Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Mit „Platte 2.0“ gegen Wohnungskrise
In Deutschland werden noch immer viel zu wenige Wohnungen gebaut. „Serielles“ oder „elementiertes“ Bauen wird auf der Münchner Baustoffmesse „Bau 2017“ deswegen ein großes Thema sein. Foto: Bildquelle
Immobilien

Mit „Platte 2.0“ gegen Wohnungskrise

Der Plattenbau hat aus DDR-Zeiten einen schlechten Ruf. Dabei sind Gebäude aus vorgefertigten Teilen weltweit verbreitet. Nun könnte das „serielle Bauen“ in Deutschland eine Wiedergeburt erleben.

21.01.2017
  • DPA

München. Den Plattenbau ereilte 1991 das gleiche Schicksal wie die DDR – der verdiente Untergang. Doch verschwunden ist nur der Name. Tatsächlich erlebt das Bauen mit in der Fabrik vorgefertigten Teilen unter neuem Namen eine Renaissance: Die Branche bevorzugt die Begriffe „serielles“ oder „elementiertes Bauen“. Manche sprechen von „Platte 2.0“, was in der Baubranche aber nicht gern gehört wird. Nach Meinung vieler Fachleute bietet das serielle Bauen die einzige Chance, den Wohnungsmangel zu beheben. Auf der Münchner Baustoffmesse „Bau 2017“ wird das kommende Woche eines der großen Themen sein.

„Ohne eine stärkere Industrialisierung des Wohnungsbaus werden wir die Probleme auf den Wohnungsmärkten nicht lösen“, sagt Heiko Stiepelmann, stellvertretender Geschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. „Für uns heißt das: Forcierung des seriellen Wohnungsbaus.“ Notwendig wären nach einer auch von Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) verbreiteten Faustformel etwa 400 000 Neubauwohnungen pro Jahr. Doch davon ist Deutschland weit entfernt – 2016 waren es nach einer Schätzung des Ifo-Instituts vielleicht 300 000.

Vorgefertigte Bauteile waren keineswegs eine Spezialität der DDR. Den schlechten Ruf verdanken die sozialistischen Plattenbauten nicht der Bauweise, sondern dem monotonen Charakter vieler Großsiedlungen. Standard in den 70er und 80er Jahren waren Gebäude der „Wohnbauserie 70“, die in Berlin-Marzahn und anderen ostdeutschen Städten in vieltausendfacher Ausfertigung errichtet wurden. Aber auch die in Westdeutschland in den 60er und 70er Jahre auf der grünen Wiese errichteten Hochhausviertel und ihre sozialen Probleme haben Großsiedlungen in Verruf gebracht.

Heute hält es die Bauindustrie für sinnvoll, wieder einheitliche Haustypen für den Geschosswohnungsbau zu entwickeln: „Statt bedingungslos dem Leitbild der Einzelfertigung zu folgen, sollten künftig stärker Prototypen geplant werden, die dann deutschlandweit in Serie umgesetzt werden können“, sagt Stiepelmann. So ließen sich die Kosten senken.

Kostensenkung ist aber keineswegs das einzige Motiv für die Renaissance des seriellen Bauens. In Zeiten knapper Fachkräfte hilft die Vorfertigung, wie Iouri Gigouline erläutert, Vertriebsleiter beim Baukonzern Max Bögl. Das Oberpfälzer Unternehmen hat industriell produzierte Raummodule entwickelt, die wie in einem Baukastensystem ganz unterschiedlich kombiniert werden können. Ihr Modul biete „den Vorteil, dass wir die Leute in der Halle beschäftigen können“.

Deutschland habe lange das Glück gehabt, dass viele günstige Arbeitskräfte aus dem Ausland zur Verfügung standen, sagt Gigouline. Auch Wohnungsbaugesellschaften fragen verstärkt nach. Die Vorteile für die Bauherren seien ein fester Preis und ein fester Termin für die Fertigstellung, „sowie hohe Qualität dank industrieller Fertigung“.

Doch fast alle sehen in den Bauvorschriften ein Hindernis. Denn diese sind alles andere als standardisiert. Jedes Bundesland hat seine eigene Bauordnung. Eine Idee wäre die Typen-Genehmigung: Werden mehrere baugleiche Gebäude errichtet, könnte auch die Baugenehmigung seriell ausgestellt werden. Bisher muss jede Kommune jedes einzelne Haus neu genehmigen. dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

21.01.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball