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Zur Person · Antoni Macierewicz

Minister für Skandale

Heute wird Antoni Macierewicz zum Verteidigungsminister Polens gewählt. Schon mehrfach hat er den jeweiligen Regierungen Probleme bereitet.

12.11.2015
  • DIETRICH SCHRÖDER

Dass Antoni Macierewicz noch einmal ein herausragendes politisches Amt bekleiden würde, hätten viele Polen nicht für möglich gehalten. Der 67-Jährige, der sich als Student als Untergrund-Kämpfer gegen den Kommunismus hervortat, steht im Ruf, sowohl ein gesteigertes Sendungsbewusstsein zu haben als auch für Verschwörungstheorien empfänglich zu sein. Gleich mehreren Regierungen bereitete er damit große Probleme.

Als Innenminister präsentierte er dem Parlament am 4. Juni 1992 eine Liste mit 64 Namen damaliger Abgeordneter, Minister und Staatssekretäre, die für den kommunistischen Geheimdienst gearbeitet haben sollen. Weil kein Geringerer als Staatspräsident Lech Walesa ebenfalls auf der Liste stand, musste die Regierung abdanken. Für den zweiten Skandal sorgte Macierewicz, als er 2006 als Vize-Verteidigungsminister für die Überprüfung des militärischen Geheimdienstes WSI zuständig war, diesen aber kurzerhand auflöste. Der Nachfolgeorganisation, an deren Spitze sich Macierewicz selbst stellte, wurde vorgeworfen, unfähig zu sein. Ein weiterer Affront war, als Macierewicz 2006 behauptete, die meisten polnischen Außenminister seit 1990 seien "Agenten Moskaus" gewesen.

Macierewicz soll heute zum Verteidigungsminister gewählt werden. Immerhin ist er einer der Stellvertreter des Parteivorsitzenden Jaroslaw Kaczynski. Dessen besonderes Vertrauen hatte er sich erworben, als er nach dem Flugzeugabsturz bei Smolensk im April 2010 - bei dem auch der damalige Staatspräsident Lech Kaczynski ums Leben kam - eine unabhängige Untersuchungskommission ins Leben rief. Diese gelangte mit Hilfe fragwürdiger Theorien zu dem Schluss, der Absturz sei ein von Russland verübtes Attentat gewesen.

Minister für Skandale
Brachte mehr als eine polnische Regierung in Verlegenheit: Antoni Macierewicz. Foto: afp

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12.11.2015, 12:00 Uhr

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