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Warum Winfried Kretschmann nicht zum Bürgerwach-Jubiläum kam

Ministerpräsident hatte am Sonntag frei

Das Bürgerwehr-Landestreffen am Sonntag fand ohne Landesvater statt. „Das verdrießt uns etwas“, heißt es bei der Rottenburger Bürgerwache. Kommandant Rudi Ulmer gibt allerdings zu, dass die Art der Einladung an den Ministerpräsidenten etwas ungeschickt war.

22.07.2014
  • Michael Hahn

Rottenburg. Kurt-Georg Kiesinger, Lothar Späth, Günther Oettinger. Die Rottenburger Bürgerwache hat zu ihren Festtagen schon manchen baden-württembergischen Ministerpräsidenten begrüßen dürfen. Zu ihrem 600er-Jubiläum im Jahr 1914 kam sogar der württembergische König Wilhelm II, sagte Alexander Götz, der Pressewart der Bürgerwache neulich. „Winfried Kretschmann ist seit 100 Jahren der einzige, der durch Abwesenheit glänzt.“

Als wir daraufhin in der vergangenen Woche in der Stuttgarer Staatskanzlei nachfragten, erhielten wir eine erstaunliche Antwort: Die Einladung zu Jubiläumsfest und Landestreffen am vergangenen Sonntag sei erst Mitte Juni in Stuttgart eingegangen – zu spät für den Terminplan des Ministerpräsidenten. Doch das war auch nur die halbe Wahrheit.

„Es ist doch klar, dass man den Ministerpräsidenten nicht erst vier Wochen vorher einladen kann“, sagt Bürgerwach-Kommandant Rudi Ulmer. Bereits im November 2012 habe er den Ministerpräsidenten angeschrieben und habe ihm die Termine im Jubiläumsjahr 2014 mitgeteilt, samt Landestreffen am 20. Juli.

Auf nochmalige Nachfrage bestätigte nun auch Vize-Regierungssprecher Arne Braun den Eingang dieses Briefes vor anderthalb Jahren. Braun fügte hinzu: „Eine ausdrückliche Einladung zu den Veranstaltungen war hier nicht enthalten.“

Das räumt Rudi Ulmer auch ein. „Da steht nirgends: Wir laden Sie ein.“ Andererseits hätten „alle anderen Ehrengäste“ die entsprechenden Briefe durchaus als Einladung nach Rottenburg verstanden. Zur Erinnerung verschickte Ulmer dann Mitte Juni nochmal ausdrückliche Einladungen – zu spät für Kretschmann.

Der Ministerpräsident hatte am Sonntag mal einen freien Tag. „Den haben wir ihm frei geschaufelt“, sagte Sprecher Braun. Zuletzt war Kretschmann, der in seinem Heimatort Laiz (bei Sigmaringen) Mitglied im Schützenverein ist, im September 2013 in Rottenburg: Beim Landesfestumzug anlässlich der Heimattage saß er mit Gattin Gerlinde sichtlich vergnügt auf der Ehrentribüne.

Trotz Kretschmanns Absage an die Bürgerwache blieb Ulmers erster Brief nicht ohne Echo: Der Ministerpräsident übernahm die Schirmherrschaft für das Rottenburger Jubiläumsjahr und ließ im April 2013 ein entsprechendes Grußwort an Ulmer schicken. Es wurde allerdings nie veröffentlicht oder ist zumindest heute nicht mehr öffentlich zugänglich.

Kretschmann habe die Schirmherrschaft „sehr gerne“ übernommen, bekräftigt sein Sprecher Arne Braun. Die historischen Bürgerwehren „sind dem Ministerpräsidenten auch wichtig“.

Das wiederum bezweifelt Rudi Ulmer. „Seit dem Regierungswechsel zu Grün-Rot sind wir im Clinch mit dem Staatsministerium“, sagt er über den Landesverband historischer Bürgerwehren und Stadtgarden. „Wir werden zu Großveranstaltungen des Landes nicht mehr eingeladen.“ Insofern sei Kretschmanns Abwesenheit nicht nur einer Informationspanne geschuldet, sondern symptomatisch.

Stimmt nicht, entgegnet Vize-Regierungssprecher Braun. Die grün-rote Landesregierung habe zwar ihre Neujahrsempfänge anders organisiert und an bestimmten Themen ausgerichtet, und tatsächlich seien die uniformierten Bürgergarden seither nicht mehr dazu eingeladen worden. „Aber erst vor ein paar Wochen, bei der Verleihung der Landesorden im Mai, waren die Bürgerwehren da“, sagt Braun.

Als ranghöchster Landespolitiker sprang am Sonntag Landtagspräsident Guido Wolf in die Bresche. Der CDU-Politiker, der 2016 gern Kretschmanns Nachfolger werden würde, sprach beim Kommandanten-Empfang im Festhallen-Foyer vor geladenen Gästen.

Ohne Kretschmann beim Namen zu nennen, stieg Wolf gleich voll auf das Thema ein. Mit seiner Anwesenheit wolle er zeigen: „Es gibt noch Politiker, die zu ihren Wehren stehen und die sich freuen, an einem Landestreffen teilnehmen zu können!“ Und wie bestellt antworteten zahlreiche Kommandanten im Publikum: „Jawoll!“ Eine anwesende Rottenburger CDU-Politikerin nahm es etwas weniger stramm und raunte dem TAGBLATT-Berichterstatter zu: „A gmähtes Wiesle.“

Wolf ist übrigens selbst Mitglied der „Stadtgarde zu Pferd“ in Weingarten, die am Sonntag ebenfalls am Landestreffen und an der Parade teilnahm. Allerdings ohne Wolf: Der Landtagspräsident eilte nach dem Rottenburger Kommandanten-Empfang zum nächsten Termin: dem Schäferlauf in Wildberg.

Ministerpräsident hatte am Sonntag frei
Gutes Wetter, gute Organisation, viele Teilnehmer und viele Zuschauer: Für die Rottenburger Bürgerwache (hier beim Großen Zapfenstreich am Samstagabend im Hohenbergstadion) waren ihr Jubiläumswochende und das Landestreffen ein voller Erfolg. Nur die Absage des Ministerpräsidenten war ein Wermutstropfen.Bild: Rippmann

Ministerpräsident hatte am Sonntag frei
Rudi Ulmer

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22.07.2014, 12:00 Uhr

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