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Fahrtraining bringt Sicherheit

Minister Hermann setzt bei älteren Fahrern auf freiwillige Tests

Winfried Hermann und die Landesregierung werben für ein freiwilliges Fahrsicherheitstraining für ältere Autofahrer. Denn die Unfallzahlen mit Personen im Rentenalter geben Anlass zur Sorge.

17.11.2015
  • ANDREAS BÖHME

Stuttgart Der 63-Jährige schlägt sich wacker: Den Sehtest besteht er mit Bravour - die Gleitsichtbrille mit den großen Gläsern ist auch noch recht neu. Schwieriger wird es im Fahrsimulator: Immer wieder würgt er den Motor ab, schleicht dann mit Tempo 40 im dritten Gang über nahezu leere Stadtstraßen, bremst vor Kindern sowie überraschenden Hindernissen.

Im täglichen Leben sitzt unser Beinahe-Senior nur selten selbst hinterm Steuer, weil er im Hauptberuf Verkehrsminister ist. Deshalb lässt er sich meist chauffieren. Aber Winfried Hermann (Grüne) zählt zur Zielgruppe einer Kampagne, die alte Menschen möglichst lange mobil halten will. Und das - das sieht auch ein bekennender Radler wie Hermann ein - bedeutet eben meist die Fahrt mit einem eigenen Auto.

Lange sind Rentner nicht aufgefallen in der Verkehrsunfallstatistik, mittlerweile aber sind die Zahlen alarmierend - und steigend: Jeder dritte Verkehrstote im vergangenen Jahr war im Rentenalter, bei Radfahrern beträgt der Anteil gar zwei Drittel. 75 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle, an denen Menschen über 65 beteiligt waren, wurden von diesen selbst verursacht.

Nun fahren alte Verkehrsteilnehmer meist eher langsam, teils übervorsichtig. Sie bringen Erfahrung mit, aber Seh- und Hörvermögen lassen nach, die Beweglichkeit ist eingeschränkt. "Die Hauptunfallursachen dieser Altersgruppe sind komplexe Verkehrssituationen an Kreuzungen und Einmündungen oder Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren", heißt es im Ministerium.

Schon im Juli 2013 hatte die Koalition ein 90 Punkte umfassendes Verkehrssicherheitskonzept entwickelt mit dem Ziel, die Zahl der Verkehrstoten bis Ende des Jahrzehnts um 40 Prozent zu reduzieren. Ein Baustein ist die 250 000 Euro teure Kampagne "länger mobil".

Sie wirbt um freiwillige Sicherheitstrainings und Fitness-Checks - denn mit Zwang gehe gar nichts, sagt Hermann. Eine verpflichtende Gesundheitsprüfung gibt es beim Lastwagenführerschein bereits ab dem 50. Lebensjahr, sie muss dann alle fünf Jahre wiederholt werden.

Autoclubs und Fahrschulen bieten Nachschulungen in Theorie und Praxis. Weil der Fahrsimulator wirklich nur für absolute Anfänger taugt, wird häufig das eigene Auto auf den Lieblingsstrecken der Teilnehmer eingesetzt und die Fahrt samt Fehler hinterher analysiert. Roland Sing, Chef des Landesseniorenrats, regt zudem vertiefte Einweisungen beim Autokauf an.

Denn die Hälfte der über 60-Jährigen sind sogenannte Non-Liner, haben keine Erfahrung mit Computern und Schnittstellen, wie sie in neuen Autos verbreitet sind. Viele Fahrer wissen also gar nicht, welche Fähigkeiten die zahlreichen Assistenzsysteme ihres Autos bieten.

Ob es indes langfristig bei der Freiwilligkeit bleibt, ist trotz der schwierigen politischen Durchsetzbarkeit von verpflichtenden Untersuchungen oder Nachschulungen so sicher nicht. Hermann: "Die Politik wird sich nicht mehr lange drücken können."

Minister Hermann setzt bei älteren Fahrern auf freiwillige Tests
Autofahren im Alter: Die Unfallzahlen steigen an. Foto: dpa

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17.11.2015, 12:00 Uhr

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