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Migrantenkinder haben in der Schule das Nachsehen
Motiviert, aber in der Schule oft benachteiligt: Kinder von Migranten. Foto: Peter Steffen/dpa
Pisa-Studie

Migrantenkinder haben in der Schule das Nachsehen

Die soziale Herkunft und Sprachschwierigkeiten bremsen Kinder mit ausländischen Wurzeln oft aus. Politiker fordern ein durchlässigeres Bildungssystem.

20.03.2018
  • IGOR STEINLE

Berlin. Es ist eine Nachricht, die Sorgen bereiten muss in einem Einwanderungsland: Schüler mit ausländischen Wurzeln schneiden in Deutschland deutlich schlechter in der Schule ab als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Das ist das Ergebnis der Pisa-Schulstudie, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gestern veröffentlichte.

Knapp die Hälfte (43 Prozent) aller 15-Jährigen mit Migrationshintergrund in Deutschland verzeichnen nur sehr schwache Schulleistungen. Der Anteil ist fast zweieinhalb Mal so hoch wie bei Schülern ohne ausländische Wurzeln. Abgefragt wurden Disziplinen wie Naturwissenschaft, Lesen und Mathematik. Deutschland befindet sich nur knapp unter dem EU-Schnitt von 46 Prozent auf demselben Niveau wie Österreich, die Schweiz oder Belgien. Dagegen beträgt in Kanada der Anteil schulschwacher Kinder mit Migrationshintergrund lediglich 18 Prozent, in Irland als bestem europäischen Land 24 Prozent.

Ein Grund für die schlechten Resultate liegt in den schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, in denen Jugendliche mit Migrationshintergrund oft aufwachsen. Eine weitere Erklärung bieten Sprach-Schwierigkeiten. Mit knapp 80 Prozent spreche in Deutschland ein vergleichsweise hoher Anteil der Migranten erster Generation zuhause nicht Deutsch. Im OECD-Schnitt sind es 60 Prozent.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert deswegen, das Schulsystem stärker auf Mehrsprachigkeit einzustellen. „Sprachbildung und mehrsprachiges Lernen müssen von Beginn an ins Zentrum gerückt und systematisch in allen Bildungsbereichen verankert werden“, schlug die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe vor. Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag, Ernst Rossmann (SPD), schloss sich dieser Forderung an: „Das ist ein Weckruf, dass wir uns in deutschen Bildungseinrichtungen mehr um Menschen mit Migrationshintergrund bemühen müssen“, sagte er der SÜDWEST PRESSE.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Margit Stumpp, sprach von einem „Skandal“ und wertete die Studie als Beleg dafür, dass das deutsche Bildungssystem „sozial kaum durchlässig“ sei. Der Schulerfolg dürfe nicht von der sozialen Herkunft abhängig sein.

In Deutschland hat laut OECD mehr als ein Viertel der Schüler ausländische Wurzeln. Im OECD-Schnitt lag der Anteil bei den 15-Jährigen im Jahr 2015 mit 23 Prozent niedriger. In fast allen Ländern stieg laut der Untersuchung der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln in den vergangenen zehn Jahren deutlich an. Igor Steinle

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20.03.2018, 06:00 Uhr

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