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Abschied vom Kreisbrandmeister

Mit Lobreden und Zapfenstreich endete Karl Hermanns Amtszeit – Feuerwehrfest begann

„Explosionsartig ändert sich nun meine Lebensqualität durch ständige Freizeit“, witzelte Karl Hermann. Allerdings hatte er um die Erlaubnis gebeten, seine Uniform auch im Ruhestand tragen zu dürfen. Am Freitagabend wurde der Kreisbrandmeister mit viel Polit-Prominenz verabschiedet. Zugleich begannen der 32. Kreisfeuerwehrtag und die 150-Jahr-Feier der Ofterdinger Feuerwehr.

26.07.2014
  • Gabi Schweizer

Ofterdingen. „Ist da Weißwurst mit drin?“ Interessiert spähte Karl Hermann in das Proviantpaket, dass Kameraden aus seiner bayrischen Heimat ihm vom Münchner Viktualienmarkt mitgebracht hatten. In Altenstadt an der Iller hat er, der Sohn eines Kommandanten, mit gerade einmal 16 Jahren seine Feuerwehr-Karriere begonnen. Und statt nach der Ausbildung zum Maschinenschlosser weiterhin in der Industrie zu arbeiten, trat er mit 19 der Münchner Berufsfeuerwehr bei. „Die Olympischen Spiele 1972 erlebte ich als Feuerwehrmann.“

Ein halbes Jahr Berlin-Austausch, später der Wechsel nach Baden-Württemberg – erst als hauptamtlicher Feuerwehrkommandant nach Nürtingen und dann als Stellvertretender Kreisbrandmeister nach Esslingen: Das waren die Stationen, ehe er 1985 „der mit Abstand jüngste“ Kreisbrandmeister in Tübingen wurde. Eine Reihe weiterer Ämter kamen dazu – Sprecher der Kreisbrandmeister, Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbands. Hauptamtlich war er Brandschutzsachverständiger. Der Rest war „Ehrenamt“, aber so aufwändig, dass diverse Festredner sich bei Hermanns Frau für deren Unterstützung bedankten. Zur Verabschiedung waren nicht nur zahlreiche Abgeordnete, Bürgermeister und Feuerwehrleute aller Ränge gekommen, sondern Innenminister Reinhold Gall höchstpersönlich. Er ist selbst Feuerwehrmann und wechselte in seiner Lobrede irgendwann vom förmlichen Sie zum vertrauten Du.

Hermanns Beruf war nicht immer einfach. In den 80er-Jahren lernte er in Mutlangen, wie Pershing-Raketen zu transportieren seien. Bei einem solchen Transport war tatsächlich einmal etwas passiert: Ein Lkw hatte Feuer gefangen. Einen besonders „schweren Schicksalsschlag für alle“ erlebte Hermann, als bei einem Brand in Tübingen zwei Feuerwehrleute starben.

In den letzten Jahren habe es mehr als anderthalb Mal so viele Einsätze gegeben wie zu Beginn seiner Amtszeit. Und viel mehr Fehlalarme. Es könne nicht sein, dass jede Abweichung von der Bauordnung mit einem Brandmelder kompensiert werde, kritisierte er – „auf dem Rücken der Feuerwehr“. Jene scheint im Kreis Tübingen personell gut aufgestellt zu sein, die Mitgliederzahlen stiegen sogar, während sie anderswo fielen. Es sei ihm aber bewusst, sagte Hermann, dass eine Abteilung „auf der Kippe steht – schade“. Für Ofterdingen hingegen überbrachte er im Jubiläumsjahr gute Nachrichten: Aus dem Regierungspräsidium habe er die mündliche Zusage, dass die Zuschüsse fürs geplante neue Feuerwehrhaus genehmigt würden. Bürgermeister Joseph Reichert hatte zu Beginn ziemlich vehement darauf hingewiesen, wie nötig die seien – schließlich hat er selten so viele Politiker auf einmal im Publikum.

Die Freiwillige Feuerwehr Ofterdingen feiert noch bis Montag ihr 150-jähriges Bestehen und den 32. Kreisfeuerwehrtag. Wer sich über die Geschichte der engagierten Brandbekämpfer informieren möchte, hat dafür nun eine aufwendige neue Festschrift zur Verfügung. Ortshistoriker Gerhard Kittelberger überreichte symbolisch das erste Exemplar an Kommandant Kurt Alexander.

Die Jugendmusikschule Steinlach musizierte: Die Annen-Polka von Johann Strauss sei zur selben Zeit entstanden wie die Ofterdinger Feuerwehr, wusste Hermann: „Sie sehen, mit mir kann man auch über Musik schwätzen.“ Dann gab’s einen Empfang und auf dem Schulhof einen „Großen Zapfenstreich“ – wie immer beim Kreisfeuerwehrtag, dieses Mal aber speziell dem Kreisbrandmeister gewidmet. Sein Nachfolger war auch da: Marco Buess aus Konstanz lebt neuerdings in Ofterdingen.

Mit Lobreden und Zapfenstreich endete Karl Hermanns Amtszeit – Feuerwehrfest begann
Großer Zapfenstreich mit dem Spielmannszug Remmingsheim, dem Musikverein Wolfenhausen und Übungen im Strammstehen. Bilder: Franke

Mit Lobreden und Zapfenstreich endete Karl Hermanns Amtszeit – Feuerwehrfest begann
Laut Landrat Joachim Walter ein „Organisationstalent“ mit „vorbildlichem Einsatz“: Karl Hermann.

Manfred Trapp (Rottenburg) und Rolf Steeb (Bodelshausen) erhielten die Ehrenplakette des Kreisfeuerwehrverbands. Bernhard Schick (Rottenburg) die silberne Ehrenmedaille des Landesfeuerwehrverbands, Eckhard Acker (Remmingsheim) die goldene Ehrenmedaille. Das Deutsche Ehrenkreuz in Silber ging an Horst Hiller (Ammerbuch)

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26.07.2014, 12:00 Uhr

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