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Ernte wird zu Saft und Sirup

Menschen mit Behinderung pflegen Streuobstwiesen

In der Mössinger Dreifürstensteinschule wurde das Streuobst-Projekt gegründet. Nun gehört es zur Firma AiS (Arbeit in Selbsthilfe), die Menschen mit Behinderung beschäftigt. Die Grüngruppe pflegt Streuobstwiesen, stellt Säfte, Gelees, Kunsthandwerk her. Derzeit bepflanzt sie einen Beerengarten und eine Holunderplantage. Gefördert wird das Projekt von der Aktion Mensch mit 250 000 Euro.

20.10.2014
  • SUSANNE WIEDMANN

Mössingen. Goldrute und Indisches Springkraut wuchsen und wucherten im Naturschutzgebiet Blaulach bei Kirchentellinsfurt. Die Grüngruppe der AiS entfernte die Neophyten, die am Waldrand heimische Pflanzen verdrängten. Und auf der Mössinger Olgahöhe mähte sie, um das Wachstum der Orchideen zu fördern. Bislang gehören erst zwei Mitarbeiter mit Behinderung zur Grüngruppe. Zudem Marcus Hölz als Projektleiter „Streuobst“, ein FSJ-ler und ein Schülerpraktikant.

Später sollen mindestens sechs behinderte Menschen für das Streuobst-Projekt arbeiten. Wenn möglich, viel mehr. Noch dazu wenigstens je sechs Mitarbeiter in einem geplanten Café auf dem Pausa-Areal und einem Regionalladen, um die hergestellten Produkte zu verkaufen.

Seit dem 1. Oktober hat die Firma AiS das Projekt „Streuobst“ von der Dreifürstensteinschule, der Schule für Körperbehinderte, übernommen. Unterstützt wird es in den kommenden fünf Jahren mit 250 000 Euro von der Sozialorganisation „Aktion Mensch“.

Bislang hatte die Grüngruppe unter anderem Aufträge vom Verein Vielfalt, unter dessen Dach der Landschaftserhaltungsverband und Plenum verbunden sind, vom Netzwerk Streuobst und von Privatkunden. Die Mitarbeiter mähen, schneiden Hecken und Bäume. Eine Fläche von zehn Ar zu mähen, kostet je nach Lage zwischen 35 und 50 Euro.

Es gebe einige junge Männer, die Probleme mit der Feinmotorik haben und lieber gröbere Arbeiten im Freien verrichten, erklärte Helmut Becker, Geschäftsführer der AiS, gestern bei einem Pressegespräch. Ein wichtiges Ziel sei auch, dass die Mitarbeiter ihre Chancen für den Ersten Arbeitsmarkt verbessern.

Zwar seien die Landschaftsarbeiten durch unebenes Gelände und gefährliche Geräte für Körperbehinderte nicht ganz ideal, betonte Thomas Seyfarth, Geschäftsführer der KBF Neckar-Alb. Doch könnten die Tätigkeiten aufgesplittet und gezielt auf die Fähigkeiten der behinderten Menschen ausgerichtet werden. „Auch für Menschen mit geistiger Behinderung ist ein Baumschnitt möglich“, erklärte Marcus Hölz, der als Fachwart Experte dafür ist.

Im Gebiet „Auchtert“ hat die Grüngruppe im Auftrag des Netzwerks Streuobst Allmendwiesen gepflegt. Und sie hat selbst Wiesen gepachtet, bewirtschaftet rund 120 Ar, und hat die Streuobsternte zu 1500 Liter Saft pressen lassen. Auf dem Bodelshäuser Kastanienhof der AiS wird er verkauft. „Die Kunden nehmen die Säfte sehr gut an“, sagt Becker. Wie viele Produkte auf dem Kastanienhof, die dort in der Gärtnerei und auf dem Bauernhof selbst produziert wurden. Neben dem Kastanienhof führt die AiS Druckerei, Näherei, Rollstuhlwerkstatt, Blumenladen, Café.

„Wir versuchen, uns selbst zu finanzieren“, betont Becker. Ein Abmangel wird allerdings durch die KBF-Stiftung aufgefangen. Das Projekt „Streuobst“ kooperiert eng mit dem Plenum des Landkreises, der die Maschinen – Freischneider und Balkenmäher – bezuschusst hat.

„Wenn wir aktiv werden wollen, brauchen wir Planungssicherheit. Der Landkreis, Naturschutz- und Landwirtschaftsbehörden sind sehr zuverlässige Partner“, freut sich Hölz. Er wiederum sei besonders geeignet, das Streuobst-Projekt zu leiten, betonte KBF-Geschäftsführer Gert Mohler. So habe Hölz nicht nur Fachkenntnisse im Obst- und Gartenbau, sondern auch seit Jahren KBF-Wohnbereiche betreut.

Derzeit pflanzt die Grüngruppe beim OGV Belsen 250 Beerensträucher und in Öschingen mit sieben Auszubildenden der Firma Bosch 150 Schwarze Holunder, um später Sirup, Gelee, Saft herzustellen und zu verkaufen.

Menschen mit Behinderung pflegen Streuobstwiesen
Die Grüngruppe pflanzt Beerensträucher (von links): Projektleiter Marcus Hölz, FSJ-ler Semon Bärmann und Johannes Schnarr.Bild: Rippmann

1997 wurde die AiS als gemeinnützige GmbH gegründet. Träger sind die Körperbehindertenförderung Neckar-Alb, der Arbeiter-Samariter-Bund und der Verein Hilfe für Behinderte. Die AiS bietet auf dem Kastanienhof Bodelshausen und in Schlattwiesen Mössingen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. 60 Mitarbeiter beschäftigt die AiS. Wer für die Grüngruppe Aufträge hat, kann sich bei Marcus Hölz telefonisch unter 0 74 73 / 37 74 60 und 01 62 / 268 89 93 oder auf dem Kastanienhof melden.

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20.10.2014, 12:00 Uhr

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