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Prozess

Mildes Urteil für einen Brandstifter

Das Mosbacher Landgericht korrigiert die Anklage: Der Versuch des Mordes oder Totschlags ist nicht nachweisbar.

06.03.2018

Von HANS GEORG FRANK

Mosbach. In einem bewohnten Vereinsheim in Aglasterhausen (Neckar-Odenwald-Kreis) wollte sich ein Feuerwehrmann umbringen, indem er den Thekenraum mit einem Grillanzünder in Brand steckte. Als er doch weiter leben wollte, verließ er den Raum, löschte das Feuer jedoch nicht. Für neun Menschen in den oberen Etagen bestand Lebensgefahr. Jetzt hat das Landgericht Mosbach den 26-Jährigen wegen schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.

Zunächst war das Schwurgericht von der Anklage des versuchten Mordes abgewichen, dann sah es auch den vermuteten Totschlagsversuch nicht mehr als erwiesen an. Ausschlaggebend für die strafmildernde Einschätzung war eine Anmerkung des psychiatrischen Sachverständigen, der nicht ausschließen konnte, dass der Täter sich „wie in einem Tunnel“ befunden und daher die Anwesenheit der Bewohner „ausgeblendet“ habe. Ansonsten war er voll schuldfähig.

Die Staatsanwältin war bei dem Angeklagten von einem Tötungsvorsatz ausgegangen: „Er weiß, wie gefährlich Feuer ist.“ Sie forderte eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren. Ob sie das Urteil anfechten wird, will sie prüfen.

Der Angeklagte gehört seit seinem neunten Lebensjahr der Feuerwehr an, er ist Träger des Leistungsabzeichens in Gold. Beim Löschen des von ihm gelegten Feuers war er selber im Einsatz. Er wollte seinen Job als Klärwärter aufgeben und eine Stelle bei einer Berufsfeuerwehr finden. „Das war schon immer sein Traum“, sagte sein bester Kumpel vor Gericht. Einen besseren Freund könne er sich nicht vorstellen: „Extrem sozial und positiv.“ Der Psychiater bestätigte gerade wegen der Mitgliedschaft in der freiwilligen Feuerwehr „eine durchgehende soziale Einbindung“. Hans Georg Frank

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Erstellt:
6. März 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. März 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. März 2018, 06:00 Uhr

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