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Jubiläum

Mehr als alte Männer mit Bart

Der Stuttgarter Jazz-Club Bix besteht seit zehn Jahren. Ein Gespräch mit Inhaber Mini Schulz über das Standing in der Stadt und international.

19.12.2016
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Stuttgart. Der Dienstag ist reserviert für die 60 Studenten der Jazz-Abteilung. Der Mittwoch steht für Musik aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, der Donnerstag hat Soul, freitags geht es international zu, und am Samstag, da gibt es bisweilen Nujazz mit Unterstützung von DJs zu hören. Um die 250 Konzerte werden pro Jahr im Stuttgarter Jazz-Club Bix ausgerichtet, und für jede Klientel gibt es eine spezielle Nische. Wobei: Das mit den Nischen und Definitionen, das liegt Mini Schulz gar nicht. Jazz lässt sich für den Gründer und Inhaber des Clubs am Leonhardsplatz nicht in Schubladen stecken. „Jazz ist es dann, wenn der Zuhörer im Hier und Jetzt erlebt, was auf der Bühne passiert.“ Und im Bix, benannt nach dem Jazz-Trompeter Bix Beiderbecke, passiert auf der Bühne einiges.

Lange Liste der Jazz-Größen

Wynton Marsalis, Joshua Redman, Randy Crawford, John Patitucci, Max Greger jun., Paul Kuhn, Gregory Porter, Curtis Stigers, Till Brönner: Sie alle waren schon bei Mini Schulz, die Liste ließe sich weiterführen. Der 50-Jährige, der die Geschäfte gemeinsam mit David Wilcke führt, ist Professor an der örtlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Profi-Bassist, außerdem Mitgesellschafter der „Jazz Open“, dem, so erklärt er, zweitgrößten Jazz-Festival nach Montreux. Stuttgart sei in der internationalen Szene durchaus ein Begriff. Auch durch das Bix.

Am Wochenende wurde das Jubiläum gefeiert. Der Club hat fast auf den Tag genau vor zehn Jahren im Anbau des Gustav-Siegle-Hauses eröffnet. Zu einer Zeit, als es in der Landeshauptstadt in puncto Jazz kaum mehr als die Kiste gab, einen kleinen Club, „in dem ich schon als 17-Jähriger gespielt habe“. Mini Schulz' Idee 2006: Etwas Elegantes, etwas Größeres sollte es sein, und „mit der Sicherheit des Beamten im Rücken“ hat er es gewagt. Seither steht das Bix nicht nur für Jazz, sondern auch für ein Gesamterlebnis. Die laut Mini Schulz mit 400 Sorten größte Whiskey-Auswahl Süddeutschlands trifft im zweistöckigen Lokal auf schummeriges 60er-Jahre-Ambiente samt Raucherlounge. Mini Schulz nennt seinen Club in einem Atemzug mit jenen in Paris, London, Wien, Amsterdam, Berlin. Das US-Musikmagazin DownBeat habe das Bix unter die 50 besten Jazz-Clubs der Welt gewählt. Besonders stolz ist der 50-Jährige auch darauf, dass sein Laden schon dreimal in Folge mit dem Spielstätten-Programmpreis „Applaus“ der Initiative Musik und der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, ausgezeichnet wurde. Seit der Eröffnung seien jährlich weit über 20 000 Besucher gekommen, um im Bix zu lauschen, zu tanzen oder, das ist dem Chef besonders wichtig, sich mit Gleichgesinnten über die Musik auszutauschen.

Knapp kalkulierte Finanzierung

Trotz des Erfolges: „Vermietungen gehören dazu, sonst kann man nicht überleben.“ Für etwa 25 Veranstaltungen im Jahr wird das Haus fremdvermietet, an Party-Veranstalter oder Firmen etwa, erklärt der Vize-Präsident des Landesmusikrates. Auch mit der Förderung durch die Stadt Stuttgart – sie mache mit 100 000 Euro 16 Prozent des Gesamtetats aus – könne sich ein Jazz-Club allein nicht tragen. „Am Ende des Jahres müssen wir über die Null hechten“, sagt Mini Schulz. Fünf festangestellte und rund 15 geringfügig beschäftigte Mitarbeiter wollen auch bezahlt werden.

Wenn man aber Mini Schulz erzählen hört, wird klar: Das Bix ist für ihn nicht einfach nur ein Club, sondern eine Möglichkeit, seine Musik einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Idealismus schwingt mit, wenn er sagt, dass Jazz „mehr als alte Männer mit Bart“ sei und „nicht nur wehtun“ müsse, sondern durchaus Spaß machen solle. Als seinen Traum bezeichnet er, noch mehr junge Leute auf die Musik neugierig zu machen: „Sie sollen mit offenen Ohren ins Bix reingehen.“

www.bix-stuttgart.de

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19.12.2016, 06:00 Uhr

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