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Millionen her, Herr Ackermann!

Diese Krise sei die schlimmste seit 1945, erklärten die Ökonomen. Dass er in einen Abgrund geschaut habe, sagte der Finanzminister – und spendierte den Banken viele Milliarden Euro. Die Betriebe profitierten von Konjunktur-Kohle und Kurzarbeitergeld. Mittlerweile geht’s vielen Unternehmen wieder besser, der Export brummt regelrecht.

27.08.2010

Die deutsche Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 2,2 Prozent. Banken machen längst wieder Milliarden-Profite. In deren Chefetagen werden Boni verteilt, als sei gar nichts passiert. Deutsche-Bank-Chef Ackermann kann die Hand erneut zum „Victory“-Zeichen heben: Gewonnen!

Und die Verlierer? Müssen wohl noch eine ganze Weile darauf warten, dass es wieder aufwärts geht. Zum Beispiel die Stadt Tübingen. Auch wenn die Steuerprognosen aktuell etwas optimistischer sind: Die Schulden könnten bis 2013 von 22 auf 70 Millionen Euro wachsen – trotz aller Konsolidierungsbemühungen. Grundsteuer, Parkplatz- und Kita-Gebühren werden erhöht, demnächst wohl auch die Gewerbesteuer.

Zugleich legte die Verwaltung ein 6,6-Millionen-Sparpaket vor, das es in sich hat. Mancher Verein klagt nun über Grausamkeiten – doch am schlimmsten trifft es die Verwaltung selbst: 60 Jobs, das sind gut fünf Prozent aller städtischen Stellen, sollen gestrichen werden. Macht 2,4 Millionen Euro, die die Rathausspitze von 2013 an Jahr für Jahr aus dem Verwaltungshaushalt rausbrechen will.

Dabei mögen einzelne Sparvorschläge sogar Sinn machen – etwa die Zusammenlegung der zwei Telefonzentralen von Rathaus und Bürgeramt. Auch die neue Schließanlage samt Zugangs-Chips für Rathausbeschäftigte klingt vernünftig. Die Hausmeister müssen nun nicht mehr ganz frühmorgens auf- und abends abschließen. Das spart Arbeitszeit – und die Stelle eines Hausmeisters, der kürzlich in den Ruhestand ging. Doch mit solchen Ideen, das sagt auch OB Boris Palmer, hätte man allenfalls einige 100 000 Euro zusammengekratzt. Was umgekehrt heißt: In manchen Verwaltungsabteilungen wird es nun eng. Das Technische Rathaus etwa bräuchte schon heute mehr Mitarbeiter – doch dort sollen zwölf Jobs wegfallen.

Das alles ist unschön – für die zunehmend gestressten Beschäftigten genauso wie für die Bürger, die künftig sprichwörtlich in Warteschleifen hängen bleiben. Doch welche Alternativen hat die Stadt? Noch mehr Schulden machen und den Haushalt – unter Protest – vom Regierungspräsidium kassieren lassen? Keine gute Idee: Das RP würde wohl noch härter sparen. Dann doch lieber das eigene Sparpaket. Und bei Ackermann & Co anklopfen: Her mit den Millionen!

Volker Rekittke

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27.08.2010, 12:00 Uhr

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