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"Mein Traum ist wahr geworden"
Angelique Kerber genießt den Aufstieg an die Weltspitze, nächste Woche spielt sie in Stuttgart

"Mein Traum ist wahr geworden"

Mit ihrem Triumph bei den Australian Open hat Angelique Kerber die deutschen Tennisanhänger begeistert. Jetzt geht es für sie darum, die glanzvollen Auftritte zu bestätigen und den neuen Ruhm zu verarbeiten.

12.04.2016
  • ARMIN GRASMUCK

Im Halbfinale des Grand-Prix-Turniers in Charleston mussten Sie aufgrund eines Virusinfekts aufgeben. Geht es Ihnen schon wieder besser?

ANGELIQUE KERBER: Mir geht es etwas besser als vor zwei Tagen in Charleston, aber es ist gut, dass ich vor der wichtigen Fed-Cup-Begegnung am Wochenende noch etwas Zeit habe, um mich zu erholen.

Nach Ihrem Triumph bei den Australian Open, dem ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres, hatten Sie sportlich einen kleinen Durchhänger. Wie haben Sie wieder die Kurve gekriegt?

KERBER: Ich konnte nach Indian Wells ein paar Tage abschalten und hatte auch Zeit für mich, bevor es in Miami weiterging. Vielleicht hat es auch geholfen, in den USA ganz weit weg von zu Hause zu sein, wo das Interesse an meiner Person noch deutlich größer ist.

Nachdem Sie im Finale von Melbourne die Nummer eins der Welt, Serena Williams, besiegt hatten, sagten Sie: "Jetzt wird alles anders." Was meinten Sie konkret?

KERBER: Ich wusste nicht, wie ich es meine. Aber jetzt weiß ich es. Das Drumherum ist definitiv anders geworden, die Wahrnehmung, die Präsenz der Medien, wie die Leute mich jetzt auf der Straße erkennen. Da hat sich in den vergangenen Wochen einiges verändert.

Zum ersten Mal seit langer Zeit haben die Tennisanhänger wieder mitgefiebert. Sie wirkten dagegen relativ cool, gerade in dem Moment des größten Erfolgs. Waren Sie wirklich so entspannt?

KERBER: Naja, zuerst einmal war ich erleichtert. Der ganze Druck war weg, ich hatte gewonnen - wunderbar. In Melbourne ist mein Traum wahr geworden. Alles, was danach kam, habe ich gerne mitgenommen. Es waren Augenblicke und Erfahrungen, die ich nie mehr vergessen werde. Ich habe mich gegeben, wie ich bin, ohne groß nachzudenken, auch bei der Siegerehrung meinen Emotionen freien Lauf gelassen.

Haben Sie mitbekommen, wie die Begeisterung zuhause in Deutschland von Spiel zu Spiel anstieg?

KERBER: Aber klar doch! Nach dem Viertelfinale fing es an und nach dem Halbfinale ist mein Handy fast explodiert. Diese Situation kannte ich zum Beispiel noch gar nicht. Ich habe mich gefragt: Soll ich den Leuten jetzt gleich zurückschreiben - oder noch ein bisschen warten? Meinem Trainer Torben Beltz erging es genauso. Wir haben darüber geredet und gesagt: Okay, das Turnier ist noch nicht vorbei. Wir spielen erst einmal und antworten später.

Wie empfanden Sie die Atmosphäre in Ihrem ersten Grand-Slam-Finale?

KERBER: Viele haben zu mir gesagt, das Finale zu erreichen ist cool, ich solle es genießen. Ich habe es genossen, aber ich bin eher der Typ, der sagt: Jetzt bin ich hier, jetzt will ich auch gewinnen. Für mich war klar, dass ich noch einmal alles raushaue, was in mir steckte. Ich wusste, dass ich mein bestes Tennis spielen muss, um Serena zu schlagen. Als ich den ersten Satz gewonnen hatte, spürte ich, da war was drin. Aber als ich im dritten 5:3 vorne lag, wusste ich auch, es ist noch nicht zu Ende.

Als Siegerin eines Grand-Slam-Turniers und Nummer drei der Weltrangliste sind Sie jetzt die Gejagte. Spüren Sie den neuen Druck ?

KERBER: Natürlich merke ich, dass die Spielerinnen jetzt noch mehr darauf aus sind, gegen mich zu gewinnen. Aber ich spüre auch den Respekt, den sie vor mir haben. Es ist eine neue, eine andere Situation, die ich genieße. Dafür habe ich hart gearbeitet, und ich werde alles versuchen, mich nicht so schnell einholen zu lassen.

Der Siegerpokal von Melbourne ist mit mehr als einmonatiger Verspätung in der Gemeinde Puszczykowo, Ihrer polnischen Wahlheimat, eingetroffen. Wo steht er jetzt?

KERBER: Am Anfang stand er überall, weil alle ihn sehen wollten. Bei Freunden, im Wohnzimmer meiner Großeltern, bei mir zuhause. Ich hoffe, da ist er jetzt immer noch.

Sie reisten aus Melbourne direkt in die Provinz - aus eigenen Stücken, oder weil Oma und Opa es wollten?

KERBER: Ich wollte es so. Wir hatten direkt danach den Fed-Cup-Termin mit der deutschen Mannschaft in Leipzig. Da habe ich gesagt, ich muss auf jeden Fall einen Tag nach Hause, meine Familie und Freunde treffen. Wir saßen einen Abend lang zusammen. Es war mir wichtig, den Sieg mit allen teilen zu können. Essen, trinken, reden - bei einem Glas Sekt anstoßen. Es war ein Highlight für alle, nicht nur für mich.

Deutsche? Polin? Hat Sie die Debatte, die kurzzeitig um Ihre Herkunft entbrannte, genervt?

KERBER: Genervt vielleicht nicht, aber ja, die Fragen kamen auf einmal relativ oft. Für mich ist klar, dass ich Deutsche bin. Ich bin hier geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen und ich spiele selbstverständlich für Deutschland. Meine Großeltern leben in Polen, ich spreche Polnisch, da ist es klar, dass ich auch eine Schwäche für Polen habe.

Vor ein paar Tagen haben Sie in Las Vegas mit Steffi Graf und ihrem Mann Andre Agassi trainiert. Wie kam es zu dieser spektakulären Einheit mit den Tennislegenden?

KERBER: Ich war in Indian Wells, also gleich in der Nähe. Es waren intensive Trainingstage, die ich sehr genossen habe. Für mich ist es immer eine große Freude, wenn ich mit Steffi und Andre spielen kann. So konnte ich meine Akkus wieder voll aufladen. Steffi hatte mir bereits kurz nach dem Matchball in Melbourne am Telefon gratuliert. Sie hat mir gesagt, wie sie sich für mich gefreut hat - dass ich mir den Sieg verdient habe, weil harte Arbeit sich irgendwann auszahlt. Und dass ich es jetzt einfach genießen soll.

Sie begannen im Alter von drei Jahren mit dem Tennis. Ab wann wussten Sie, dass Sie es nach ganz oben schaffen können?

KERBER: Also für mich war als Kind ziemlich schnell klar, dass ich einmal Tennisprofi werde. Nach der Schule habe ich dann gesagt: Okay, ich probiere es jetzt und schaue, wie weit es geht. Es ist generell schwer zu planen. Du musst verletzungsfrei bleiben und erst mal sehen, wie gut du wirklich bist.

Stimmt es, dass Sie, die Linkshänderin auf dem Tennisplatz, im wahren Leben alles mit rechts erledigen?

KERBER: Das stimmt wirklich. Ich bin eigentlich Rechtshänderin und spiele nur Tennis mit links. Warum? Ich weiß es nicht. Wir erklären es uns so: Als meine Eltern mir das Tennisspielen lernten, standen sie immer auf der anderen Seite des Platzes - und ich habe ihre Schläge einfach spiegelverkehrt nachgemacht.

In der nächsten Woche werden sie als Titelverteidigerin in Stuttgart aufschlagen. Warum ist das Turnier in der Weltelite eigentlich so beliebt?

KERBER: Bei fast allen Spielerinnen, mit denen ich rede, ist Stuttgart der Favorit. Fast jedes Jahr wird es als beliebtestes Turnier auf der Tour ausgezeichnet. Es ist perfekt organisiert. Stimmungsvolles und fachkundiges Publikum, eine gute Zeit, um auf Sand zu spielen. Das Essen ist fantastisch, das Rahmenprogramm auch für die Spielerinnen bunt und munter. In Stuttgart passt einfach alles. Ich werde alles geben, um den Titel zu verteidigen.

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12.04.2016, 06:00 Uhr

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