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Urteil

Mehrjährige Haft wegen Waffendeals

25-Jähriger hatte in Sindelfinger Werkstatt Deko-Pistolen zu scharfen Waffen umgebaut und im Darknet verkauft.

04.11.2016
  • TOBIAS KNAACK UND DPA

Stuttgart. Nach illegalem Waffenhandel im Internet ist ein 25 Jahre alter Werkzeugmacher aus dem Kreis Böblingen am Donnerstag zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Stuttgart sprach ihn wegen etlicher Verstöße gegen das Waffengesetz schuldig. Lieferungen diverser Kriegswaffen an eine Adresse in Paris hingegen konnten dem Mann nicht nachgewiesen werden. Er hatte ein umfassendes Geständnis abgelegt – ebenso wie sein 28 Jahre alter Cousin, der wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde.

Beide Männer waren kurz nach den Terroranschlägen von Paris im November 2015 aufgeflogen. Bei Durchsuchungen der Wohnung des heute 25-Jährigen in Magstadt bei Sindelfingen wurden 16 Schusswaffen gefunden.

Anfangs bestand der Verdacht, der Mann habe auch Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow an eine Adresse in Paris verkauft. Es gebe aber keine Belege dafür, dass diese Waffen je in Paris ankamen oder gar bei den Terroranschlägen am 13. November 2015 mit 130 Toten verwendet wurden, hieß es später. Auch ohne diesen Vorwurf attestierte Richterin Manuela Haußmann dem Duo „erhebliche kriminelle Energie“. Innerhalb kürzester Zeit hätten die Cousins vergleichsweise viele Waffen hergestellt und verkauft.

Beide Männer beteuerten, ihnen tue es Leid. Der 28-Jährige sprach von „Blödsinn“, den sie gemacht hätten. Der 28-Jährige soll in erster Linie das Geld für den Erwerb von Maschinen und Material zur Verfügung gestellt haben. Auch wurden die Gewinne aus den Deals über seine Tankstelle gewaschen.

Schwierige Ermittlungen

Der Prozess dokumentierte, wie mühsam das Geschäft für die Ermittler der Polizei ist, kriminellen Machenschaften im Darknet auf die Schliche zu kommen: verschlüsselte Kommunikation, verworrene Geldflüsse, verwegene Decknamen.

Einer der Mitarbeiter vom Zollfahndungsamt Frankfurt, das in dem Fall die Ermittlungen angestoßen hatte, erklärte im Rahmen seiner Aussage vor Gericht, dass es ohne die Kooperation des 25-Jährigen etwa nicht gelungen wäre, weitere, teils größere Händler im Darknet ausfindig zu machen. Der gelernte Werkzeugmechaniker hatte kurz nach seiner Verhaftung unter anderem die Sicherheitsschlüssel der codierten Chats zur Verfügung gestellt. Nur so war es den Beamten gelungen, Kunden der beiden ausfindig zu machen sowie größere Waffenhändler im Duktus des 25-Jährigen, der die Kommunikation für ihr Geschäft im Darknet übernommen hatte, zu kontaktieren – und mit fingierten Käufen zu überführen. tk/dpa

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04.11.2016, 06:00 Uhr

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