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Metropole mit hohem Risiko
„Wir werden von der Bevölkerung getragen“: Kommandant Thomas Schmitt vor der neuen Hauptwache der Mannheimer Feuerwehr. Foto: Wolfgang Risch
Sicherheit

Metropole mit hohem Risiko

Die Mannheimer Feuerwehr ist die zweitgrößte Deutschlands, mit dem Hafen und der BASF gibt es besondere Herausforderungen. Für die neue Hauptwache bezahlt die Stadt 50 Millionen Euro.

03.04.2017
  • WOLFGANG RISCH

Mannheim. Es war die einzige Feuerwache im Land mit ICE-Anbindung: Seit Mitte der 1970er lag die Mannheimer Hauptfeuerwache zentral direkt hinter dem Hauptbahnhof. Die Anforderungen an zeitgemäße Brandbekämpfung und Hilfeleistungen bei Bränden und anderen Notfällen konnte sie nicht mehr erfüllen. Einige hundert Meter weiter südöstlich entstand deshalb eine neue Hauptwache der Berufsfeuerwehr.

Der Umzug ging kürzlich „im laufenden Betrieb“ vonstatten, wie Kommandant Thomas Schmitt sagt. 50 000 Zuschauer säumten die Straßen, als mehr als 80 Fahrzeuge von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und den Rettungsdiensten mit eingeschaltetem Blaulicht den Umzug symbolisch vollzogen. „Das war der Wahnsinn“, sagt Schmit.

Vor zwei Jahren ist mit dem Bau begonnen worden, die offizielle Einweihung der Hauptwache war am vergangenen Freitag. Am Samstag folgte ein Besichtigungstag – für Schmitt eine logistische Herausforderung, auch unter dem Aspekt der Sicherheit der Besucher. Denn passieren könne immer etwas, wie er sagt. Aber wenn etwas passiert, sei man auch vom neuen Standort aus schnell: „In zehn Minuten wollen wir da sein, neun Minuten Fahrzeit, eine Minute, um die Ausrüstung zu richten“, sagt Schmitt.

Etwas passiert ist denn auch prompt während der Blaulicht-Parade durch die Innenstadt. Ein Löschfahrzeug scherte mit eingeschaltetem Martinshorn aus dem Konvoi aus: In der Mannheimer Porsche-Niederlassung hatte ein Auto Feuer gefangen, „der Schaden war beträchtlich“, sagt Schmitt. Für den Feuerwehrkommandanten keine untypische, alltägliche Situation. „Wir wissen nie, was auf uns zukommt.“

Doch der Chef von fast 300 Berufsfeuerwehrleuten und etwa gleich vielen Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr sieht sich für alle Eventualitäten gerüstet. Zwei weitere Wachen hat die Berufsfeuerwehr, eine im Norden, eine im Süden der Stadt, dazu kommen fünf Gerätehäuser der freiwilligen Abteilungen.

Es brennt öfter als anderswo

Fest steht, dass es in Mannheim im Vergleich mit anderen Städten überdurchschnittlich oft brennt. Eine schlüssige Erklärung dafür gebe es nicht, sagt Schmitt. Aber das Rathaus wisse um die Notwendigkeit einer effektiven Wehr und stelle dementsprechend Mittel bereit, nicht nur die 50 Millionen Euro für die neue Hauptwache. Dies ist die höchste Summe, die Mannheim je für eine der Sicherheit dienende Einrichtung ausgegeben hat. „Die Stadt hat in die Gefahrenabwehr investiert, von den Werkstätten bis zu den Stabsräumen“, sagt Schmitt. Er verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass er der zweitgrößten Feuerwehr Deutschlands vorstehe, nach Hamburg und auf einer Stufe mit Köln.

Vor der Haustür liege aber auch der zweitgrößte Rangierbahnhof Deutschlands, im Gefahrgut-Aufkommen werde Maschen bei Hamburg möglicherweise noch übertroffen. Und wenige Kilometer westlich erstreckt sich entlang von Rhein und Neckar der zweitgrößte deutsche Binnenhafen. „Nimmt man Ludwigshafen dazu, ist es der größte Europas“, sagt Thomas Schmitt. Erst Mitte Oktober war es bei der BASF in Ludwigshafen zu einem Brand und einer gewaltigen Explosion gekommen, die zwei Menschenleben forderte. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat die Mannheimer Feuerwehr eine noch größere Katastrophe verhindert, weil ihr Feuerlöschboot ein im Ludwigshafener Nordhafen vertäutes Tankschiff mit Wasser kühlte.

Streit um Leitstelle

Schmitt hatte deshalb hinsichtlich einer geplanten gemeinsamen Rettungsleitstelle für Mannheim, Heidelberg und den Rhein-Neckar-Kreis für seine Hauptwache und gegen Heidelberg plädiert. Auch ein Gutachten sprach sich dafür aus. Zudem hat sich Bürgermeister Christian Specht (CDU) für Mannheim stark gemacht, erst kürzlich beim Rundgang durch die neue Wache.

Nun ist die Entscheidung gefallen. Es wird zwei Integrierte Leitstellen geben, eine für Heidelberg und den Rhein-Neckar-Kreis, eine für die Stadt Mannheim. Darauf haben sich einer gemeinsamen Mitteilung zufolge Landrat Stefan Dallinger und die Oberbürgermeister Peter Kurz (Mannheim) und Eckart Würzner (Heidelberg) geeinigt. Man habe sich mit dem Innenministerium „auf ein Vorgehen zur Umsetzung einer neuen Leitstellenstruktur in der Region verständigt“.

Würzner bedauert diese Entwicklung, Kurz hält sie für richtig. „Mit der Einrichtung zweier Leitstellen wird Rechnung getragen, dass der Rettungsdienstbereich Mannheim, Heidelberg, Rhein-Neckar mit über einer Million Einwohnern der größte in Baden-Württemberg ist“. Andererseits gebe es in Mannheim „die höchste Dichte an so genannten Störfall-Betrieben“. Auch Kurz verweist auf den Rangierbahnhof und den Hafen. Es wird damit gerechnet, dass die beiden Leitstellen zum Jahresende ihre Arbeit aufnehmen können.

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03.04.2017, 06:00 Uhr

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