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Millionenschwere Diven müssen nicht im Tresor liegen
Mit der Leihgabe der Stiftung Musikleben, einer über 300 Jahre alten Violine von Pietro Guarnerius: die Geigerin Mayumi Kanagawa. Foto: dpa
Geiger, die ein hervorragendes Instrument spielen wollen, sind auf Mäzene angewiesen

Millionenschwere Diven müssen nicht im Tresor liegen

Für eine Karriere sind Geiger auf Spitzeninstrumente angewiesen. Die wertvollen Stücke sind längst Spekulationsobjekte. Aber es gibt Abhilfe.

02.04.2016
  • NADA WEIGELT, DPA

Berlin. Eine Stradivari als Geldanlage? Immer mehr Investoren kaufen wertvolle Geigen, um vom seit langem sicheren Wertzuwachs der Streichinstrumente zu profitieren. "Das hat mit Musik eigentlich nichts mehr zu tun", sagt der britische Stargeiger und Neu-Berliner Daniel Hope (42). "Wie auf dem Kunstmarkt werden hier künstlich die Preise in die Höhe getrieben. "Zumindest für jüngere Leute ist es heute praktisch unmöglich, ohne Mäzen eine gute Geige in die Hand zu bekommen."

Das drastischste Beispiel für die Kostenexplosion: Vor fünf Jahren hat die 1721 gefertigte "Lady Blunt" des italienischen Baumeisters Antonio Stradivari auf einer Benefiz-Auktion den Rekordpreis von 11,6 Millionen Euro erzielt. 40 Jahre zuvor war sie schon einmal die teuerste Geige der Welt geworden - damals mit vergleichsweise lächerlichen 84 000 Pfund.

Unter Investoren und Spekulanten sind längst nicht mehr nur die alten italienischen Meister aus Cremona gefragt. Einen riesigen Wertzuwachs verzeichnen derzeit auch "halbmoderne" Geigen aus den 1930er und 1940er Jahren, sagt der Aachener Auktionator Georg Bongartz, ein Experte für Saiteninstrumente und der Vater des "Teufelsgeigers" David Garrett.

"In Zeiten, in denen man für sein Geld keine Zinsen bekommt, versuchen sich Anleger in Sachwerten abzusichern", sagt Bongartz. Viele der raren Geigen landen im Tresor, die Preise explodieren weiter. "Das sind Größenordnungen, bei denen Künstler kaum mitgehen können."

Die Deutsche Stiftung Musikleben in Hamburg hat sich auf Abhilfe spezialisiert. Sie verleiht seit 1993 wertvolle historische Instrumente an junge Spitzenmusiker. Mittlerweile hat sie rund 200 Instrumente im Bestand, viele aus Privatbesitz.

So hat die 21-jährige Berliner Studentin Mayumi Kanagawa sich beim Wettbewerb vor wenigen Wochen eine über 300 Jahre alte Violine des italienischen Baumeisters Pietro Guarnerius erspielt. "Sie hat einen wunderbar kräftigen und tiefen Klang, der auch in einem Konzertsaal trägt", sagt die in Frankfurt geborene und in den USA aufgewachsene Japanerin.

Selbst Spitzenmusiker können sich das eigene Trauminstrument kaum leisten. Anne-Sophie Mutter dürfte mit gleich zwei Stradivaris eine ziemliche Ausnahme sein. Auch Garrett spielt nach Angaben seines Managers Tobias Weigold-Wimmer klassische Konzerte mit der eigenen "Ex-Busch"-Stradivari von 1716.

Daniel Hope hält die Zusammenarbeit mit einem Mäzen für eine Win-Win-Situation. Eine namentlich nicht genannte Familie aus Deutschland hat für ihn die "Ex-Lipinski" (1742) von Guarneri del Gesù erworben. "Die Menschen, die mich ausgesucht haben, wollen natürlich auch eine Investition machen", sagt Hope. "Ich spiele sie jetzt seit vier, fünf Jahren und inzwischen ist sie sicherlich das Doppelte wert. Ich könnte mir so ein Instrument niemals leisten."

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02.04.2016, 06:00 Uhr

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