Fahrradmarkt

Mit Rückenwind in die Zukunft

Die Branche freute sich über Rekordumsätze. Der Boom hält nach einer Studie an. Viele Kunden planen, für neue Räder mehr als 4000 Euro auszugeben.

28.08.2020

Von CAROLINE STRANG

Mit dem Rad die Natur zu entdecken, ist vielen wichtiger geworden. Die Branche profitiert von der Krise. Foto: Jan Greune/Delius Klasing Verlag

Bielefeld. Mal angenommen, es wäre alles wie gewohnt . . .“ – mit diesen Worten beginnt Pressesprecher Christian Ludewig die Online-Präsentation der europaweit größten Fahrradmarktstudie. Wie gewohnt läuft das Leben derzeit allerdings nicht, auch der Fahrradmarkt spürt die Folgen der Corona-Krise – allerdings im positiven Sinne. In der Studie des Delius Klasing-Verlags ist sogar von einem „Corona-Bonus“ die Rede, die Branche spreche vom Mai als „besten Monat aller Zeiten“.

Die Corona-Krise hat einen langfristigen Trend verstärkt: Der deutsche Fahrradmarkt ist von 2015 bis 2019 um 20 Prozent auf einen Umsatz von 5,03 Milliarden Euro gewachsen, wie der „Branchenfokus Fahrräder“ vom IFH Köln und der BBE Handelsberatung zeigt. 2020 bringt für die Branche zusätzlich ein Umsatzplus von bis zu 900 Millionen Euro. „Diese Ausnahmesituation des Fahrradmarktes ist als kleines, feines Licht im ansonsten eher düsteren Handel zu betrachten“, sagt Uwe Krüger, Senior Consultant am IFH Köln.

„Sportlich ambitionierte Radfahrer fahren deutlich mehr Rad als vor der Pandemie, und das Fahrrad geht als Verkehrsmittel und Freizeitgerät als einer der ganz großen und wenigen Gewinner aus der aktuellen Corona-Krise hervor“, sagt Ludewig. Im Vordergrund stehe dabei für die meisten Radfahrer der Spaß, gefolgt von Gesundheit, Bewegung und Landschaft.

Das zeigt sich auch an der Kaufabsicht der für die Studie fast 60 000 befragten Leser der bekanntesten Rad-Zeitschriften. So haben 42 Prozent der Leser des Mountainbike-Magazins vor, in den nächsten 24 Monaten ein neues Mountainbike zu kaufen. Die Ausgabebereitschaft steigt: Sie planen dafür im Schnitt gut 4000 Euro auszugeben.

Mit E-Bike ins Gelände

Das Interesse an E-Mountainbikes hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Das Interesse an E-Antrieben steigt deutlich, wie die Studie zeigt, „Die anfängliche Skepsis nimmt weiter ab“, sagt Ludewig. „E-Mountainbikes erleben wohl den größten Boom im Markt.“ Betrachtet man den Markt von Alltags- und Freizeitradlern, geht der Trend ebenfalls eindeutig in Richtung E-Bike.

Fans von Rennrädern sind ebenfalls kaufbereit. 37 Prozent der Leser des Fachmagazins „Tour“ wollen in den nächsten 24 Monaten ein Rennrad im durchschnittlichen Wert von rund 4200 Euro kaufen. Dabei bevorzugen 55 Prozent einen Kauf im Fachhandel, 37 Prozent kaufen im Internet. Auch Mountainbikes werden zu 60 Prozent im Fachhandel gekauft. Bei den jüngeren Lesern des Magazins „Freeride“, die im Schnitt gut 33 Jahre alt sind, kaufen jedoch 53 Prozent online ein, nur 39 Prozent im Fachhandel.

Das beliebteste Reiseziel für einen Radurlaub ist und bleibt Deutschland, das „Rad-Urlaubsland Nummer 1“. Das Interesse an einem Urlaub im eigenen Land ist nach dem Lockdown weiter gestiegen, andere beliebte Reisezeile in Europa wie Österreich, Italien, die Schweiz oder Frankreich sinken in der Gunst allerdings auch nur um wenige Prozentpunkte. Auffällig ist, dass weniger Radfahrer planen, in großen Hotels zu übernachten. Kleinere Pensionen, Campingplätze oder Ferienhäuser sind beliebter geworden.

Während die Experten der Studie davon ausgehen, dass der Positivtrend für den Fahrradmarkt anhält – „ein Ende des Booms ist nicht in Sicht“ –, sind die Handelsinstitute skeptischer. Für den weiteren Verlauf des Fahrradmarktes könnte ein „Umsatzausfalleffekt eintreten wie er oft bei Vorziehungskäufen durch eine zeitweilig erhöhte Nachfrage zu beobachten ist“, schreibt das IFH. Das heißt: Die überdurchschnittlich vielen Menschen, die in diesem Jahr ein neues Rad gekauft haben, brauchen so schnell kein neues.

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Erstellt:
28. August 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
28. August 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. August 2020, 06:00 Uhr

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