Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Großbrände, Aktenrettung, Hochwasser - Ein Blick auf 150 Jahre Feuerwehrgeschichte in Nehren

Mit Löscheimer und Tragkraftspritze

„Die meisten Wohnhäuser sind alt, weil nie ein bedeutender Brand den Ort traf.“ So schrieb Nehrens Dorfchronist Friedrich August Köhler 1838. Das Feuer hat dennoch oft gewütet. 1864 wurde im Ort eine Feuerrettungsmannschaft begründet. Am Sonntag feiert die Freiwillige Feuerwehr mit dem 3. Landes-Oldtimer-Treffen ihren 150. Geburtstag.

26.09.2014
  • Jürgen Jonas

Nehren. Im Feuerwehrhaus zu Nehren wird ein alter Eimer wie ein Schatz aufbewahrt. Er stammt aus dem Jahr 1835, ist aus Leder gefertigt und innen mit Pech versehen. Einer der Löscheimer, deren Besitz seinerzeit verpflichtend war. Etwas älter noch ist eine tragbare Handspritze aus dem Jahr 1830, die ebenfalls, bis heute funktionstüchtig, erhalten ist. Die allererste Feuerspritze, die ein Reutlinger Handwerker angefertigt hatte, wurde in Nehren bereits im Jahr 1791 eingesetzt.

„Dis Haus steht in Gots Hand/ Got behits vor Fir und Brand/ Dis Haus steht an der Gass/ Got gib das man uns/ Mit Frieden darin las.“ So lautet eine Inschrift am Haus Hauchlinger Straße Nummer 2. Solche Beschwörungsformeln wurden auf praktische Weise ergänzt, indem man sich, so gut es ging, im Selbstschutz gegen die Flammen wehrte. Was gar nicht so einfach war angesichts der Wasserversorgung. Neben Brunnen in Privathäusern waren im Jahre 1867 zwei laufende und 39 Pumpbrunnen öffentlich zugänglich. Als Wasserleitungen wurden Holzdeichel benutzt, ausgehöhlte Holzstämme. In trockenen Jahren trat empfindlicher Wassermangel ein, sodass verschiedentlich das Waschen im Sommer bei Strafe verboten werden musste.

Der Feuersee dient heute noch als Löschteich

Die Feuerlöscheimer wurden aus der Wette gefüllt, einem Bassin in der Dorfmitte, wahrscheinlich ein Überrest des Burggrabens. Im Protokoll des Ruggerichts von 1840 heißt es: „Die Wette, total verschlammt und stinkend, ist für Feuerlöschzwecke nicht mehr zu gebrauchen. Beschluß, die Wette auszutrocknen und aufzufüllen.“ Der „Feuersee“ wurde angelegt, eine unterirdische Wasserstelle im Wörth „für Mensch und Vieh“, die heute noch als Löschteich genutzt wird.

1846 entstand eine Spritzenremise hinter dem Rathaus, das auf dem Dach ein kleines Türmchen trug, in dem eine Feuerglocke hing, die der Warnung diente und die Menschen zum Helfen rief. In den Anfängen des Feuerwehrwesens in Württemberg entwarf und baute der Heidelberger Maschinenbaumeister Carl Metz, Spezialist in der Herstellung von Feuerlösch- und Rettungsgeräten, Pumpensysteme, die die damalige Brandbekämpfung revolutionierten. Metz hat in seiner Schrift von 1848 „Die Feuerwehr als notwendiger Bestandteil der allgemeinen deutschen Feuerwehr“ festgelegt: „Soll die Feuerwehr einen Zweck haben, muss sie als besondere technische Compagnie organisiert, eigens bewaffnet ausgerüstet, der Bürgerwehr einverleibt sein.“ Das wurde 1864 in Nehren umgesetzt, als mit 18 Männern eine Feuerrettungsmannschaft aufgestellt wurde, die als Erkennungsmerkmal „ein rothes Band am rechten Arm“ trug. Sie hießen in der Hauptsache Steimle, Dürr, Nill, Schelling, Schneider, Laur, Saur und Fauser, Namen, die man heute noch im Ort vorfindet. Sie würden staunen über die Automobile, die Gerätschaften, das Feuerwehrhaus und die Ausbildungsmöglichkeiten, die heute zur Verfügung stehen. Ebenso wie ihre Nachfolger, die sich, nach der neuen Landesfeuerlöschordnung, im Jahr 1886 zu einer Pflichtfeuerwehr aufstellten, gegliedert in fünf Abteilungen mit insgesamt 122 Mann.

1912 wurde im Dezember eine Steigermannschaft gegründet, die Männer sollten beim Brand den Angriff in die Hand nehmen. 1919 schloss sich Nehren mit Mössingen, Ofterdingen und Dußlingen zur „Steinlachwasserversorgungsgruppe“ zusammen, im Jahr 1921 wurde die Wasserleitung fertiggestellt.

In den 150 Jahren gab es zahllose Einsätze für die Wehrleute. Auch bei den Brandstiftungen des Jahres 1907, die alle Einwohner in große Sorge versetzten. Der Übeltäter war längere Zeit nicht zu fassen. Schultheiß Haßberg erließ Anfang April ein Dekret, in dem das „zwecklose Umhertreiben und Umherstehen auf den Ortsstraßen von 9 Uhr abends an bis früh halb vier Uhr vorläufig bei Strafe verboten“ wurde. Im Mai des Jahres 1907 waren die gestifteten Feuersbrünste immer noch nicht beendet. Aus diesem Grund beantragte der Ortsvorsteher die Anschaffung von zwei Aktenrettungssäcken, um im Ernstfall die amtlichen Schriftstücke in Sicherheit schaffen zu können.

Die Kleinmotorspritze kam erst nach dem Krieg

Seit 1929 gab es eine Magirus-Leiter von zwölf Metern Höhe im Dorf. Sie kam etwa 1931 zum Einsatz, als ein Dreifamilienhaus in der Luppachstraße gegenüber der Gaststätte „Engel“ in Brand geriet. „Da hatte die Feuerwehr eine große Aufgabe vor sich. Mit großer Energie gelang es nach vier Stunden Arbeit, über das Feuer Herr zu werden. Es musste noch verschiedene Tage und Nächte gewacht werden“, wird berichtet.

1939 kündigte Bürgermeister Paul Heyd an, dass „in Bälde“ eine Kleinmotorspritze angeschafft werde. Sie wurde allerdings erst nach dem Krieg von Bürgermeister Wilhelm Keller besorgt. Nehren richtete im Juni 1962 den Kreisfeuerwehrtag aus. Im Dezember 1965 bekam die Feuerwehr das erste motorisierte Löschfahrzeug vom Typ LF 8. Das Gefährt wurde von einigen Feuerwehrmännern bei der Firma Ziegler in Giengen abgeholt, durchs Dorf fuhr man dann mit Blaulicht und Martinshorn bis vor das Rathaus, wo es von Bürgermeister Franz Fecht offiziell in den Dienst übergeben wurde.

Die erste Jugendfeuerwehr im Landkreis wurde in Nehren gegründet, im Oktober 1977, nachdem sich eine Anzahl Jugendliche getroffen hatte, die gerne mitarbeiten wollten. 1984 wurde das Feuerwehrhaus in der Franz-Fecht-Straße fertiggestellt, nachdem die Fahrzeuge und Geräte lange Jahre in zwei Magazinen untergebracht werden mussten. Heute hat die Einsatzabteilung 40 Mitglieder, die zahlreiche Übungen absolvieren und sich mit Lehrgängen auf dem Laufenden halten. Im vergangenen Jahr waren 49 Einsätze zu verzeichnen. Extrem dabei das Hochwasser am 1. Juni, bei dem sogar dem Umspannwerk an der B 27 der Kollaps drohte. Keller liefen voll, Zisternen quollen über, unaufhörliche Bäche von Oberflächenwasser, die Steinlach zeigte sich als reißender Fluss.

Mit Löscheimer und Tragkraftspritze

Mit Löscheimer und Tragkraftspritze

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

26.09.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball