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„Ich finde Veganer gut“

Metzger Karl-Heinz Grießhaber über Tierethik und die Grünen

Der Öschinger Bio-Unternehmer Karl-Heinz Grießhaber ist jüngst zum besten Metzger Baden-Württembergs gekürt worden. Der Ruhm, sagt er, hat auch seine Schattenseiten: Plötzlich zeigt sich der bittere Unterschied zwischen Masse und Klasse.

06.12.2014
  • Interview: Eike Freese

TAGBLATT: Herr Grießhaber, Sie sind Grüner und gleichzeitig Metzger. Wie einsam fühlt man sich als Metzger bei den Grünen?

Karl-Heinz Grießhaber: Ich sag Ihnen mal was. Zu mir kam mal eine Kundin und sagte: „Jetzt, Herr Grießhaber, mit dem Veggie-Tag – da müssen Sie doch endlich sagen, dass Sie mit den Grünen nichts anfangen können!“ Da habe ich gesagt: „Frau Steinhilber, ich gebe Ihnen sofort recht – ich wäre nämlich für zwei Veggie-Tage in der Woche!“

Interessant, dass Sie das sagen. So als Metzger.

Wir müssen so handeln, wie es für die Menschen am Besten ist. Wir müssen weg von der Massentierhaltung. Es ist ganz logisch, sich zu fragen: Wie kann ich zwei, dreimal in der Woche vegetarisch essen? Das Problem ist, dass viele Leute gleich zwei, dreimal am Tag Fleisch essen.

Die vielen Fleischfreunde weltweit wird man derzeit nicht satt bekommen ohne tierunwürdige Produktionsmethoden.

Leider, deshalb muss sich der Mensch noch mehr umstellen. Da zeigt auch die Reaktion auf unsere Auszeichnung.

Wie das? Der „Beste Metzger im Land“ muss Sie doch freuen!

Durch die neue Popularität kommen ungeheuer viele Leute zu uns, die das Konsumdenken gewohnt sind. Manche von denen sagen mir: Ich möchte jetzt einen Rostbraten von Ihnen! Dann sage ich zu denen: Tut mir leid – den haben wir erst in drei Tagen. Oder in drei Wochen.

Sie haben nicht immer alles im Angebot?

Nein, das geht auch gar nicht. Wir schlachten ja alles selber – und ich will nie ein ganzes Tier schlachten nur wegen des Rostbratens. Wir haben in den vergangenen fünfzehn Jahren zudem keine einzige tote Sau mehr gehabt, bevor wir sie geschlachtet haben. Mir hat mal ein Bauer gesagt: „Du gehst mit den Tieren um wie mit Menschen.“ Wir möchten auch lieb sein zu Tieren.

Einem eingefleischten Veganer würde „lieb sein“ nicht reichen.

Ich rede demnächst in Bad Boll bei einem Kongress. Da lautet das Thema wohl ungefähr „Veganer -das müssen ganz böse Leut sein“. Ich persönlich aber finde Veganer gut.

Veganer auch noch!

Ja, weil sich die Leute Gedanken machen um Ernährung – und sich ein Grundwissen aneignen. Man muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass man zwar vegan essen kann – aber nicht vegan leben. Der Mensch zerstört Tiere - egal ob mit seinem Auto, mit dem Getreideanbau oder in anderen Teilen des Wirtschaftskreislaufs.

Stößt die Sympathie denn auf Gegenliebe bei den derzeitigen Trends? Vor 50 Jahren war der Metzger ja der Dorfkönig, der die Festtagsbraten gemacht hat. Heute hat er für viele einfach den blutigsten Job der Stadt.

Ach, das war doch schon zu meiner Lehrzeit so. Vor 100 Jahren war der Metzger noch der, der beim Dorf-Umzug ganz vorne laufen durfte. Nach dem Krieg aber hat man um jeden Preis soviel man konnte aus den Böden und Tieren herausgeholt. Mit Düngemitteln etwa, die aus Kampfstoffen hergestellt wurden. Danach hat man in Deutschland vergessen, dieses preis- und mengeorientierte Denken wieder zu ändern. Darunter leidet auch das Image der Metzger heute.

André Grießhaber, wie ist das als junger Mann? Erzählen Sie auf Partys noch gerne: „Übrigens, ich bin Metzger“?

André Grießhaber: Naja, hier in Öschingen ist ja ländlicher Raum - da ist es nicht so schlimm. Die Leute hier wissen ja alle, dass es jemanden geben muss, der das Schnitzel macht, das sie da gerade essen. Ich denke aber, in Stuttgart hat man da vielleicht größere Probleme. Ich sage dann: Wenn ich eine Salami esse, muss mir klar sein, dass es einen Menschen geben muss, der ein Tier dafür schlachtet. Ich muss aber dazu immer fragen: In welchem Maße muss das alles sein?

Karl-Heinz Grießhaber: Schlachten ist ein wichtiger Bestandteil unseres Jobs. Es hört sich blöd an, aber für mich persönlich ist es auch eine schöne Arbeit. Da zeigt sich nämlich wirklich, wie Du mit dem Tier umgehst. Wie das Tier stirbt, ist ganz wichtig.

Metzger Karl-Heinz Grießhaber über Tierethik und die Grünen
Eine Salami muss drei Monate hängen, da beißt die Maus keinen Faden ab: André (links) und Karl-Heinz Grießhaber sind Baden-Württembergs beste Metzger – und das mit einer Philosophie, die dem maximalen Profit abgeschworen hat. Bild: Franke

Eine postalisch eingesandte Leberwurst machte den Anfang, ein verdeckter Einkäufer stand am Ende des Verfahrens: Die Öschinger Metzgerei Grießhaber wurde vom Fachmagazin „Feinschmecker“ zu „Baden-Württembergs bester Metzgerei“ gekürt. Lobpreis von Mössingens Wirtschaftsförderer Claudius Mähler und Alexander Bonde, Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucher, folgte auf dem Fuße. Inzwischen häufen sich in Öschingens Hauptstraße die Anfragen von Medien und damit auch von Kunden. „Das bringt uns an unsere Grenzen“, sagt Karl-Heinz Grießhaber: Sein Betrieb ist auf Qualität und Ethik, jedoch nicht auf Massenproduktion ausgelegt.

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06.12.2014, 12:00 Uhr

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