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Da piept es überall

Metallreste im Boden halten den Bau des Kleinspielfeldes an der Aischbachschule auf

Aus dem neuen Kleinspielfeld bei der Aischbachschule wird dieses Jahr wohl nichts mehr. Nachdem im Juni eine Panzer granate auf dem Platz gefunden wurde, muss das aufge füllte Gelände jetzt zwei Meter tief ausgehoben werden.

13.08.2014
  • Sepp Wais

Tübingen. Eigentlich sollte die Veredelung des abgewetzten Bolzplatzes in ein Allwetter-Kleinspielfeld keine große Sache werden. Der Gemeinderat stellte im aktuellen Haushalt 56.000 Euro für den Umbau bereit, und schon im Juni rückten die Bauarbeiter an, um den Platz herzurichten. Aber kaum hatte der Bagger seinen ersten Biss getan, musste er schon wieder abziehen: Am 23. Juni stieß er auf eine amerikanische Artilleriegranate aus dem Zweiten Weltkrieg. Das rostige Geschoss hatte einen Durchmesser von 90 Millimeter, war 40 Zentimeter lang und vollgestopft mit einem Kilo TNT.

Metallreste im Boden halten den Bau des Kleinspielfeldes an der Aischbachschule auf
Auf ihren neuen Spielplatz im Tübinger Westen werden die Hobby-Kicker noch lange warten müssen. Bild: Sommer

Noch am selben Abend wurde (wie damals berichtet) die siebzig Jahre alte, noch immer scharfe, aber gesicherte Granate von zwei Experten des Stuttgarter Kampfmittelbeseitigungsdienstes abgeholt. Trotzdem durften die Bauarbeiter, die den Boden für die Anlage des neuen Kleinspielfeldes einen halben Meter tief ausheben sollten, nicht mehr auf den Bolzplatz zurück. Erst musste sichergestellt werden, dass im Untergrund keine Gefahren mehr lauern.

Die Suche nach explosiven Stoffen gestaltete sich allerdings sehr viel schwieriger als zunächst erwartet. Im Normalfall, also bei natürlich gewachsenem Boden, können sich die Kampfmittel-Experten in aller Regel mit einer Oberflächensondierung begnügen. Dabei würden sie eventuelle Störkörper aus Metall entdecken und dann ganz gezielt aus dem Boden holen. Am Aischbach draußen, so wurde schon bei der ersten Sondierung festgestellt, geht das nicht. Der Grund: Das Gelände entlang der B 28 wurde mehrfach aufgefüllt.

Baggern nur mit Samthandschuhen

Wie sich Hans Schmid, der Chef des ausgebremsten Baggerfahrers, nach dem Granaten-Fund erinnerte, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Tübinger Westen der Bereich entlang der Ammer, wo auch seine Baufirma ihren Sitz hat, mit Bombenschutt aufgefüllt. Dabei ist wohl auch das Gelände der heutigen Aischbachschule mit etwa einem Meter Schutt überdeckt worden. Doch das war nicht alles, wie die Stadtverwaltung bei ihren Recherchen mittlerweile herausfand.

Offenbar wurde das Aischbach-Gelände schon vor dem Krieg mit Kehricht und allerlei Altmaterialien aufgeschüttet. Die Folge: Als sich die Kampfmittel-Experten jetzt auf die Suche nach alten Munitionsresten machten, schlugen ihre Metalldetektoren alle Nas lang an. Frühere Generationen hatten im Untergrund so viele metallische Gegenstände verbuddelt, dass die übliche Sondierungsmethode auf dem Bolzplatz keinen Sinn machte. „Da piept es überall,“ hat Tobias Ehmann, der stellvertretende Leiter des Tiefbauamts, festgestellt.

Deshalb schlug der Kampfmittelbeseitigungsdienst nun vor, den aufgefüllten Schutt und Müll unter ihrem Beisein kontrolliert auszuheben – mindestens zwei Meter tief bis zum gewachsenen Boden. Das, so fürchtet Ehmann, dürfte die Stadt aller Voraussicht nach viel Zeit und eine Menge Geld kosten. Zeit, weil die Baggerfahrer aufgrund der unsicheren Gefahrenlage „mit Samthandschuhen ans Werk gehen“ müssen. Und weitaus mehr Geld als die angesetzten 56 000 Euro, weil der umfang- und störstoffreiche Aushub wohl kaum auf eine normale Erddeponie verfrachtet werden kann.

Wohin die Stadt das Material bringen darf, ist derzeit noch völlig unklar. Über den ordnungsgemäßen Entsorgungsweg kann erst entschieden werden, wenn die Beschaffenheit des Untergrunds mit weiteren Proben und Analysen hinreichend geklärt ist. Bis dahin wagt niemand im Technischen Rathaus eine Prognose, wie viel Geld die Stadt für die Entsorgung des Aushubs aufbringen muss.

Über das weitere Vorgehen soll nun der neue Gemeinderat in seiner ersten Sitzungsrunde nach den Sommerferien beraten. Vorher kann die Stadtverwaltung die notwendigen Arbeiten weder ausschreiben noch vergeben. Und das wiederum bedeutet: Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die vom Bolzplatz ausgesperrten Hobby-Kicker auf dem neuen Kleinspielfeld austoben können.


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