Migränewetter – kann Wetter wirklich Kopfschmerzen verursachen?

Etwa zwei Drittel aller Deutschen leiden zumindest hin und wieder unter Kopfschmerzen. Fast 18 Millionen dieser Menschen sind Migränepatienten. Damit gehört die Migräne zu den weit verbreiteten Volkskrankheiten und kostet die Volkswirtschaft rechnerisch rund 15 Milliarden Euro im Jahr (1). Als Auslöser eines Anfalls gibt es viele Migränetrigger. Aber kann auch das Wetter – wie viele Personen glauben – Kopfschmerzen verursachen?

22.09.2020

Migränetrigger – Auslöser für Kopfschmerzen

Für einige Attacken lässt sich kein Auslöser identifizieren. Oft stehen jedoch immer wieder dieselben Faktoren im Verdacht. Vor allem plötzlich einsetzender oder nachlassender Stress oder emotionale Ausbrüche gehören dazu. Bei einigen Menschen münden Überlastung in Beruf oder Privatleben und die daraus resultierende Erschöpfung in Kopfschmerzen. Auch Änderungen der täglichen Routine können ein Migränetrigger sein. Bei manchen Patienten führt das Auslassen einer Mahlzeit zur Migräneattacke, andere haben eher bestimmte Lebensmittel als Migräneauslöser. Vor allem bei Frauen ziehen auch hormonelle Veränderungen – etwa im Zyklusverlauf, während einer Schwangerschaft oder den Wechseljahren – Migräneattacken nach sich.

Was ist mit dem Wetter? Das taucht zumindest in den Top 10 der wissenschaftlich verdächtigten Migränetrigger nicht auf. Kann das Wetter also keine Kopfschmerzen verursachen? Fragt man Patienten, kommt oft eine klare Antwort: Es kann!

Gibt es das Migränewetter?

Häufig berichten Betroffene von Kopfschmerzen durch einen Wetterumschwung. Im Süden Deutschlands führen viele Menschen eine Migräne auf den Föhn zurück. Andere spüren die Attacke bei Gewittern, Kälte oder Regen förmlich kommen.

Die Statistik spricht allerdings dagegen. Studien konnten einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Wetterlagen und Migräneattacken nicht belegen. Die Auswertung von Migränetagebüchern erbrachte bei der Gegenüberstellung mit den jeweiligen Wetterdaten keine signifikanten Anstiege der Attacken (2).

Der Trigger ist hier vermutlich ein anderer, nämlich der Nocebo-Effekt, der negative Placebo-Effekt. Wer Migränewetter erwartet, bekommt auch wahrscheinlicher eine Attacke. Viele Wetterlagen sind als Migränetrigger also eher eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Migränewetter – mögliche Faktoren

Während konkrete Wetterphänomene wie Gewitter keinen Einfluss auf das Kopfschmerzgeschehen zu haben scheinen, erweisen sich bestimmte Faktoren sehr wohl als gute Kandidaten für ein Migränewetter. Die Kopfschmerzen durch einen Wetterumschwung, von denen mancher Patient berichtet, sind häufig die Folge veränderter Luftdruckverhältnisse, nämlich, wenn die Wetterlage von Tief- zu Hochdruck wechselt.

Auch der Föhn und starke Winde können zum Entstehen einer Migräneattacke beitragen. Ebenso bereitet ein Sprung der Temperaturen einigen Patienten im wahrsten Sinne des Wortes Kopfschmerzen.

Allerdings sind die Zusammenhänge hier sehr komplex. Es ist also nicht möglich, aus verschiedenen meteorologischen Phänomenen automatisch eine heranziehende Migräneattacke abzuleiten. Auch ist der Stand der Forschung hier noch nicht eindeutig, da weitere Faktoren wie Depressionen in Schlechtwetterphasen die Ergebnisse bisheriger Studien zum Migränewetter beeinflussen können.

Subjektives Migränewetter

Es ist also doch etwas dran am Wetter als Migränetrigger. So eindeutig, wie Patienten den Zusammenhang empfinden, ist er bisher wissenschaftlich jedoch noch nicht nachgewiesen. Für die Betroffenen ist der Einfluss des Wetters in ihrer subjektiven Wahrnehmung jedoch sehr real und sollte schon deshalb ernst genommen werden.

Da sich das Wetter selbst nicht beeinflussen lässt, können Patienten persönliche Strategien erarbeiten, wie sie mit ihrem Migränewetter umgehen.

Wer beispielsweise auf Hitze empfindlich reagiert, sollte immer ausreichend trinken und sich zu den heißesten Zeiten bevorzugt in kühleren Innenräumen aufhalten. Im besten Fall können Betroffene dem Wetter zumindest zeitweise entfliehen – nämlich mit einem Urlaub in kühleren Gefilden.

Patienten, denen eher starke Temperaturunterschiede zu schaffen machen, können den Körper gegen das Migränewetter trainieren. Kneippen und Wechselduschen sind hier eine gute Lösung. Bei starken Unterschieden zwischen Innen- und Außentemperatur hilft regelmäßiges Lüften, durch das ein Temperaturausgleich von drinnen und draußen stattfindet.

Da das Wetter auch einen Einfluss auf die Stimmung hat und einige Menschen sogar spürbar stresst, sind Strategien zur Entspannung und zum Stressabbau auch gegen Migränewetter sinnvoll. Ausreichend schlafen, Entspannungstechniken und kleine Rituale können so die Anzahl der Attacken reduzieren.

(1) Schmerzklinik Kiel GmbH & Co KG; AG Kiel HRA 3758: Migräne in Deutschland – Zahlen, Fakten, Schicksale. URL: https://schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/migraene-wissen/wer-leidet/ (16.09.2020).

(2) Zebenholzer, K. et al. (2010): Migraine and weather: A prospective diary-based analysis. In: Cephalalgia. Ausg. 31, Nr. 4, S. 391-400.

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Erstellt:
22. September 2020, 10:46 Uhr
Aktualisiert:
22. September 2020, 10:46 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. September 2020, 10:46 Uhr

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