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Der Diplomat der Diözese

Missbrauchsskandal war Ex-Pressesprechers schwierigstes Thema

Durch seinen Mund sprach Bischof Fürst. Ende April verabschiedete sich Pressesprecher Thomas Broch in den Ruhestand. Eine Gelegenheit, nachzufragen: Kann er nun freier über Papst, Missbrauch oder Zölibat reden?

26.06.2012
  • Ulrich Eisele

Rottenburg. Erste Erkenntnis: Die wichtigste Eigenschaft für einen Pressesprecher ist die Diplomatie. Noble Zurückhaltung half Thomas Broch schon ins Amt, die verlässt einen wie ihn auch im Ruhestand nicht. Fünf Jahre lang war er Verlautbarungsorgan des Bischofs, davor 17 Jahre für die Öffentlichkeitsarbeit des Caritasverbandes in Freiburg zuständig. Dort hat er nach wie vor seinen Lebensmittelpunkt, unterrichtet nebenbei Studenten der Katholischen Fachhochschule Freiburg in der Kunst, unangenehme Wahrheiten in wohl gesetzte Worte zu verpacken.

Dass Broch einen Medienberuf ergriff, war nicht vorgezeichnet. Eigentlich wollte der Journalisten-Sohn aus Ulm katholischer Priester werden – wie sein vier Jahre älterer Bruder. Er studierte Theologie und Philosophie in Tübingen, Münster und Paris, promovierte, und war von 1973 an bis 1981 Seelsorger der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Dann lernte er eine Frau kennen, die er 1982 heiratete, und die Dinge entwickelten sich anders. Broch heuerte als Lektor beim Patmos-Verlag Düsseldorf an, gestaltete sieben Jahre lang religionspädagogische Schulbücher und wechselte 1988 als Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit zum Deutschen Caritasverband nach Freiburg.

Das Amt des Diözesanpressesprechers trug ihm Bischof Gebhard Fürst Ende 2005 an. Er habe ihn noch aus seiner Zeit als Akademiedirektor gekannt und auch geschätzt, erzählt Thomas Broch, weil er für ihn hin und wieder als Referent arbeitete. Seine Vita als verhinderter Priester sei dem Bischof bekannt gewesen, „Fürst wusste, wen er sich holte“. Sei aber nie ein Problem für ihn gewesen. Das Thema Zölibat beispielsweise habe er als Pressesprecher nie vertreten müssen: „Ich habe mich nie verbiegen müssen“, versichert er.

Aber eine „Grundloyalität“ sei in dieser Position schon erforderlich. So ist von Thomas Broch kaum zu erwarten, dass er nun deutlich Kritik an der (Kirchen-)Politik des Papstes oder der deutschen Bischöfe formuliert. Immerhin, beim Thema Pius-Brüder wird er deutlich: Das „Bemühen um eine Minderheitengruppe“ sei eine schwere Belastung für die Katholische Kirche. Es sei notwendig sich gegen den immer aggressiver auftretenden Rechtskonservatismus zu äußern. Sagen, „den Papst wähle ich ab“, würde Broch deshalb aber nicht: „Da bin ich zu sehr Katholik.“

Mehr noch hat ihn das Thema Missbrauch getroffen. „Das kann man nicht so schnell abhaken“, sagt Thomas Broch. Doch er ist überzeugt: „Unter den Teppich gekehrt wird das hier in der Kirche nicht.“ Gehört er doch weiterhin als Beisitzer der von Bischof Gebhard Fürst 2002 einberufenen Kommission Sexueller Missbrauch an. Broch versichert: „Alles wird in sorgsamster Weise aufgearbeitet, und den Betroffenen wird geholfen.“

147 Missbrauchsopfer führt der jüngste Bericht der Kommission seit 1945 auf. 84 Priester der Diözese wurden sexueller Übergriffe bezichtigt; bei neun stellten sich die Vorwürfe als unbegründet heraus. Sexueller Missbrauch sei ein gesellschaftlicher Skandal, meint Thomas Broch – nicht nur ein Skandal der Kirche.

Als großes Glück bezeichnet er es, dass ihm vor sieben Jahren noch einmal ein beruflicher Neuanfang vergönnt war. Den Bischof habe er als Menschen kennengelernt, der „ehrlich“ um die Lösung von Problemen „ringe“, dem es stets um die Sache und selten um seine eigene Position gehe. 2008 und 2010 durfte ihn der Pressesprecher auf zwei großen Auslandsreisen begleiten, nach Südafrika und Südindien. „Das hat mir schon noch mal andere Perspektiven eröffnet, was Weltkirche ist.“ Auch eine gewisse „Gelassenheit im Umgang mit Strukturfragen“ hätten ihn die dabei gemachten Erfahrungen gelehrt und seinen „Glauben an die Notwendigkeit des Daseins von Kirche“ gestärkt.

Das mag den Ausschlag dafür gegeben haben, dass Thomas Broch auch weiterhin mit einem kleinen Deputat für die Hauptabteilung Weltkirche der Diözese arbeitet. Man wird ihm also immer mal wieder in Rottenburg über den Weg laufen.

Missbrauchsskandal war Ex-Pressesprechers schwierigstes Thema
Thomas Broch

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26.06.2012, 12:00 Uhr

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