäu) bestimmen können.

Weil dort parallel eine Oberstdorfer Baufirma Ton abbaut, ist für eine Fortsetzung der Grabungen im Jahr 2021 ein Vertrag notwendig. Böhme hofft, dass die Verhandlungen darüber bald beginnen können. Dass die Forscher in diesem Jahr nur sechs Wochen in der Tongrube nach Fossilien suchen konnten, lag neben der Corona-Krise und dem Wetter auch daran, dass zunächst ein Vertrag mit Eigentümern und Baufirma ausgehandelt werden musste.

Forschungsleiterin Böhme ist bezüglich der Verhandlungen und der Finanzierung des Projekts aber optimistisch: „Wir haben zeigen können, dass es sich hier nicht nur um Zufallsfunde handelt.“ Der bekannteste Fund, das Teilskelett des Menschenaffen „Udo“, wird vom 23. Oktober bis 22. November Thema einer Ausstellung im Fundort Pforzen. In einer parallelen Schau soll es um die Bedeutung der Tongrube „Hammerschmiede“ als Ausgrabungsstätte gehen.

Danach soll die Wanderausstellung weiterziehen. Madelaine Böhme, die Entdeckerin des „Danuvius guggenmosi“, ist nach weiteren Schauen in Hamburg und München aber optimistisch, dass „Udo“ eines Tages auch „dauerhaft museal eine Bleibe findet“.

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Erstellt:
17. Oktober 2020, 09:13 Uhr
Aktualisiert:
17. Oktober 2020, 09:13 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2020, 09:13 Uhr

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