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Des Ministers Magerwiesen

Minister Bonde informierte sich über das Natura-2000-Gebiet

Am Rappenberg bei Dettingen informierten sich der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Alexander Bonde und die Landtagsabgeordneten Daniel Lede Abal (Grüne) und Rita Haller-Haid (SPD) am Montag darüber, wie Magerwiesen erhalten werden.

31.07.2012
  • Martin Zimmermann

Dettingen. „Früher lagen wir mit dem Landratsamt wegen der Beweidung des Rappenbergs im Clinch, inzwischen haben wir beide dazugelernt“, erzählt Claudia Weimer gestern Morgen bei einem Spaziergang im Natura-2000-Gebiet im Mittleren Rammert. Die Landwirtin lässt die wertvollen Magerwiesen von ihren Isländerpferden beweiden. Früher war dazu eine Ausnahmegenehmigung notwendig. Doch der Biologe Stephan Biebinger findet in der Weidewiese auf Anhieb Hornklee, Pimpernelle und Wiesenflockenblume, die sogenannte Zählarten. Werden mehr als sechs von diesen Arten in einer Wiese gefunden, so zählt sie zur höchsten Kategorie A.

Eine Diplomarbeit an der Forsthochschule Rottenburg habe bewiesen, dass die Beweidung mit wenigen Pferden auf großer Fläche keinen negativen Einfluss auf das Vorkommen geschützter Wildorchideen habe, sagt Weimer. Die schonende Bewirtschaftung bringe auch wirtschaftliche Vorteile: „Das Heu mit den Wildkräutern wird von Pferdebesitzern geschätzt, weil sie damit geringere Tierarztkosten haben.“

Landrat Joachim Walter hob hervor, dass man die Menschen sowohl für die Landschaft als auch für die Landwirtschaft begeistern müsse. Spötter würden behaupten, die hohe Dichte an Natura-2000-Gebieten im Landkreis Tübingen hinge mit der hohen Biologendichte zusammen.

Minister Bonde sagte, die Region habe eine besondere Verantwortung für die Artenvielfalt. Die Landesregierung habe die Landschaftserhaltungsverbände mit mehr Personal ausgestattet. „Es hilft nichts, wenn wir sonntags über Artenschutz reden und werktags nichts dafür tun.“ Rottenburgs Erster Bürgermeister Volker Derbogen betonte hingegen, dass die Stadt bei der Ausweisung weiterer Schutzgebiete an ihre Grenzen komme. Beim Bau von Radwegen und Hochwasserschutzdämmen habe sich dies gezeigt. „Der Bevölkerung fehlt das Verständnis dafür, wenn man sich nur noch um das Flachland kümmert und nicht mehr um die Menschen.“

Jürgen Jebram vom Regierungspräsidium schwärmte vom Natura-2000-Gebiet Mittlerer Rammert: „Gerade habe ich sieben Greifvögel, darunter mehrere Rotmilane, aufsteigen sehen.“ Bei Rangendingen habe man mehrere säugende Weibchen der seltenen Mopsfledermaus gesichtet. Auch gebe es 46 Reviere des Halsbandschnäppers in Wald und Streuobstwiesen. „Wir baden hier förmlich in verschiedenen Lebensraumtypen.“ Es gebe im Mittleren Rammert sowohl Wald als Lebensraum des Hirschkäfers als auch Glatthafer-, Kalkmager- und Salbei-Glatthafer-Wiesen.

Für einen Managementplan wurden diese Wiesen kartiert. Mit den Besitzern der Wiesen innerhalb des Natura-2000-Gebiets werden Verträge abgeschlossen. Die Besitzer verpflichten sich frühestens zur Blüte der bestandsbildenden Gräser zu mähen und nur bis zu einer bestimmten Höchstmenge zu düngen. Dafür erhalten sie Ausgleichszahlungen. Diese betragen 150 Euro pro Hektar Grünland. Wird ein Balkenmäher (sogenannter Messerbalkenschnitt) statt eines Kreiselmähers benutzt, gibt es weitere 50 Euro pro Hektar. Jebram: „Weil die Arten dabei bessere Überlebenschancen haben und nicht alles kleingehäckselt wird.“

Info Beratung zur naturnahen Bewirtschaftung von Wiesen und den Förderkriterien gibt Kreisökologin Marion Zobel, 0 70 71/2 07 40 24.

Minister Bonde informierte sich über das Natura-2000-Gebiet
Stephan Biebinger zeigt sogenannte Zählarten unter den Wiesenkräutern, links hinter ihm steht Jürgen Jebram. Interessiert lauschen (Mitte von rechts) Bürgermeister Volker Derbogen, Landrat Joachim Walter, Bürgermeister Thomas Weigel, Landwirtschaftsminister Alexander Bonde, Landtagsabgeordneter Daniel Lede Abal, Rita Haller Haid und Dietmar Enkel vom Regierungspräsidium. Bild: Sommer

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31.07.2012, 12:00 Uhr

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