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Übrigens

Mein Auto, mein Boot, meine Freibad-Bahn

Jetzt, wo die Freibad-Saison so richtig in Fahrt kommt, stellt sich im Gewühle des Tübinger Schwimmer-Beckens wieder sehr dringend die Frage, ob es nicht gewisse Verkehrsregeln im Wasser braucht (ähnlich den Skipisten), oder zumindest eine Art Ethik-Code.

25.06.2015
  • Ulrike Pfeil

Das Nahezu-Nackt-Sein in Verbindung mit der Tarnung durch Badekappen und Schwimmbrille löst nämlich bei manchen Schwimmern offenbar darwinistische Ur-Triebe aus. Auch in Leserbriefen wurde ja schon die Anarchie beklagt, die das Schwimm- in ein Haifischbecken verwandelt. Zwar hat die Tübinger Badeverwaltung eine gewisse Vorkehrung getroffen, indem sie drei Bahnen für routinierte Sport-Schwimmer abtrennte.

Dort hat sich disziplinierter Rechtsverkehr eingebürgert. Dennoch begeben sich gerade Leute mit starkem Schwimmer-Ego nicht freiwillig in dieses Reservat. Der wahre Kampf-Krauler erobert sich seine Bahn mit spritzendem Gestampfe und einer Bugwelle, an der sich Konkurrenten verschlucken. Er pflügt mit einer Unbeirrbarkeit durch das Becken, die ihn blind macht für trödelnde Brust- oder entgegenkommende Rückenschwimmer, diese Luschen.

Besonders die ziellosen Genuss-Planscher sind sowieso allen Freibadbahn-Besitzern immer im Weg. Jenen nämlich, die mit ihrer Saisonkarte zugleich einen Anspruch auf eine eigene 50-Meter-Bahn erworben haben. Ausweichen? Müssen die anderen. Ich habe schon erlebt, dass beim Rückenschwimmen mein Kopf von einer Männerpranke kräftig weggedrückt wurde mit der mahnenden Bemerkung: „Gradaus schwemma!“

Nicht dass nun der Eindruck entsteht, es seien nur Männer, die auch im Wasser ihrem Revier-Instinkt folgen: „Mein Haus, mein Auto, mein Boot, meine Freibad-Bahn.“ Schwimmerinnen machen es nur weniger kraftmeierisch, zum Beispiel mit dem Vorschlag: „Ich schwimme auf dem Rücken immer in Abwärts-Richtung. Könnten Sie sich vielleicht anpassen?“ Äh – war ich nicht zuerst...? Und wo ist im Wasser abwärts?

Eigentlich gehört es zum freien Badevergnügen, dass es keine Vorfahrt und kein „Rechts vor links“ oder ein Wegerecht für die Schnelleren und Gradausigeren gibt. Wo, wenn nicht im Schwimmbecken, ließe sich die Devise „Teilen ist das neue Besitzen“ verinnerlichen? Oder das Ausweichen als eine Geste friedlicher Toleranz?

Inzwischen wäre es schon hilfreich, wenn die Freibadverwaltung wenigstens für zwei Bahnen eine Deckpeilung anbringen ließe, so dass Rückenschwimmer ihren Kurs besser kontrollieren können. Bis zur Entwicklung der Google-Schwimmbrille, die vor dem heranstürmenden Krauler warnt, will ich nicht warten. Und auch nicht auf die Erziehungserfolge geduldiger Mitschwimmerinnen. Eine von ihnen versuchte einen älteren Herrn darauf hinzuweisen, dass er sich neben drei leeren Kurz-Bahnen ausgerechnet in jene gestürzt hatte, auf der sie zügig unterwegs war. „Entschuldigung, aber ich schwimme hier schon seit 20 Minuten“, hob sie an. „Mädle,“ bekam sie zur Antwort, „ond i scho seit vierzig Johr!“

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25.06.2015, 12:00 Uhr

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