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Grundschule Hechinger Eck

Mit Containern gegen die Raumnot

Ihre Attraktivität macht der einst zweizügig geplanten Grundschule am Hechinger Eck zu schaffen. Im kommenden Schuljahr gibt es vier erste Klassen. Die Folge: Es fehlen Räume. Die Stadt will mit weiteren Containern die Not für ein Jahr lindern.

23.06.2012

Tübingen. Bürgermeister Michael Lucke wird den Vorschlag der Stadt beim Elternabend am kommenden Dienstag erläutern. Es geht um rund 220 Quadratmeter in Containern, die zu den schon neben der Schule stehenden hinzukommen sollen. Dort werden die Mensa und die Küche für die Betreuung unterkommen. Dadurch werden Klassenräume im Schulhaus frei.

Beim Infoabend weiß der für Schulen und Finanzen zuständige Rathaus-Vize genauer, was die Stadt zahlen muss. Gestern veranschlagte er auf TAGBLATT-Anfrage die Kosten fürs Aufstellen und die Miete allein von Schuljahresbeginn bis Jahresende auf rund 200 000 Euro.

Diese „Lösung für ein Jahr“, so Lucke, kam erst nach heftigen Verwicklungen zustande. Sie war nur eine unter vier Vorschlägen der Stadt für die aktuelle Notlage. Eine andere Variante verursachte, wie Lucke sagt, „einen Sturm“ und sorgte für teils erboste E-Mails ans Rathaus.

Darin wehrten sich Eltern von Zweitklässler(inne)n gegen die Auslagerung von Klassen in die Mörike-Werkrealschule an der Primus-Truber-Straße. Einige ihrer Bedenken: Durch die räumliche Trennung wären diese Klassen nicht mehr Teil der Schulgemeinschaft. Außerdem würden die jahrgangsübergreifenden Beziehungen, wie etwa die Patenschaften zwischen der ersten und der dritten Klasse, zerstört. Und man nehme den betroffenen Schüler(inne)n die Chance, die Großen zu sein, bevor sie an weiterführenden Schulen wieder zu den Kleinen würden.

Lucke versteht die Sorgen der Eltern. Nicht nachvollziehen kann er, dass in einigen Schreiben „die gute Arbeit der Mörike-Schule verunglimpft worden ist“. Allerdings sagt der Bürgermeister auch, dass die Stadt eine „längerfristige Perspektive“ für die Schule entwickeln müsse. Denn in der Südstadt, das stand schon vor einem Jahr in einer Vorlage für den Bildungsausschuss, würden die Zahlen der Schüler/innen bis zum Schuljahr 2014/15 auf bis zu 200 Kinder pro Eingangsjahr ansteigen – fast eine Klasse mehr als bisher.

Diese Entwicklung hatte auch Martin Rohrbach, den Elternbeiratsvorsitzenden der Grundschule am Hechinger Eck, bewogen, die Auslagerung in die Mörike-Schule als Option zu sehen. Der gewählte Elternbeirat sei für die Entwicklung der gesamten Schule zuständig, sagt er. Das Gremium akzeptiert den Container als Notlösung – verbunden mit der Erwartung, dass im kommenden Jahr wirklich „ein tragfähiges Konzept“ (Rohrbach) entwickelt wird.

Die Probleme nicht tatkräftig angegangen

Die Raumprobleme, auf die die Schulleitung seit mehreren Jahren hinweist, seien „nicht tatkräftig angegangen worden“. Deshalb hat der Elternbeiratsvorsitzende auch Verständnis dafür, dass sich die Schulleitung und das Lehrerkollegium „nicht ständig mit Raumfragen beschäftigen“, sondern sich ihrer pädagogischen Arbeit widmen möchten.

Schon in der Vergangenheit mussten Engpässe beispielsweise durch die Anmietung einer benachbarten Wohnung gemildert werden. Alle neuerlichen Versuche, Räume zu finden – sogar im leerstehenden Autohaus – scheiterten. Lucke weiß, dass es pressiert. Aber der Bürgermeister verweist auch auf die „vielen Schulprojekte, die wir machen müssen“ – von der Erweiterung des Uhland-Gymnasiums bis zur Planung der drei Gemeinschaftsschulen.

Die 1998 gebaute Grundschule am Hechinger Eck besuchen derzeit 200 Schüler/innen. Schulleiterin Gabriele von Kutzschenbach fürchtet, dass die Container-Lösung, über die sie sich inzwischen freut, das generelle Problem nur verschiebt. Leitungsteam und Kollegium kamen jüngst in der Gesamtlehrerkonferenz zum Schluss, dass ein „pädagogisch und organisatorisch gut vorbereiteter Umzug mit mehreren Klassen in die Mörike-Schule eine Lösungsmöglichkeit“ sei. Vielleicht schon zum Schuljahr 2013.

Die Stadt hat der Schule zugesagt, gleich im neuen Schuljahr eine Planungsgruppe mit Vertretern der Stadt, der Schulleitung und der Eltern einzurichten. Denn es sind viele Fragen offen. Können noch Räume im Schulhaus (Bäckerei, Pizzaservice) angemietet werden? Wie wirken sich die Baugebiete in der Südstadt aus? Wie geht es mit dem Grundstück an der B 27 weiter? Was ist mit dem Schindhau-Tunnel? Auch wegen der vielen Variablen gibt es für das Areal neben der Schule am Hechinger Eck noch keinen Bebauungsplan. Deshalb wäre auch ein Neubau – selbst wenn die Stadt die Kosten im zweistelligen Millionenbereich stemmen könnte – keine schnell zu realisierende Lösung.

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23.06.2012, 12:00 Uhr

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