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Mit Cryan steht auch sein Kontrollchef in der Kritik
Schulterklopfen oder Abschieben: Aufsichtsratschef Paul Achleitner (rechts) und Konzernchef John Cryan. Foto: dpa
Deutsche Bank

Mit Cryan steht auch sein Kontrollchef in der Kritik

Der Vorstandschef hat die Wende nicht geschafft. Wird er jetzt abgelöst? Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner ist ebenfalls umstritten.

28.03.2018
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Anfang Februar gab sich John Cryan auf der Pressekonferenz gelassen und zuversichtlich, auch wenn er den dritten Jahresverlust der Deutschen Bank hintereinander verkünden musste. 2018 erwarte er ein erfolgreiches Geschäftsjahr, sagte der Vorstandschef. Und er wolle seinen bis Sommer 2020 laufenden Vertrag erfüllen und den Turnaround schaffen, die Wende. „Ich genieße den Job, er ist heute viel angenehmer als vor zwei Jahren“, sagte der 57-jährige Brite.

Nicht einmal zwei Monate später sieht es ganz anders aus. Angeblich sucht Aufsichtsratschef Paul Achleitner einen Nachfolger für Cryan. Mehrere Banker soll er schon angesprochen, sich aber Absagen eingehandelt haben. Die Deutsche Bank kommentiert die Gerüchte nicht, dementiert sie aber auch nicht.

Das Verhältnis zwischen Achleitner und Cryan gilt schon länger als schwierig. Im vergangenen Jahr verweigerte der Brite lange ein Treffen mit Vertretern des neuen chinesischen Großaktionärs HNA, jetzt soll es Streit geben wegen der Strategie der Bank. Das Verhältnis zwischen Aufsichtsrats- und Vorstandschef sei zerbrochen, schreibt die britische Zeitung „Times“ und beruft sich auf einen Insider.

Angeblich hat Richard Gnodde, Vize-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, auf Achleitners Anfrage hin abgewunken. Auch Jean Pierre Mustier und William Winters sollen im Gespräch sein. Der 57-jährige Franzose Mustier ist Investmentbanker und Chef der italienischen UniCredit-Gruppe. Der 56-jährige Amerikaner Winters leitet die britische Großbank Standard Chartered. Mustier soll aber schon im Januar abgelehnt haben.

Die im Vorstand vor einem Jahr zu Kronprinzen und Stellvertretern Cryans aufgestiegenen Christian Sewing und Marcus Schenck spielen offenbar keine Rolle. Schenck leitet die derzeit wenig erfolgreiche Investmentbank, Sewing die Privatkundensparte, die aktuell mit dem Umbau und der Einbindung der Postbank mehr als gut beschäftigt ist.

Nicht aus heiterem Himnmel

Aus heiterem Himmel kommen Spekulationen über Cryans vorzeitigen Abschied nicht. Die Unruhe in Deutschlands größtem Geldhaus ist gewaltig, die Großaktionäre – HNA mit knapp 9 Prozent, der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock mit 6,5 Prozent, Katar mit 6 und der US-Finanzinvestor Cerberus mit 3 Prozent – sind unzufrieden. Nach der jüngsten Verlustwarnung für die Investmentbank und abfälligen Äußerungen von IT-Vorstand Kim Hammonds über den Zustand der Bank näherte sich die Aktie dem Rekordtief von weniger als 10 EUR im September 2016. Seit Jahresanfang ist der Börsenwert um fast 2 Mrd. auf 31 Mrd. EUR abgerutscht. Zum Vergleich: SAP kommt auf 114 Mrd. EUR.

Experten und Banker in Frankfurt schütteln nur noch den Kopf. Sie sind sich aber nicht einig, wie es mit Cryan weitergehen soll. Ingo Speich von Union Investment meint, der Brite solle bleiben. Die Fehler, die in den vergangenen 20 Jahren gemacht worden seien, könne man nicht in zweieinhalb Jahren beseitigen.

Laut Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist es Cryan gelungen, die „Baustellen aus der Vergangenheit“ bis „auf wenige Reste“ abzubauen. „Was wir und der Kapitalmarkt immer vermisst haben, ist aber, dass Herr Cryan eine überzeugende Zukunftsstrategie entwickelt“, sagt Nieding der SÜDWEST PRESSE. Die Deutsche Bank brauche einen „operativen Visionär“.

Für Stefan Müller vom Research-Unternehmens DGWA ist Cryan der falsche Mann. Er wirke wie „der nette Onkel von nebenan“, sei aber völlig überfordert. „Anders kann ich mir nicht erklären, dass es die Bank auch im neunten Jahr des Aufschwungs in Deutschland nicht schafft, einen ordentlichen Gewinn zu erwirtschaften.“ Die Deutsche Bank brauche einen Schnitt. Und sie sollte vom Investmentbanking die Finger lassen. Auch deshalb hält er einen Investmentbanker für die falsche Lösung. Müller votiert für einen Deutschen, der sich im Firmenkundengeschäft auskennt.

Längst steht auch Aufsichtsratschef Achleitner in der Kritik. Viele halten ihn für den falschen Mann auf diesem Posten.

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28.03.2018, 06:00 Uhr

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