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Mieten ziehen um sechs Prozent an
Wegen der hohen Nachfrage sind Wohnungen in Stuttgart leicht zu vermieten, auch solche in schlechterem Zustand. Foto: Ferdinando Iannone
Preisspiegel

Mieten ziehen um sechs Prozent an

Nach der neuesten Untersuchung ist Wohnen in Stuttgart noch einmal teurer geworden. Um den Markt zu entlasten, soll wieder verstärkt im Grünen gebaut werden.

17.12.2016
  • UWE ROTH

Bürgermeister Martin Schairer hat am Freitag den Mietspiegel für 2017 und 2018 vorgestellt – mit einer guten und schlechten Nachricht: Die Mietsteigerung in den vergangenen beiden Jahren fiel in Stuttgart mit sechs Prozent ein wenig geringer aus als in den zwei Jahren davor (7,7 Prozent). Die gute Nachricht ist gleichzeitig die schlechte, denn laut neuestem Index ziehen die Mietpreise im Vergleich zum übrigen Land weiterhin ungebremst überdurchschnittlich an.

Der Mietspiegel ist eine Bestandsaufnahme der zuletzt verlangten Mieten und gilt als Orientierung für die kommenden zwei Jahre. Demnach lag der Mietpreissprung in guten Lagen und Neubauten im Schnitt sogar bei über 18 Prozent. Wobei Luxuswohnungen von der Statistik nicht erfasst werden. Der Bürgermeister spricht in der Analyse des neuen Mietspiegels von „einer Entkoppelung der Stuttgarter Mietpreise von der Entwicklung auf Landesebene“.

Nach der Auswertung von über 22 000 Fragebogen zur Mietpreissituation sind in der Landeshauptstadt sogar schlecht ausgestattete Altbauwohnungen in wenig attraktiver Lage kaum unter sechs Euro je Quadratmeter zu haben. 16,30 Euro zahlt hingegen der Mieter eines kleinen Appartements in einer bevorzugten Ecke der Stadt. Bei einer 40-Quadratmeter-Wohnung beträgt die Kaltmiete somit 652 Euro.

Fördermittel bleiben liegen

Auf die gesamte Stadt betrachtet liegt das mittlere Kaltmieten-Niveau gegenwärtig bei 8,95 Euro. Im Vergleich zu den Mieten renovierungsbedürftiger Altbauten von mindestens sechs Euro besteht laut Ulrich Wecker, Geschäftsführer des Stuttgarter Haus- und Grundbesitzervereins, für diese Vermieter wenig Anreiz, ihre Immobilie energetisch zu sanieren. „In Stuttgart kann man alles vermieten“, stellt Wecker fest und verweist auf das Energiesparprogramm der Stadt. Von den jährlich 2,5 Millionen Euro bereitgestellter Fördermittel bleibe regelmäßig eine Million übrig, weil sich für Vermieter eine Sanierung nicht rentiere.

Klaus Lang, Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins, wertet die jetzt festgestellte Mietpreissteigerung von sechs Prozent als „moderate Entwicklung“. Entgegen „aller Auguren“, die zweistellige Zuwachsraten vorausgesagt hätten, zeige sich nun, „dass es sich dabei um interessengeleitete Schwarzmalerei handelte“. Der neue Mietspiegel widerlege die häufig so bezeichnete Mitexplosion. Sein Geschäftsführer ergänzt: „Die Menschen kommen nach Stuttgart wegen gut bezahlter und zukunftssicherer Arbeitsplätze und bleiben nicht wegen vermeintlich hoher Mieten fern.“

Die Geschäftsführerin des Mietervereins Stuttgart und Umgebung, Angelika Brautmeier, beobachtet dagegen, immer mehr Menschen mit geringerem Einkommen würden aus Stuttgart verdrängt. Sie spricht von einer Mietpreisexplosion insbesondere bei Kleinwohnungen, die in der Regel einkommensschwache Einpersonenhaushalte treffe. Sie sagt: „Während die Lebenshaltungskosten ohne Mietpreise in den letzten beiden Jahren nur um ein Prozent gestiegen sind, hat sich das Wohnen zu Miete um das sechsfache verteuert.“

Schwer, Ingenieure zu locken

Seit 2007, so Brautmeier, sei die Durchschnittsmiete für eine Altbauwohnung um 50 Prozent angestiegen. Ein Mieter zahle folglich für eine 68 Quadratmeter große Dreizimmerwohnung über 215 Euro mehr. Das Nettoeinkommen sei dagegen nur um ein Viertel größer geworden. Rentner und Kleinverdiener müssten „oft mehr als die Hälfte ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben“.

Einig sind sich Mieterverein und Haus und Grund darin: In Stuttgart muss dringend neuer Wohnraum her. Und auch darin sind sie sich einig, dass die Stadt dafür zu wenig unternehme. Eine Nachverdichtung bestehender Wohngebiete werde angesichts der anhaltenden Nachfrage jedoch nicht ausreichen, sind beide Seiten überzeugt.

Deswegen dürfe eine Ausweisung von Neubaugebieten „in geringerem Umfang auf der grünen Wiese“ kein Tabu sein, sagt Brautmeier. Ihr Kollege von Haus und Grund sieht dies genauso, zumal es nach seiner Auffassung einen akuten Bedarf an Einzel- und Reihenhäusern gibt. Seine Begründung lautet, Autobauer Daimler habe es schwer, zusätzliche Ingenieure nach Stuttgart zu locken, wenn diesen keine ihrem Einkommen entsprechende Immobilie angeboten werden könne. Ulrich Wecker stellt aber ebenso fest: „Das Wohnungsproblem ist nicht für jeden zu lösen, der nach Stuttgart kommt.“

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17.12.2016, 06:00 Uhr

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