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Mann griff im Januar willkürlich Reutlinger Passanten an

Messerstecher seit Mittwoch vor dem Landgericht

Wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und weiterer Delikte muss sich ein psychisch kranker Mann seit Mittwoch vor dem Schwurgericht Tübingen verantworten. Er hatte am 17. Januar in Reutlingen willkürlich auf ihm völlig Unbekannte eingestochen. Der 39-Jährige ist nicht schuldfähig.

24.09.2014

Tübingen / Reutlingen. Sechs Fälle von teilweise schweren Gewaltdelikten werden einem 39-Jährigen angelastet, der zuletzt als Fahrer arbeitete. Der Mann leidet einer schizoaffektiven Störung. Das Gericht muss entscheiden, ob der Beschuldigte auf Dauer in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss – wie von Oberstaatsanwalt Thomas Trück beantragt.

Um die Mittagszeit des 17. Januar 2014 befand sich der Mann in Pfullingen in einem Bus Richtung Reutlingen. Nachdem eine Frau zugestiegen war, schlug er diese unvermittelt von hinten kräftig mit der Faust ins Genick.

In Reutlingen angekommen, näherte sich der 39-Jährige einer weiteren Frau, die an einer Fußgängerampel an der Karlstraße wartete, und stach sie mit einem Küchenmesser (Klingenlänge 11,5 Zentimeter) von hinten in den Nacken. Es entstand eine oberflächliche Schnittwunde. Bevor der Täter ein zweites Mal zustechen konnte, stieß ihn ein Passant zur Seite. Unmittelbar darauf verübte er drei weitere Attacken. Dann bestieg er einen Bus nach Pfullingen, wo er mit Parfüm um sich sprühte. Einen Fahrgast, der ihm das Fläschchen abnahm, schlug er mit der Faust ins Gesicht.

Der Beschuldigte räume die Taten ein, erinnere sich jedoch krankheitsbedingt nicht an den Tattag – oder anders als vom Staatsanwalt vorgetragen, sagte die Verteidigerin Sabine Höfner. Ihr Mandant bedauere seine Taten sehr. „Für ihn ist es ganz schrecklich, dass er so viele Menschen in Angst und Schrecken versetzt hat.“

Höfner beantragte, die Öffentlichkeit von der Verhandlung auszuschließen, sobald es um die Krankengeschichte ihres Mandanten, dessen Ehe oder um das psychiatrische Gutachten gehe. Auch der Beschuldigte bat das Gericht, dem Antrag stattzugeben: aus Rücksicht auf seine Ehefrau und seine Mutter. Und: „Ich habe Kinder, die möchte ich nicht verlieren.“ Das Gericht entschied aber, die Öffentlichkeit allenfalls bei einzelnen Aussagen auszuschließen.

Die Geschädigten litten unmittelbar nach den Attacken an Ängsten und Schlafstörungen. Einer von ihnen, ein 25-jähriger Auszubildender, wollte an jenem Tag mit einem Freund vor der Reutlinger Hauptpost die Straße überqueren. Plötzlich sei jemand hinter ihm gewesen und habe ihm ein Messer in den Rücken gedrückt. Nach ein paar Sekunden merkte er, dass es auf seiner linken Seite feucht wurde. Im Krankenhaus wurde eine zwei Zentimeter lange und zweieinhalb Zentimeter tiefe Stichwunde festgestellt. Nach dem Vorfall stand der Reutlinger unter Schock und hatte Angstzustände. Er war zwei Wochen krankgeschrieben, schlief sehr schlecht und fürchtete sich, wenn er in der Stadt unterwegs war, und wenn er an einer Ampel warten musste.

Das Verfahren wird am heutigen Donnerstag fortgesetzt. Mit einer Entscheidung wird in der kommenden Woche gerechnet. dhe

Info: Vorsitzender Richter: Ralf Peters; Beisitzer: Philipp Ries, Daniel Valerius; Schöffen: Werner Rudi Gogolin, Antje Lübke. Staatsanwalt: Thomas Trück. Nebenklage: Robert Sikic, Achim Unden. Verteidigerin: Sabine Höfner. Gutachter: Dr. Heiner Missenhardt.


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