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„So nicht, Leute!“

Misstöne bei der DFB-Pokalauslosung - Vereinsverantwortliche sauer

Zu Beginn der Sendung schwärmte ARD-Moderator Alexander Bommes noch von der „wunderschönen Atmosphäre, das hat ein bisschen was von ‚Wetten, dass…?‘-Außenwette.“ So etwa eine halbe Stunde später fand Bommes die Stimmung nicht mehr so dolle und maßregelte das Volk:

11.06.2015
  • Moritz Hagemann & Tobias Zug

„Leute, nun freut euch doch mal über das Los und beleidigt doch nicht gleich alle!“ Soeben hatte Tennis-Star Andrea Petkovic dem gastgebenden SSV Reutlingen den Zweitligisten Karlsruher SC zugelost, und Fans der Reutlinger „Szene E“ quittierten dies mit Anti-KSC-Gegröhle von der unteren Niveau-Ebene.

Misstöne bei der DFB-Pokalauslosung - Vereinsverantwortliche sauer

Etwa 500 Zuschauer saßen auf der Haupttribüne im Reutlinger Kreuzeiche-Stadion, wo die ARD mit ihrem “Sportschau-Club“ am Mittwoch Abend live die Auslosung der ersten Runde des Fußball-DFB-Pokals übertrug. Als kurz nach 23 Uhr dann auch die Auslosung begann, hatten sich die eingeladenen Vertreter der Amateur-Klubs auf ihren Sitzplätzen eingefunden. SSV-Fußballvorsitzender Michael Schuster und SSV-Oberliga-Kapitän Giuseppe Ricciardi standen in der obersten Reihe und fieberten mit.

Große Sorgen wegen der Sicherheit

Ein lautstarkes „Jawoll!“ enthuschte Schuster schon, als der abgestiegene Bundesligist SC Paderborn dem VfB Lübeck zugelost wurde. In der Probeauslosung war Paderborn noch Gegner des SSV – und zwar ein nicht gern gesehener. Der SV Sandhausen und der FSV Frankfurt waren die Vereine, die niemand auf der Tribüne als Reutlinger Gegner wollte. Beide waren schon weg, als der SSV dann dran war. Beide begleitet mit Schusters Jubelschreien. Der tapste nervös umher: Wann zieht Petkovic endlich den SSV?

Immer wieder peitschte ein ARD-Mann das Publikum abseits der Kameras an: gröhlen, jubeln, lachen. Es ist eben eine große Inszenierung. Die nutzte auch der Reutlinger Fanblock Szene E, der seinen Verein bei einer eigentlich gelungenen Veranstaltung durch Schmähgesänge über andere Klubs blamabel da stehen ließ. Etwa mit „Bullen-Schweine raus“-Rufe, als RB Leipzig gezogen wurde, und Moderator Alexander Bommes erstmals die Gröhler ermahnte: „So nicht, Leute!“ Auch als Karlheinz Förster, Fußball-Europameister von 1980, das Los Stuttgarter Kickers präsentierte, gab’s Buhrufe und Anti-Kickers-Gesänge. Schlagfertige Antwort von Kickers-Präsident Rainer Lorz auf die Frage, warum die Leute denn pfeifen – immerhin trug der Drittligist doch vergangene Saison in Reutlingen ein halbes Jahr lang die Heimspiele aus und finanzierte den Rasen mit: „Wir haben hier begeisternden Fußball gespielt, und ich glaube, die Fans haben sich noch nicht ganz beruhigt davon…“

Die SSV-Verantwortlichen waren jedenfalls sauer über das Fanverhalten. Um 23.28 Uhr ertönten die Gesänge dann in voller Lautstärke. Als Petkovic den Karlsruher SC als SSV-Gegner aus der Lostrommel zog. „Wir wissen ja, wie es da zu geht“, reagierte SSV-Kapitän Ricciardi direkt. Schon Oberliga-Kicks gegen den KSC II endeten in der Vergangenheit unschön, die Fanszenen sind zerstritten.

Sicherlich, der sportlich attraktivste Gegner ist der Zweitligist KSC nicht. Ein kleines Derby hat der SSV trotzdem. „10 000 sollten es schon werden“, sagte Schuster zur möglichen Kulisse. Doch zufrieden waren die Reutlinger mit dem Los nicht wirklich. Der neue Trainer Georgi Donkov sagte: „Man muss es nehmen, wie es kommt.“ SSV-Spieler Marcel Brandstetter hoffte „auf einen großen Erstligisten, nun kommt der Fast-Aufsteiger. Für die Fans ist es ein tolles Spiel, da geht die Post ab! Da der VfB Stuttgart in Kiel spielt, wird das ’Commando Cannstatt’ unser Team auch unterstützen. Ich träumte von den Bayern.“

Michael Schuster jedenfalls sagt über das Spiel gegen Karlsruhe: „Da ist Ärger vorprogrammiert.“ Zu groß sind die Bedenken, dass das Spiel zur Plattform für Chaoten wird, die randalieren. SSV-Vizepräsident Karl-Heinz Lang sagte: „Ich bin zufrieden, wir ziehen nicht um. Es ist leider ein Problemspiel, wir hoffen, dass die Fans nicht überziehen.“

So wie am Mittwoch Abend. Da war die große deutsche Fußballbühne mal wieder in Reutlingen. Und ließ am Ende eine verdutzte Andrea Petkovic samt Moderator Alexander Bommes zurück. Aber auch den Fans bleibt ein zweiter Anlauf: es in der ersten Pokalrunde (7. bis 10. August) gegen den Karlsruher SC besser zu machen.

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11.06.2015, 12:00 Uhr

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