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„Meine Halbzeit ist schon vorbei“
Interview mit dem Schauspieler Bjarne Mädel

„Meine Halbzeit ist schon vorbei“

Bjarne Mädel wurde bekannt als „Tatortreiniger“. Im Interview spricht er über seinen neuen Film, den Zauber des einzelnen Moments und warum er nicht gern über den Tod nachdenkt.

16.11.2016
  • MARTIN WEBER

Berlin. Und täglich grüßt das Murmeltier: In der Tragikomödie „Wer aufgibt ist tot“, die am Freitag von 20.15 Uhr an im Ersten läuft, erlebt der Vertreter Paul Lohmann ein- und denselben Tag immer wieder. Es ist der Tag, an dem der von Bjarne Mädel (48) gespielte Familienvater tödlich mit dem Auto verunglückt.

Der beruflich und privat völlig festgefahrene Lohmann will sein Ableben partout nicht akzeptieren. Also darf er seinen letzten Tag mit dem Einverständnis der himmlischen Botin Angie (Friederike Kempter) noch mehrmals erleben, um alles besser zu machen.

Herr Mädel, in Ihrem neuen Film „Wer aufgibt ist tot“ geht es um Leben und Tod. Worüber wollen wir zuerst sprechen?

Bjarne Mädel: Vielleicht über den Tod, das geht schneller. Auf der anderen Seite ist das Leben ja auch ganz spannend. Also übers Leben.

Was macht für Sie ein erfülltes Leben aus?

In dem Moment, in dem man gerade lebt, da zu sein, wo man ist – und das auch noch voll mitzukriegen: Das macht für mich ein erfülltes Leben aus. Den einzelnen Moment bewusst mitzukriegen finde ich sehr beglückend. Doch das ist manchmal ganz schön schwierig. Oft kriegt man den Moment eben nicht mit, in dem man sich befindet, und wenn dann in diesem Augenblick auch noch was Schönes passiert, dann ist das natürlich sehr schade.

Sie werden übernächstes Jahr 50 – schon mal sowas wie eine Halbzeitbilanz gezogen?

Hab ich noch nicht, aber die wäre ja auch schon zum 40. Geburtstag fällig gewesen, oder?

Wollen Sie denn nicht 100 werden?

Wollen schon, aber ich bin in der Hinsicht nicht sonderlich optimistisch, muss ich sagen. Ich habe in meinem Leben zu viel geraucht und zu unregelmäßig geschlafen, glaube ich (lacht). Also meine Halbzeit ist schon vorbei, und ich habe trotzdem noch keine Bilanz gezogen. Es hätte schlimmer laufen können, sagen wir mal so.

Beruflich läuft es derzeit ja sehr gut.

Stimmt. Ich mache unterschiedliche Filme, habe gerade neue Folgen vom „Tatortreiniger“ abgedreht, darf mit Leuten zusammenspielen, die ich klasse finde, spiele Theater, reise mit dem Kinofilm „24 Wochen“ zu Festivals in Chicago oder San Francisco, ich kann wirklich nicht meckern. Ich bin von der Straße runter, und das ist die Hauptsache (lacht). Am Tollsten ist natürlich, dass ich mich mit verschiedenen Projekten beschäftigen darf, von der Komödie bis zur Tragödie.

In welches Fach fällt denn „Wer aufgibt ist tot“?

Schwer zu sagen. Ich glaube, der Film trifft die Mitte zwischen beiden, also das, was landläufig als „Tragikomödie“ bezeichnet wird. Von der Grundstruktur her ist es ja eher eine Komödie, die an Filme wie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ erinnert. Aber es gibt auch die tragischen Momente und die der tiefen Erkenntnis.

Welche sind das?

Vor allem die Erkenntnis, sein Leben doch nur bis zu einem gewissen Grad ändern zu können. Egal wie man sich dreht und wendet, man bleibt doch immer der, der man ist. Aber genau diese Grenzwanderungen zwischen dem tragischen und dem komischen Fach mag ich ganz besonders. Die tollsten Arbeiten sind die, bei denen der Zuschauer lacht und gleichzeitig einen Kloß im Hals hat.

Kann man sagen, der Film fängt als Komödie an und endet als Tragödie?

Ja, aber das ist ja bei den meisten Tragikomödien so, dass man erst mal das Herz des Zuschauers übers Lachen öffnet und dann die ernsten Themen auspackt. Eine gute und höchst effiziente Methode, wie ich finde.

In Lohmanns Leben läuft vieles schief, weil er nicht ehrlich zu sich und anderen ist. Können Sie über Ihre wahren Gefühle sprechen?

Prinzipiell schon, aber ich kenne das auch, dass man den richtigen Moment verpasst, etwas anzusprechen.

Lohmann kann sein Ableben nicht akzeptieren. Wie stehen Sie zum Tod?

Ich würde ihn gerne so lange wie möglich vermeiden (lacht).

Warum ist der Tod für viele Menschen ein Tabuthema?

Weil er so unerklärlich ist, und das macht natürlich Angst. Religiöse Menschen haben es da deutlich besser, weil sie an Dinge wie das Paradies oder die Errettung glauben. Wenn man nicht so gläubig ist, steht einem dieser Trost leider nicht zur Verfügung.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ich glaube schon, dass es eine Energie oder eine Seele gibt, die nach dem Tod des Körpers weiterexistiert, aber wie das genau funktioniert, weiß ich natürlich nicht. Ich denke sowieso nicht gerne über den Tod nach und über den eigenen schon gar nicht – das beunruhigt mich zugegebenermaßen.

Sie haben mal Gedichte geschrieben. Auch eines über den Tod?

Deutlich mehr über das Leben, aber auch ein paar über das Ende. Eins geht so: „Flöge heute meine Seele fort, bliebe nur Materie vor Ort. Und das ja auch nicht wirklich lange – bei dem Gedanken wird mir angst und bange.“

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16.11.2016, 06:00 Uhr

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