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Deutschland-Schnuppertour vorerst beendet

Mit 18 Jahren verließ Phillip Trenkler den TV Rottenburg – und kehrte über Umwege zurück

Sein Abitur am Rottenburger Eugen-Bolz-Gymnasium machte er noch. Dann zog Phillip Trenkler aus, „um ein bisschen in Deutschland rumzuschnuppern“, wie er sagte. Über den TSV Georgii Allianz Stuttgart, VCO Berlin, Chemie Volley Mitteldeutschland und TSV Herrsching kehrte der Rottenburger diese Saison zurück zu seinem Heimatverein. Im TAGBLATT spricht der 23-jährige Annahme-Außen-Spieler über…

18.11.2016

Von Tobias Zug

…Berlin: Weil er in der Junioren-Nationalmannschaft spielte, wurde Trenkler zum Olympiastützpunkt nach Berlin einberufen. Zuvor hätte er schon zu den Young Stars nach Friedrichshafen gehen können, wäre dort bei Gastfamilien untergebracht gewesen. „Das wollte ich damals aber noch nicht“, sagt Trenkler, „ich wollte mein Abitur in Rottenburg fertig machen und parallel in Stuttgart in der zweiten Liga spielen.“ Seine Eltern seien darüber auch froh gewesen. „Aber dann war klar, dass ich diesen Schritt mache.“ Und beschreibt das Leben in der Hauptstadt als „supertolle Erfahrung, die mich menschlich sehr weit gebracht hat“.

…den CV Mitteldeutschland: Vor allem, weil sein Junioren-Nationaltrainer Ulf Quell beim CVM Trainer war, wechselte Trenkler 2013 nach Leuna in den Osten Deutschlands. Trenkler wohnte direkt in der Industriestadt mit Zimmerblick auf die Leunawerke, die größten Chemiebetriebe in der ehemaligen DDR. „Das war nicht gerade die schönste Gegend, aber eine super Zeit, in der ich super Freundschaften geknüpft habe“, sagt Trenkler. Beim CVM spielte er in einer recht internationalen Mannschaft mit Spielern aus vier, fünf Nationen, zum Teil aus anderen Erdteilen. „Gesprochen wurde immer auf Englisch, auch im Training“, berichtet Trenkler, „aber das war gar kein Problem.“ Vor dem Wechsel zum CVM spielte er noch kurz beim TV Rottenburg. „Aber ich hatte mich entschlossen, den Fokus auf Volleyball zu legen und wollte deshalb weg“, sagt Trenkler. So lebte er als Profi in Leuna; morgens Training, am Nachmittag etwas Ruhe, abends Training. Privat fuhr er ab und zu nach Halle und Leipzig, die nächstgelegenen Großstädte.

…den TSV Herrsching: Beim selbsternannten „geilsten Club der Welt“ spielte Trenkler eine Spielzeit. Mit seiner Freundin wohnte er dort etwas idyllischer als in Leuna: Statt auf Chemie-Industrie-Türme blickte erdirekt auf den Ammersee: „Superschön war das!“ Den Kult um den „etwas anderen“ von Studenten gegründeten Klub mag er aber nicht so betreiben. Klar lasse sich die Marketing-Abteilung immer viel Außergewöhnliches einfallen wie beispielsweise den Lederhosen-Look. Aber es sei auch nicht so, dass die Spieler beispielsweise nach jedem Training gemeinsameine Kiste Bier stemmen. „Es war auch schwierig ,dort gemeinsam was zu unternehmen, da viele gearbeitet haben und weiter weg wohnten.“

…seine Rückkehr nach Rottenburg: Ich habe mir gesagt, ich muss jetzt auch was studieren.“ Deshalb bot sich ein Wechsel zum Heimatverein an, „der ja eine super Kooperation mit der Uni Tübingen hat“. Trenkler hat dort ein Psychologie-Studium aufgenommen. Für einige Wochen wohnte der 23-Jährige wieder bei seinen Eltern in Rottenburg, mittlerweile hat er was in Tübingen gefunden. „Vieles hat mich an Rottenburg gereizt“, sagt Trenkler. Zum Beispiel die Heimspiel-Atmosphäre in der Paul-Horn-Halle: „In Herrsching ist es auch unheimlich laut, wenn da tausend Leute sind – aber hier ist es eine noch viel größere Halle, das ist schon was Besonderes, hier zu spielen.“ Finanziell profitiert der TVR ebenfalls ein wenig von Trenklers Rückkehr: „Freunde und einige aus meiner Familie kommen jetzt öfter zu den Spielen“, sagt er.

…lange Hosen: In den bisherigen Partien trug Trenkler als einziger Spieler auf dem Feld immer eine lange Hose – weil’s warm hält: „Ich neige dazu, schnell auszukühlen“, sagt Trenkler, „und im Winter sind auch die Hallen relativ kalt. Man fühlt sich aber auch wohler darin.“

…seinen Vornamen: Phillip ist zwar nicht gerade ein äußerst seltener Vorname in Deutschland – ungewöhnlich bei Trenkler ist allerdings die Schreibweise: mit zwei „L“ und einem „P“ statt wie sonst häufiger umgekehrt. Einen besonderen Grund habe das allerdings nicht: „Ich weiß auch nicht, warum meine Eltern den so ausgesucht haben.“ Trenkler findet seine Schreibweise allerdings „logischer“, wie er sagt: „Man betont ja das ’L’ und nicht das ’P’ am Ende.“ Ein kleines Problem hat jetzt allerdings der TV Rottenburg mit seiner Ansammlung an Phil(l)ip(p)sen: „Jetzt wird auch manchmal unser Zuspieler Philipp Jankowski falsch geschrieben, was vorher nie vorgekommen ist“, sagt TVR-Manager Vollmer; Philipp Vollmer. Archivbild: Ulmer

Schon ein Satzgewinn wäre eine Sensation

Es gibt Spiele, bei denen Volleyball-Bundesligist TV Rottenburg im Normalfall nur eine Art Sparringspartner ist. So wie am Samstag (19.30 Uhr); da kommt der Deutsche Meister, Pokalsieger und Europacupsieger in einem in die Tübinger Paul-Horn-Halle. Wobei die Berlin Volleys schon auch verlieren können: Im Supercup zeigten sie das beim 0:3 gegen den VfB Friedrichshafen. Trotzdem wäre schon ein Satzgewinn für die Rottenburger eine Sensation, denn in der Liga gelang dies bisher noch keinem Gegner der Berliner. TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger sagt: „Ich will meiner Mannschaft klarmachen, dass wir uns von Konstellationen und Rahmenbedingungen lösen müssen, die wir sowieso nicht beeinflussen können. Es geht vielmehr darum, dass wir unser eigenes Spiel machen.“ In der Zehn-Minuten Pause tritt die Alternativ-Pop-Rock-Band Magnetfeld aus Gammertingen auf.

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Erstellt:
18. November 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
18. November 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. November 2016, 01:00 Uhr

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