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Luftfahrt

Mit 113 Sachen in die Kurve

Ein Pilotenfehler nach der Landung war womöglich die Ursache für den Ausflug einer Boeing ins Gras.

24.11.2016
  • RAIMUND WEIBLE

Stuttgart. Dieser Vorfall am 31. Juli auf dem Flughafen Stuttgart hatte für großen Ärger gesorgt. Ausgerechnet an jenem Tag, als wegen des Ferienstarts Hochbetrieb war, blockierte eine Boeing 737 von Sun-Express die Landebahn. Fast vier Stunden lang stockte der Betrieb, etwa 50 Starts und Landungen fielen aus. Inzwischen scheinen sich erste Vermutungen zu bestätigen, dass die Ursache des Zwischenfalls ein Pilotenfehler war. Demnach war der Kapitän zu schnell von der Landepiste in den Rollweg eingebogen. Bei nassem Untergrund kam die Maschine mit ihren 188 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern an Bord ins Rutschen und schlitterte ins sumpfige Gras.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat am Mittwoch einen Zwischenbericht über die als „schwere Störung“ eingestufte Havarie vorgelegt. Dazu lagen der BFU die Aufzeichnungen des Flugdatenschreibers vor. Danach hat der 34-jährige Pilot nach dem korrekten Aufsetzen bereits bei einer Geschwindigkeit von 92 Knoten (170 Kilometer pro Stunde) die Schubumkehr, die Geschwindigkeits-Störklappen und das automatische Bremssystem deaktiviert. Dem Flugbetriebshandbuch zufolge soll der Kopilot allerdings erst bei einer Rollgeschwindigkeit von 60 Knoten (111 km/h) den Piloten bitten, die Schubumkehr abzuschalten.

Schubumkehr früh abgeschaltet

Nach dem Abschalten der Schubumkehr raste die Sun-Express zwölf Sekunden lang ungebremst weiter. Als die Boeing in den Rollweg einbog, war sie noch mit 61 Knoten (113 km/h) unterwegs. Der Pilot hingegen gab gegenüber den BFU-Experten an, die Maschine sei beim Verlassen der Landepiste maximal mit 30 Knoten (55,5 km/h) gerollt. Die Aussage steht im Widerspruch zu den Aufzeichnungen des Datenschreibers. Weiter sagte der Pilot, zwischen der Landepiste und dem Rollweg sei eine große Pfütze gewesen, weshalb die Bremsen kaum noch Wirkung erzielt hätten.

Die BFU selbst hat keine Feststellungen zur Schuldfrage gemacht. Das alleinige Ziel ihrer Untersuchung sei, künftige Unfälle und Störungen zu verhüten. Bei dem Vorfall wurde niemand verletzt und die Boeing nur leicht beschädigt.

Von der Sonne geblendet

Zum Beinahe-Absturz eines Hubschraubers am 8. Juli bei Benningen am Neckar liegt ebenfalls ein Bericht der BFU vor. Bei dem Einsatz, bei dem der 48-jährige Pilot aus der Luft Weinberge besprühte, hatte der Helikopter vier Kabel einer 20-KV-Leitung durchtrennt. Offenbar durch die Sonne geblendet, hatte er die Freileitung übersehen. Raimund Weible

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24.11.2016, 06:00 Uhr

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