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Uni Tübingen: In der Warteschlange

Mensa Wilhelmstraße zu klein für Studentenmassen

Auch wenn der Magen noch so knurrt: Wer in der Mensa Wilhelmstraße essen will, braucht manchmal viel Geduld. Zur Hauptzeit stehen lange Schlangen an den Essensausgaben, freie Plätze muss man suchen. Die steigenden Studentenzahlen bringen die Mensa an ihre Grenzen.

21.11.2012
  • Laura Esser

Tübingen. Dieses Wintersemester hat die Universität so viele Studenten wie noch nie: 27 132 sind immatrikuliert. Das führt nicht nur dazu, dass Wohnungen knapp und Seminare überfüllt sind. Auch in den Mensen ist es voll wie nie zuvor. In der Mensa Wilhelmstraße gibt es Essen von 11.30 bis 14 Uhr. Zwischen 12 und 13 Uhr strömen hier die Massen, sodass es zu langen Schlangen kommt – wie man sie sonst nur von Weihnachten kennt, wenn es in der Mensa Ente mit Rotkohl gibt. Der große Andrang wirkt sich auch auf die Verfügbarkeit der Essensangebote aus. Wer zu spät kommt, hat häufig nur noch eine begrenzte Auswahl. Sitzplätze sind knapp, vor allem wenn man mit Freunden einen Platz sucht.

Wer Vegetarier ist, hat Glück

Umfrage: Wie voll wird_APOSTROPHE_s in der Mensa?

Umfrage: Wie voll wird_APOSTROPHE_s in der Mensa? --

02:33 min

Viele Studenten versuchen deshalb, pünktlich um 11.30 Uhr in der Mensa zu sein, um nicht warten zu müssen. Das macht auch die Germanistikstudentin Anna Nisch. Sie versucht, die Mensa zwischen 13 und 14 Uhr zu meiden. In dieser Zeit sei es dort „immer brechend voll“, sagt die 24-Jährige und fügt hinzu: „Die neuen Studenten sind unbeholfen.“

Da sie im Master studiert, kann sie ihre Stunden so legen, dass sie Essen gehen kann, bevor der große Sturm losbricht. Es sei ein Glücksfall, dass sie Vegetariern ist, sagt Nisch. So könne sie die lange Schlange an der Essensausgabe beim Stammessen meiden.

Auch der 21-jährige Umwelt- und Naturwissenschaftsstudent Klaus Röder kennt den Platzmangel in der Mensa. Er studiert im dritten Semester und meint, dass die Mensa schon vergangenes Wintersemester ständig überfüllt war. Es seien in der Hauptzeit einfach zu wenig Stühle und Tische vorhanden. „Die Mensa ist zu klein“, meint der Bachelor-Student. Er versucht, immer um halb zwölf essen zu gehen. Es ist ihm aber auch schon passiert, dass er erst um 13.30 Uhr Zeit hatte. Dann kann es vorgekommen, dass das Angebot beschränkt ist und es „nur noch zwei Essen zur Auswahl gibt“, sagt Röder. „Wenn es zu voll in der Mensa ist, gehe ich in die Cafeteria und kaufe ein Brötchen.“ Gekocht wird dann abends zuhause.

Was ihm und seinen Tischnachbarn nicht gefällt, ist, dass man sich das Essen nicht anschauen kann, bevor man sich entscheidet. Das sei in der Mensa Morgenstelle besser. Da kann man einen Blick auf die Speisen werfen, bevor man bezahlt. Auch dass das Essen dort nicht auf Tabletts mit Vertiefungen serviert wird, gefällt ihnen besser. Röder: „Man bekommt dort einen Teller und fühlt sich wie ein normaler Mensch.“

Mit 3500 Essen ist die Mensa ausgereizt

Mensa-Chef Wolfgang Hospach sagt: „Die Mensa Wilhelmstraße ist mit 3500 Essen ausgereizt.“ Mit dieser Überlast muss die Mensa wohl noch eine Weile arbeiten. Denn der Neubau der Tal-Mensa zwischen Hölderlin- und Nauklerstraße soll erst 2016 fertig sein. Ausbaumöglichkeiten sieht Hospach derzeit noch in der Mensa Prinz Karl – dort könnte das Studentenwerk noch 100 bis 200 Essen zusätzlich ausgeben. Mehr aber auch nicht, denn sonst ist sie „picke packe voll“. Auch auf der Morgenstelle sieht er noch Erweiterungsmöglichkeiten.

Mensa Wilhelmstraße zu klein für Studentenmassen
Endlich die Essensausgabe erreicht? Dann viel Erfolg bei der Suche nach einem Platz. Der ist zu Stoßzeiten in der Mensa Wilhelmstraße knapp. Bild: Metz

Dass die Mensa Wilhelmstraße an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt ist, hat auch Jörg Bischof bemerkt. „Der Andrang hat zugenommen.“ Er studiert Politik-, Erziehungswissenschaften und Französisch und schreibt gerade seine Zulassungsarbeit. Dadurch ist er nicht an einen festen Stundenplan gebunden und kann entweder zu Beginn oder zum Ende der Mensazeit essen gehen. „Wenn man kurz vor Ende essen geht, kann es sein dass manche Essen fehlen.“ Da er aber nicht mit dem Anspruch in die Mensa geht, „einen Hochgenuss zu erleben“, sei er bereit, „einiges in Kauf zu nehmen“.

Britta Postmann, 34, ist Postdoktorandin an der Uni. Ihr fällt der Höchststand an Studenten in der Mensa besonders auf: „Es ist viel voller als vorher.“ Aber nicht nur daran merkt sie, dass die Zahl der Studenten zugenommen hat. „Auch die Qualität des Essens hat seit diesem Semester nachgelassen“, sagt sie. Im Sommer, so die 34-Jährige, könne sie ausweichen und Imbissbuden ansteuern, wenn es in der Mensa zu voll ist.

Das Mensa-Essen in Tübingen ist das teuerste in Baden-Württemberg. Das ergab eine Umfrage der Studentengruppe der Linken unter den Studentenwerken in Baden-Württemberg. Das Stammessen in der Tübinger Mensa kostet 2,85 Euro. Ein Student in Heidelberg zahlt zum Beispiel nur 2,15 Euro für sein Essen.
Oliver Schill, Geschäftsführer des Studentenwerks Tübingen-Hohenheim, begründet den hohen Preis mit verschiedenen Faktoren: Zum einen bietet die Mensa mit dem Stammessen eine Suppe an, die in anderen Mensen 40 bis 50 Cent extra kosten würde. Zum anderen sei der Energieverbrauch in der Mensa Wilhelmstraße enorm hoch. Für die Heizung und die Dampfenergie seien im Jahr 2011 Kosten in Höhe von 300 000 Euro entstanden. Das bedeute: 60 Cent pro Essen fließen in die Finanzierung der Wärmeenergie, sagt Schill. „Jedes Studentenwerk ist an Kostenkalkulation gebunden und moderne Mensen sind nicht so teuer.“

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21.11.2012, 12:00 Uhr

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