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Studieren die Falschen Medizin?

Ministerinnen Altpeter und Bauer uneinig über Zulassungsregelungen

Das Problem verschärft sich: Im ländlichen Raum fehlen Ärzte. Sozialministerin Altpeter will deshalb den Numerus clausus fürs Medizinstudium geändert sehen. Wissenschaftsministerin Bauer lehnt jedoch ab.

13.11.2015
  • BETTINA WIESELMANN

Stuttgart In Deutschland gibt es mehr als viermal so viele Bewerber für ein Medizinstudium wie Plätze an den Universitäten. Gleichzeitig wird der wachsende Ärztemangel auf dem Land beklagt. Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD), die seit Jahren mit diesem Problem befasst ist, sieht in den Regelungen für die Zulassungsbeschränkung (Numerus clausus) eine Stellschraube, da diese "ohne Not" dazu beitrügen, "den Mangel zu produzieren."

Altpeter will, dass weniger die Abitursnote und deutlich mehr das soziale Engagement und freiwillige Dienste im Medizinbereich bei der Bewerberauswahl zu Buche schlagen. Das könne dazu führen, dass am Ende mehr Ärzte bereit wären, auch auf dem Land zu arbeiten.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) dagegen will die Kritik so nicht stehen lassen. Die Unterstellung, dass nur Einser-Abiturienten die Chance hätten, schnell ihr Medizinstudium aufzunehmen sei falsch. Das gesetzliche Zulassungsverfahren in Baden-Württemberg sehe vor, dass 20 Prozent der Plätze an die Abitursbesten gehen, ein weiteres Fünftel steht für Bewerber von der Warteliste zur Verfügung und die restlichen 60 Prozent der Plätze werden aufgrund des Auswahlverfahrens der jeweiligen Universität vergeben.

So würden an allen fünf Medizinischen Hochschulen im Land (Freiburg, Heidelberg, Heidelberg/Mannheim, Tübingen und Ulm) neben der Durchschnittsnote der Mediziner-Test, die Berufsausbildung und die persönliche Eignung in die Auswahlentscheidung einfließen. Dabei werden unter anderem einschlägige Freiwilligendienste, Praktika, Preise bei "Jugend forscht" und anderes berücksichtigt.

"Wir gehören im Bundesvergleich zu den Innovativsten", sagte Bauer. An den meisten Medizin-Fakultäten in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel zählt nur die Durchschnittsnote. Auf den "Kriterien-Mix" der baden-württembergischen Unis sei deshalb auch zurückzuführen, dass im Wintersemester 2014/15 etwa an der Universität Heidelberg mindestens ein Bewerber mit der Durchschnittsnote 2,7 zugelassen wurde, in Heidelberg/Mannheim mit 2,6, in Freiburg mit 2,1 und in Tübingen und Ulm mit 2,0. Bauer ist überzeugt, dass die Facharztausbildung zum Allgemeinarzt in Lehre und Forschung einen größeren Stellenwert bekommen muss: "Wir wollen das deutlich aufwerten." Hinzukommen müssten attraktivere Rahmenbedingungen für die Praxis auf dem Land. Zusätzliche Studienplätze (200 000 Euro kostet die Ausbildung eines Arztes) seien nicht nötig, wenn weniger Ärzte ins Ausland oder die Industrie abwanderten.

Altpeter wiederum hat inzwischen viele Briefe wie den der Eltern von Fabian Lorenz aus Schorndorf bekommen: Abi-Note 1,9, danach ein Jahr Bundesfreiwilligendienst im Klinikum Stuttgart. Im hervorragenden Zeugnis bescheinigt der Ärztliche Direktor für Gefäßchirurgie, Prof. Dr. Thomas Hupp, dem "hoch engagierten jungen Mann, fast wie ein wissenschaftlicher Assistent" gearbeitet zu haben. Mit deprimierenden Folgen: Lorenz, der sich "sofort verpflichten würde, später als Hausarzt tätig zu sein", bekam von den Unis nur Absagen und hat es auf den Wartelisten nur auf Platz 2500 bis 3500 geschafft, was umgerechnet derzeit 14 Semester Warten heiße.

Ministerinnen Altpeter und Bauer uneinig über Zulassungsregelungen
Anatomievorlesung für Medizinstudenten. Nach dem Studium sind Landarztstellen nicht attraktiv. Die Politik will das ändern. Aber wie? Foto: dpa

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13.11.2015, 12:00 Uhr

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