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Berlin

Messenger Telegram schaltet IS-Kanäle ab

Nach den Anschlägen von Paris wird über die Kommunikationswege von Terroristen spekuliert. Telegram geht nun gegen islamistische Konten vor.

20.11.2015
  • DPA

Der in die Kritik geratene Kurzmitteilungsdienst Telegram hat nach eigenen Angaben 78 Kommunikations-Kanäle mit Verbindungen zur Terrormiliz IS gesperrt. In Zukunft solle es zudem einfacher werden, solche Inhalte zu melden, erklärte das Unternehmen. Nach den Terroranschlägen von Paris war der Dienst aus Berlin unter anderem von der US-Internet-Analysefirma Flashpoint als ein wichtiges Kommunikationsmittel der Terrormiliz IS bezeichnet worden.

Über die erst im September eingeführten Telegram-Kanäle ("Channels") können ähnlich wie bei Twitter oder Facebook viele Abonnenten gleichzeitig erreicht werden. Flashpoint zufolge nutzt der IS den Service nicht nur zur verschlüsselten Kommunikation, sondern auch zur Propaganda. Hinter Telegram stehen Pawel Durow, der Gründer und später verdrängte Chef der russischen Facebook-Kopie VKontakte, und dessen Bruder Nikolaj.

Durow machte zugleich in einem Facebook-Eintrag die französische Politik für die Terrorserie verantwortlich. "Ich denke, die französische Regierung ist dafür ebenso verantwortlich wie der IS, denn ihre Politik und ihre Nachlässigkeit haben am Ende zu dieser Tragödie geführt." Mit unerhört hohen Steuern, die das Geld hart arbeitender Leute nähmen, würden nutzlose Kriege im Nahen Osten finanziert.

Über mögliche IS-Kommunikationswege wird seit Tagen diskutiert. Eine Äußerung des belgischen Innenministers Jan Jambon, der einige Tage vor den Anschlägen in Paris beklagte, eine Kommunikation über die Speilekonsole Playstation 4 sei für die Behörden schwierig zu entschlüsseln, wurde fälschlicherweise auf die aktuellen Ermittlungen übertragen. Konkrete Hinweise darauf, dass die Attentäter von Paris sich mit der PS 4 abgestimmt haben könnten, gibt es nämlich nicht.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer hält die Theorie, dass Terroristen auch über Netzwerke der Spielekonsolen kommunizieren, unterdessen grundsätzlich für plausibel. Dieser Austausch könne nur schwer von Sicherheitsbehörden und der Online-Community kontrolliert werden, sagte Pfeiffer.

Zudem kursieren Berichte über angebliche erste Erfolge des Hacker-Netzwerks Anonymous in einem "Cyber-Krieg" gegen den IS. Der Twitter-Account @opparisofficial behauptete, mehrere Tausend Twitter-Accounts von IS-Sympathisanten aus dem Verkehr gezogen zu haben - verifizieren ließ sich das allerdings nicht.

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20.11.2015, 12:00 Uhr

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