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Mit Kanonen auf Spatzen
Enrico Bauch (links) – hier mit Alex Weiß – kann die angedrohten Maßnahmen des WFV nicht verstehen. Archivbild: Bernhard
Jugendfußball

Mit Kanonen auf Spatzen

Enrico Bauch vom Phönix Pfalzgrafenweiler kritisiert in einem offenen Brief an den WFV deren Rechtsordnung und Sanktionen.

29.10.2016
  • Uli Bernhard

Das E-Junioren Spiel zwischen dem Phönix Pfalzgrafenweiler und dem SV Baiersbronn II am 23. September gewann der Phönix mit 11:1. Weil der Verein vergessen hatte, den Online-Spielbericht ordnungsgemäß einzustellen und nach einem Bußgeldbescheid auch eine erneute Frist verstreichen ließ, ist jetzt Post vom Württembergischen Fußballverband gekommen: Der Verband räumt noch eine letzte Frist bis zum 8. November ein und droht: „Sollten Sie wider Erwarten diese Frist verstreichen lassen, wäre der Verbandsvorstand gezwungen alle Jugendmannschaften Ihres Vereins gemäß Paragraph 32 der Rechtsordnung vom weiteren Spielbetrieb auszuschließen. Enrico Bauch, Ausschussmitglied beim Phönix in Pfalzgrafenweiler, schüttelt nur den Kopf: „Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen“, sagt er und schrieb einen offenen Brief an den Verband.

„So ein kleiner Verein, im ländlichen Raum, hat es nicht immer leicht. Eine der größten Herausforderungen ist es jedes Jahr wieder, die verschiedenen Jugenden mit engagierten Betreuern zu besetzen. So dürfte jeder kleine Verein sehr froh darüber sein, ehrenamtliche Betreuer für diese anspruchsvolle Tätigkeit zu gewinnen.

Vor allem die Betreuer der jüngeren Jugend müssen dabei auch ein großes Maß an Verantwortung übernehmen, wenn es beispielsweise, zu Auswärtsspielen geht. Das alles tun sie in ihrer Freizeit, ehrenamtlich und, abgesehen von der obligatorischen Spendenbescheinigung, die ihnen der Staat zugesteht, auch ohne finanziellen Ausgleich.

Der große DFB und seine Landesverbände, in unserem Fall der WFV, haben sich für die bessere Transparenz hier nun seit wenigen Jahren zum Ziel gemacht, den gesamten Spielbetrieb zu digitalisieren. Das ist auch alles schön und gut und bietet tolle Funktionen, die jeden Fußballfan die Ergebnisse der Ligen mit einem Klick liefern. Nur darf man eines nicht vergessen: Das bedeutet auch, dass diese Ergebnisse und Berichte jemand erfassen muss. Nun ist es leider in vielen Bezirken so, dass zu Jugendspielen nicht immer ein Schiedsrichter kommt, wodurch die Aufgabe der Datenerfassung dem Jugendbetreuer zufällt.

Dieser muss dann bei einem Heimspiel innerhalb bestimmter Fristen das Ergebnis online melden und den Spielbericht ausfüllen. Tut er das nicht rechtzeitig, da er sich beispielsweise nach dem Spiel erst einmal darum kümmert, dass die Kinder sich umziehen, mit den richtigen Eltern nach Hause gehen oder er einem Papa mal wieder erklärt, warum der Kevin oder Justin nicht gespielt haben, zahlt der Verein erstmal ein Bußgeld in Höhe von 16 Euro. Später folgt dann noch ein Bußgeldverfahren, wenn er nicht rechtzeitig den Spielbericht online ausfüllt, macht nochmal 21 Euro. Dabei sollte man bedenken, dass ein kleiner Verein keinerlei Einnahmen mit Jugendspielen erzielt, im Gegenteil es kostet nur.

Jetzt haben sich der WFV und eventuell auch andere Verbände gedacht, da muss man doch irgendwie mehr Druck drauf kriegen, dass diese bösen Jugendbetreuer diese Daten erfassen. Und so hat der WFV in seiner Satzung einen entsprechenden Paragrafen geschaffen, der ihm dieses wohl notwendige Druckmittel ermöglicht. Nämlich, schlicht und einfach, mal die ganze Jugend des Vereins dafür zu bestrafen und alle gemeldeten Jugendmannschaften vom Spielbetrieb auszuschließen oder noch schöner zu disqualifizieren.

Ist doch toll, so weiß der betroffene Betreuer auch gleich, wenn ich jetzt nichts unternehme, sind alle Jugenden mal eben nicht mehr dabei und die Basisarbeit eines ganzen Vereins ist gefährdet. Viele Jugendliche und Kinder hätten so unfreiwillig mehr Freizeit und die Betreuer hätten nun auch wieder mehr Zeit für sich und Ihre Familien, da die restliche Saison ja eh kein Spiel mehr stattfindet.

Also mal ehrlich, lieber WFV und alle anderen Verbände: Schießt man mit diesem Paragrafen nicht ein wenig übers Ziel hinaus? Reicht es noch nicht, dass ständig Bußgelder eingezogen werden, da die teilweise knappen Fristen, nicht eingehalten werden? Wie soll ein Verein denn in Zukunft noch engagierte Betreuer für dieses Ehrenamt finden, wenn die Jugendleiter ihre Betreuer ständig ermahnen müssen, die Spiele rechtzeitig zu melden, da wiederum der Finanzchef jedes Vereins über diese Bußgelder wenig erfreut ist. Wir haben im ländlichen Raum oder generell bei kleineren Vereinen einfach die Situation, dass wir froh sind, wenn ein Betreuer je Mannschaft gefunden wird. Dass der nach Spielende, die bürokratische Aufwände auch mal vergisst beziehungsweise einfach keine Lust darauf hat, ist für mich verzeihlich und vollkommen verständlich. Die Strafen, die hier den Vereinen auferlegt oder angekündigt werden, sind für mich nicht mehr verhältnismäßig.

Ich spreche nicht gegen die Onlinemeldung, aber kann man das Ganze vielleicht auch einfacher gestalten. Anstatt einen vierseitigen Spielbericht ausfüllen zu müssen, reicht es eventuell auch, bei der Ergebnismeldung anzugeben, dass es keine besonderen Vorkommnisse gab, um damit den Spielbericht abzuschließen. Die Kinder und Betreuer bringt hauptsächlich die Lust am Fußballspielen in die Vereine und nicht die Bürokratie. Eventuell können Sie beim WFV helfen, daran wieder was zu ändern.“

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29.10.2016, 01:00 Uhr

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