Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
IG Metall befürchtet Jobabbau bei Manz

Millionenverlust beim Reutlinger Maschinenbauunternehmen

Wegen drohender Millionenverluste kündigt die Manz AG ein „Restrukturierungsprogramm“ zur Kostensenkung an. Die IG Metall befürchtet Jobabbau und verteilt Flugblätter, in denen die Beschäftigten zur Gründung eines Betriebsrats aufgerufen werden. Kritische Fragen gibt es auch zur Rolle von Dieter Manz bei der letzten Kapitalerhöhung.

10.11.2015
  • Volker Rekittke

Reutlingen. Noch im Frühjahr lief’s scheinbar rund beim Maschinenbauer Manz. Als der Aktienkurs am 29. April bei 85 Euro lag, verkündete das Unternehmen eine Kapitalerhöhung. Die halbe Million neuer Aktien brachten der Manz AG 42 Millionen Euro ein. Zugleich verkaufte Hauptaktionär und Vorstandsvorsitzender Dieter Manz 100 000 Aktien aus seinem Depot – und war auf einen Schlag um 8,5 Millionen Euro reicher.

Doch schon bald darauf gab es erste Hiobsbotschaften. Auch wegen der „konjunkturellen Abkühlung in China“ seien Aufträge für Maschinen – vor allem zur Batterie- und Display-Produktion – storniert oder verschoben worden, hieß es. Von Januar bis Ende September lag der Umsatz mit 169 Millionen deutlich unter dem Vorjahreswert von 251 Millionen Euro. Das Unternehmen meldete bislang einen Verlust von über 30 Millionen Euro. Ende Oktober veröffentlichte die Manz AG eine Gewinnwarnung – die zweite innerhalb von vier Monaten (wir berichteten). Der Aktienkurs brach ein, gestern lag er nur noch bei knapp 39 Euro.

Mittlerweile leitete auch die Finanzaufsicht Bafin eine Untersuchung ein – laut Manz-Sprecher Axel Bartmann sei das ein „Standard-Vorgehen“, wenn es zu solchen Kurs-Kapriolen komme wie bei seinem Unternehmen.

Auftragsstornierungen und -verschiebungen in einem Gesamtvolumen von rund 140 Millionen Euro: Bei der Kapitalerhöhung Ende April habe man diese Entwicklung noch nicht absehen können, beteuert Bartmann. „Wir haben keine Traumschlösser gebaut, sondern mit konkreten Projekten geplant.“

Und nun? „Wir haben ein Restrukturierungsprogramm eingeleitet“, sagt der Manz-Sprecher. Sollen Jobs wegfallen, drohen Kündigungen? Dazu will Bartmann sich nicht äußern. Die konkreten Auswirkungen auf Betriebsabläufe und Belegschaft sollen erst am 10. Dezember vorgestellt werden. Klar ist bereits: 2016 will man wieder die Gewinnschwelle erreichen. Bis dahin müssten die Kosten gesenkt werden. Das dafür notwendige Sparprogramm werde jedenfalls „höchste Anforderungen an alle Beteiligten im Unternehmen stellen“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

„Nach unserer Erfahrung kosten solche Restrukturierungsprogramme oft Arbeitsplätze“, sagt Ralf Jaster, Gewerkschaftsekretär bei der IG Metall Reutlingen-Tübingen. Bei Manz würde es die Beschäftigten in diesem Fall „besonders hart“ treffen, so Jaster – weil es keinen Betriebsrat gebe, der mit dem Vorstand zum Beispiel über einen Sozialplan verhandeln und „Druck machen“ könne: „Die Mitarbeitervertretung bei Manz hat keine rechtlichen Befugnisse und ist völlig von der Gnade des Arbeitgebers abhängig.“

Die Manz-Beschäftigten könnten sich nun an die IG Metall wenden, so Jaster. Der Gewerkschaftsekretär ist überzeugt: „Spätestens jetzt ist die Zeit gekommen, einen richtigen Betriebsrat zu wählen.“ Bisher habe das Unternehmen die Gründung dieses Gremiums stets erfolgreich verhindert und so den Beschäftigten „grundlegende Arbeitnehmerrechte verwehrt“ – etwa jenes, fundierte Informationen über die wirtschaftliche Lage der Firma zu bekommen.

„Der Vorstand ist in regem Austausch mit der Mitarbeitervertretung“, sagt Axel Bartmann auf Nachfrage. Deren Sprecher ist Siegbert Schmid. Dem TAGBLATT gegenüber will er sich weder zu den Aktivitäten der IG Metall noch zu möglichen Entlassungen äußern. Nur soviel: „Wir haben bisher immer unsere Anliegen in Richtung Vorstand vertreten können.“

Millionenverlust beim Reutlinger Maschinenbauunternehmen
Dieter Manz

Die 1987 von Dieter Manz gegründete und seit 2006 in Deutschland börsennotierte Firmengruppe entwickelt und produziert in Deutschland, der Slowakei, Ungarn, Italien, China und Taiwan. Das Stammwerk steht im gemeinsamen Reutlinger-Kirchentellinsfurter Gewerbegebiet Mahden. Im Tübinger Produktionswerk im Gewerbegebiet Neckaraue wird Produktionsequipment für Lithium-Ionen-Batteriezellen und -Batteriesysteme hergestellt.

Die Manz AG beschäftigte Ende September 2015 2050 Mitarbeiter/innen, davon 900 in Asien und 700 an den deutschen Standorten. Im Tübinger Werk sind aktuell rund
70 Mitarbeiter beschäftigt.
Ein Jahr zuvor, Mitte 2014, arbeiteten beim Maschinenbauer Manz weltweit 1917 Beschäftigte, davon 616 in Deutschland.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.11.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball